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Nach Rekordsperre: Kobiaschwilis Kampf gegen den Frust

Berlin (dpa) - 20.07.2012, 11:40 Uhr

Herthas Lewan Kobiaschwili wird noch bis Ende des Jahres nur zusehen können. Foto: Sebastian Kahnert
Herthas Lewan Kobiaschwili wird noch bis Ende des Jahres nur zusehen können. Foto: Sebastian Kahnert

Er will nicht ständig grübeln, doch der Frust ist nach wie vor groß. Lewan Kobiaschwili hat mit seiner Sperre bis zum Jahresende unfreiwillig deutsche Fußball-Geschichte geschrieben.

Nach der Tätlichkeit gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark im Anschluss an das skandalöse Relegationsspiel bei Fortuna Düsseldorf ist der 35-jährige Herthaner noch bis zum 31. Dezember suspendiert und sitzt damit die längste Sperre in der Bundesliga-Historie ab. Erst am 20. Spieltag könnte er nach dem Abstieg der Berliner erstmals wieder ins Geschehen der 2. Liga eingreifen.

«Ich versuche, nicht jeden Tag darüber nachzudenken», sagt Kobiaschwili, «das hilft mir nicht.» Zwar verließ der Defensiv-Allrounder den Trainingsplatz mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern - seine Körpersprache war aber wohl eher ein Zeichen von Erschöpfung als von mangelnder Motivation. In den Trainingsspielen zuvor agierte Kobiaschwili jedenfalls so, wie man es von ihm gewohnt ist: konzentriert, umsichtig und präsent.

Auch seinen Humor scheint sich der Georgier bewahrt zu haben. «Ich habe in meiner Karriere so viele Spiele gemacht. Ich glaube nicht, dass die mangelnde Spielpraxis ein Problem für mich sein wird», meinte der Rekord-Ausländer, der 336 Mal in der Bundesliga eingesetzt wurde und weitere 75 Mal in der 2. Liga auflief.

Bei Hertha BSC scheint man sich der Bedeutung des Routiniers jedenfalls bewusst zu sein. Trotz der langen Sperre und seiner 35 Jahre wurde der Vertrag bis 2014 verlängert - mit der Option auf ein weiteres Jahr. «Ich bin glücklich und dankbar, dass der Verein hinter mir steht», meint Kobiaschwili. Er möchte das in ihn gesetzte Vertrauen zurückzahlen. Im Training werde er «weiterhin Gas geben», seine Erfahrung einbringen und jüngeren Spielern ein Vorbild sein.


Herthas neuer Trainer Jos Luhukay ahnt jedoch, dass das Jahr 2012 für Kobiaschwili noch eine große Herausforderung bringen wird. «Mental ist das unglaublich schwierig. Egal, wie sehr er sich im Training reinhängt - der Gedanke, dass er am Wochenende nicht spielen darf, wird immer in seinem Hinterkopf sein.» Nach den bisherigen Eindrücken sei Kobiaschwili jedoch ein «positiver Charakter» und spiele aufgrund seiner Erfahrung eine wichtige Rolle im Team.

Die Spielzeit 2012/13 wird für Kobiaschwili bereits die 16. Saison im deutschen Profifußball. Kurios: Lediglich in April 1999 sah er - damals in Diensten des SC Freiburg - ein einziges Mal die Gelb-Rote Karte, ehe er Ende der vergangenen Saison innerhalb von nur fünf Wochen zweimal des Feldes verwiesen wurde und für insgesamt drei Spiele im Abstiegskampf gesperrt war. Schon damals war der Frust bei ihm groß.

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