Stell' Dir vor, es ist Fußball und keiner darf hin. Das eigentlich undenkbare Szenario erlebt in über 38 Bundesliga-Jahren mit tausenden Begegnungen am kommenden Sonntag bei der Zweitliga-Partie Hansa Rostock gegen Dynamo Dresden seine zweite Auflage.
Wenn die beiden Vereine in die Rostocker DKB-Arena einlaufen, werden ihnen keine Fans zujubeln und keine Emotionen von den Rängen auf den Rasen überschwappen. Es ist keiner da, der sie entfachen kann. Zuschauer sind nach einem Urteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für das Aufeinandertreffen der beiden ehemaligen DDR-Oberligisten ausgesperrt.
Ein grauenvolles Schauspiel, findet Wolfgang Wolf. «Das braucht kein Mensch. Die Atmosphäre wird gespenstisch», sagt der neue Hansa-Trainer. Wolf und Stürmer Marek Mintal haben das Erlebnis wider Willen hinter sich, als sie noch in Diensten des 1. FC Nürnberg standen. Die Zweitligapartie der Franken bei Alemannia Aachen wurde am 26. Januar 2004 ohne Zuschauer wiederholt, weil Wolf, damals Trainer beim «Club», von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden war.
Auch dieses Mal waren sogenannte Fans die Verursacher des «Geisterspiels». Der DFB reagierte mit der drakonischen Strafe auf die Ausschreitungen im Nordderby zwischen Hansa und dem FC St. Pauli. Das Duell stand am 19. November kurz vor dem Abbruch, nachdem im Hamburger Fanblock bengalische Feuer abgebrannt worden waren. Rostocker Anhänger schossen daraufhin Leuchtraketen in den Gästeblock. Hansa Rostock sprach in der Folge weit über 50 bundesweite Stadionverbote aus. Insgesamt sind gegen über 70 Personen Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.
Das Strafmaß traf den sportlich am Boden liegenden und auch finanziell angeschlagenen Traditionsverein schwer - und ließ die Protagonisten zu ungewöhnlichen Maßnahmen schreiten. Die Hansa-Führung rief Sponsoren und Anhänger zum Schulterschluss auf und bat um Hilfe, um die drohenden finanziellen Einbußen in satter sechsstelliger Höhe wenigstens etwas reduzieren zu können.