Sicherlich waren auch die winterlichen (Platz-)Verhältnisse ein Grund dafür, dass die 18000 frierenden Zuschauer im Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig kein wirklich erwärmendes Zweitliga-Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und dem Karlsruher SC zu sehen bekamen. Viel Kampf, zahlreiche Fehlpässe, sich oft zufällig ergebende Torchancen und gute Torwartleistungen auf beiden Seiten sorgten dafür, dass bei einer gerechten Punkteteilung noch nicht einmal ein Tor zu bewundern war. Selbst ein berechtigter Elfmeter, den Braunschweigs Torjäger Kumbela nicht zu verwandeln vermochte, sorgte für wenig Würze im Spiel mit schwachem Zweitliga-Niveau.
Eintracht Braunschweig hatte diesmal wieder den angestammten linken Aussenverteidiger Reichel mit an Bord, der in Frankfurt gelbgesperrt nicht eingesetzt werden konnte. Spielmacher Vrancic durfte diesmal von Anfang an auflaufen. Für ihn setzte Trainer Lieberknecht Pfitzner auf die Bank. Fetsch war aufgrund einer Verletzung nicht im Kader. KSC-Trainer Andersen änderte seine Mannschaft nach dem 2:1-Sieg des letzten Spieltages diesmal nur auf einer Position. Für den Rotsünder Buckley rutschte Cuntz ins Team.
Braunschweig versuchte von Beginn an, das Spiel zu dominieren. Doch Karlsruhe stand kompakt und ließ im Strafraum nichts anbrennen. Erste Gefahr drohte in der 5. Spielminute, als Eintrachts Sturmspitze Kumbela nach eine Unaufmerksamkeit der KSC-Abwehr überraschend ans Leder kam und die sich bietende Gelegenheit zu einem ersten Schussversuch nutzte. Keine Minute später konnte Karlsruhes Staffeldt im letzten Moment eine Schusschance von Kumbela vereiteln, als er eine Flanke von Eintrachts Rechtsaußen Reinhardt gerade so ins Toraus beförderte. Die Hereingabe hatte sein Torwart Orlishausen unterlaufen. Dies war im gesamten Spiel aber der einzige Fehler des sonst ausgezeichnet spielenden KSC-Keepers.
Karlsruhe konterte jetzt geschickt und wurde dabei immer wieder von Eintracht-Spielern unterstützt, die auf dem Winterboden ihr gewohntes sicheres Paßspiel nicht aufzuziehen vermochten und oft Ballsituationen nicht richtig einschätzten. In der 11. Minute setzte sich Timm über rechts gegen seine Gegenspieler durch und bediente Iashvili, der aber von Dogan noch am erfolgreichen Abschluss im Strafraum gehindert werden konnte. Der Abwehrchef der Eintracht leistete sich dann 2 Minuten später bei einem Spielaufbau nach vorne einen Fehlpass auf Timm, der sofort seine Sturmkollegen bediente – die aber diese sich plötzlich bietende große Chance großzügig vertändelten.
Dann sorgte Eintrachts zentraler Defensivmann Theuerkauf in der 14. Spielminute für eine kurzeitige Erwärmung des eigenen Anhangs auf den Rängen, als er einen Freistoss aus ca. 25 Metern rechts vor dem KSC-Strafraum an das rechte Torkreuz der Karlsruher zirkelte. Dies war ein Weckruf für den KSC, der nun in der Folgezeit auch offensiver spielte und mehrere Tormöglichkeiten kreierte. Braunschweig dagegen kam nur noch bis zum Strafraum der Gäste, konnte aber deren Abwehrriegel einfach nicht knacken. Zu schlecht funktionierte am heutigen Tag auch das sonst so effektive Flügelspiel der Löwen. So musste bei der nächsten blau-gelben Möglichkeit der KSC schon selbst mithelfen. Rada legte im eigenen Strafraum aus Versehen Kumbela den Ball vor. Der Goalgetter war aber so überrascht davon, dass er das Leder aus guter Position weit über das Gästetor drosch. Eine KSC-Großchance in der 23. Minute vereitelte danach der gute Eintracht-Keeper Davari, als er aus kurzer Distanz einen Schuss von Soumaré parierte. KSC-Lenker Calhanoglu hatte einen Freistoß auf Groß gebracht, der mit dem Kopf seinen Mitspieler perfekt bediente. Vrancic hatte hier nicht aufgepasst! Soumaré versuchte es abschließend vergeblich mit einem Oberschenkel-Schlenzer. Auch Groß machte es in der 29. Minute mit dem Fuß nicht besser, als Eintrachts linker Außenverteidiger Reichel ihn mit dem Kopf unfreiwillig bediente. Davari warf sich in erfolgreich in seinen Aufsetzer. In den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit ereignete sich dann bis zum Pausentee nicht mehr sehr viel – auch wenn sich besonders auf Eintrachts linker Außenseite besonders Boland noch sehr viel mühte und in der 32. Minute ein weiteres Mal am KSC-Tor vorbeischoss. Vom Eintrachts bisher hochgelobten „K & K-Sturm“ war an diesem Tag nicht sehr viel zu sehen. Strafraumstürmer Kumbela mühte sich zwar, agierte aber eher unglücklich – nicht nur bei bei KSC-„Geschenken“. Die hängende Spitze Kruppke blieb nicht nur in der ersten Halbzeit ungewohnt blass.
Beide Mannschaften begannen die zweite Halbzeit ohne Auswechslungen. Allerdings dauerte es nur bis zur 49. Minute, bis der bis dahin auffällige Karlsruher Stürmer Timm verletzt den Platz verlassen musste. Für ihn versuchte nun Müller, die Eintracht-Defensive auf dem falschen Fuß zu erwischen. Meist vergeblich, denn Braunschweig stand hinten nun kompakter und zwang den KSC in die eigene Hälfte. Heraus sprang in der 54. Spielminute eine hochkarätige Chance durch Reinhardt, der nach einem blau-gelbem Konter in eine Flanke über rechts von Kumbela hechtete und Keeper Orlishausen zu einer schönen Parade zwang.
Die allergrößte Chance gab es für Eintracht Braunschweig vom Elfmeterpunkt aus. Soumaré kam in der 57. Minute im eigenen Strafraum gegen Boland zu spät, der sich in feiner Einzelleistung durchgespielt hatte. Er wusste sich nur noch mit einem Foul zu helfen und holte den flinken Eintracht-Außen von den Beinen. Schiedsrichter Steuer zögerte keine Sekunde und zeigte auf den Punkt. Kumbela führte den Strafstoß in die rechte Ecke aus, in welche sich KSC-Torhüter Orlishausen aber ebenfalls warf und den Ball auf die rechte Seite ablenken konnte. Teamkollege Reinhardt erreichte den abgeprallten Ball zwar als erster, konnte aus ungünstigem Winkel den Ball aber nicht im Nachgang im Netz unterbringen.
Braunschweig reagierte auf die vergebene Chance mit wütenden Angriffen. Der linke Verteidiger Reichel versuchte sich in der 64. Minute dabei mit einem Volleyschuss, nachdem ihn Boland von rechts mustergültig bedient hatte. Spielmacher Vrancic, der im gesamten Spiel der Kicker mit den meisten Ballkontakten war, kam zwei Minuten später unbedrängt zu einem Flugkopfball im KSC-Strafraum, der aber das Ziel verfehlte. Wenig später gab der KSC eine Antwort und kam selbst durch einen gefährlichen Freistoß zu einer Gelegenheit, bei dem der auffällige Calhanoglu allerdings in Löwen-Keeper Davari seinen Meister fand (69.). Danach war für 10 Minuten auf beiden Seiten im Spiel die Luft heraus. Auch zahlreiche Auswechslungen im Eintracht-Team bewirkten kaum etwas. Erst in der Schlussphase, als beide Teams sich schon mit einem torlosen Remis abgefunden zu haben schienen, folgten noch einige kleinere Aufreger. In der 83. Minute war wieder einmal Kumbela seine Bewachern davongeeilt und steuerte allein im Strafraum auf Orlishausen zu, wartete aber zu lange mit dem Abschluss. In dem Moment, wo er sich den Ball auf den anderen Fuß legen wollte (um den Verfolger Soumaré zu umspielen), konnte der Verteidiger ihm aber den Ball vom Fuß spitzeln. Nach dieser letzten Großchance für Braunschweig hätte nur noch der KSC ein spielentscheidendes Tor schießen können. Eintracht-Keeper Davari verhinderte aber durch geschicktes Herauslaufen letzte Chancen durch Müller nach einem langen Pass aus der KSC-Defensive und der Folgechance von Iashvili (85.). Danach versuchten beide Teams erfolgreich, das Unentschieden über die Runden zu bringen.
Die in der Rückrunde bisher noch sieglosen Braunschweiger müssen im nächsten Spiel auswärts in Aue antreten, während der KSC weitere Punkte gegen den Abstieg gegen Cottbus einfahren möchte.
Eintracht Braunschweig
Davari – Washausen, Bicakcic, Dogan, Reichel – Theuerkauf (82. Pfitzner), Vrancic – Reinhardt (70. G. Korte), Kruppke (78. Petersch), Boland - Kumbela
Karlsruher SC
Orlishausen – Staffeldt, Soumaré, Rada, Charalambous - Groß, Haas, Cuntz – Calhanoglu (88. Lavric) – Timm (49. Müller), Iashvili (87. Terrazzino)