Rein sportlich war die waghalsige Mission für Otto Rehhagel in Berlin als Trainer nach 40 Jahren auf der Bank gescheitert. Sein Verein steht jetzt vor einem Scherbenhaufen, die Zukunft ist ungewisser denn je. Das 2:2 in der Esprit-Arena besiegelte nach der 1:2-Niederlage fünf Tage zuvor - rein sportlich gesehen - den sechsten Abstieg der Hertha aus der Bundesliga. Er habe schon viel erlebt, aber solch ein Chaos war selbst für den «alten Hasen» Rehhagel mit mehr als 1000 Partien als Spieler und Coach Neuland: «Die Begleitumstände sind natürlich eine Katastrophe», gestand er. Nach der gescheiterten Rettungsmission fällt Berlin nun aller Voraussicht nach in die Peinlichkeit zurück, einzige Hauptstadt Europas ohne Erstliga-Verein zu sein. Und ob die Bundesliga-Rückkehr wie nach dem Abstieg vor zwei Jahren erneut auf Anhieb gelingt, scheint mehr als fraglich. Obwohl Hauptsponsor Deutsche Bahn sein Engagement auch in Liga zwei aufrechterhält, muss Hertha nun sparen. Der Mannschaft droht der Ausverkauf. Die finanziellen Möglichkeiten zum Wiederaufstieg seien nicht vorhanden, deutete der stellvertretende Aufsichtsratschef Andreas Schmidt die prekäre Situation schon an. Statt 25 Millionen stehen dem von 37,5 Millionen Schulden gedrückten Verein künftig nur noch etwa zehn Millionen Euro für das Personal zur Verfügung. Sollte dem Protest nicht stattgegeben werden, gilt als sicher, dass vor allem die teuren Südamerikaner Raffael, Ronny und Adrian Ramos nicht zu halten sein werden. Ein Neuaufbau um den neuen Anführer Thomas Kraft und Peter Niemeyer ist die Herkulesaufgabe des Managers, der nach dem Willen von Präsident Werner Gegenbauer weiter Michael Preetz heißen soll. Doch von Vizepräsident Jörg Thomas und einigen weiteren Mitgliedern des Präsidiums, vor allem aber den Fans, bläst Preetz nach dem zweiten Abstieg unter seiner Regie heftiger Gegenwind ins Gesicht. Preetz klebt aber weiter an seinem Job: «Ich bin gewillt, weiterzumachen.» Von Gegenbauer erhält er Rückendeckung: «Für mich ist es völlig unbestritten, dass er in seiner Position bleibt.»
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