Starke Eintracht muss sich «eiskalten» Dresdnern beugen (Artikel von Autor Juro)
Eintracht Braunschweig lässt zur Zeit alle Punkte liegen, obwohl das Team fast jeden Gegner daheim und auswärts dominiert und sichtbar in der zweiten Liga angekommen ist. Mitaufsteiger Dynamo Dresden gelang es am Samstag, dank einer 100prozentigen Torchancen-Ausbeute aus dem Stadion an der Hamburger Straße (trotz nur mäßiger eigener Gesamt-Leistung), alle drei zu vergebenen Punkte zu entführen. Trotz des 0:2 wollten Löwen-Coach Lieberknecht und sein Kapitän Kruppke nichts von einer «Eintracht-Krise» hören, mussten sich aber die Frage gefallen lassen, warum – wenn schon vorn all die zahlreichen Eintracht-Gelegenheiten ungenutzt verstrichen, im Spiel bei seinem Team hinten aber nicht wenigstens einmal die «Null» stehen würde.
Beide Teams traten gegenüber dem vergangenen Spieltag nur mit minimal veränderter Besetzung an. Dynamo-Coach Loose ersetzte den mit grippalem Infekt das Bett hütenden Mittelfeldstrategen Dedic durch Papadopolus, während Eintracht-Trainer Lieberknecht mit Bedauern auf den angeschlagenen Spiellenker Vrancic verzichten musste. Für ihn spielte Freisstoß-Spezialist Zimmermann nach längerer Zeit einmal wieder von Anfang an.
Die blau-gelben Löwen mussten im Spiel gegen ein sehr defensiv eingestelltes Team von der Elbe agieren. Die Eintracht zeigte ein gefälliges Kombinationsspiel und setzte den Dresdner besonders über die Aussenpositionen zu. Bereits nach 26 Sekunden zog von rechts neben dem Sachsen-Strafraum Zimmermann das erste Mal aufs Dresdner Tor ab. Der flinke Boland auf links düpierte den linken Aussenverteidiger Subasic danach ein ums andere Mal, ohne dabei aber wirklich gefährliche Torraum-Situationen heraufzubeschwören. In der 5. Minute flankte Eintracht-Kapitän Kruppke von rechts, doch Kumbelas Kopfball aus nächster Distanz wehrte Dynamo-Keeper Hesl ab. Die stabilen Innenverteidiger Jungwirth und Bregerie entschärften ein ums andere Mal in den Strafraum segelnde Bälle. In der 9. Minute marschierte der linke Aussenverteidiger Kessel selbstbewusst vor den Dynamo-Strafraum, wurde aber von Subasic mit taktischem Foul gelegt. Den fälligen Freistoss schoss der zentrale blau-gelbe Mittelfeld-Defensivmann Theuerkauf in die Dresdner Mauer, den Abpraller dann Zimmermann danach aus guter Position über das Tor. Das erste Achtungszeichen für die Eintracht, selbst hinten nicht zu sorglos zu agieren, setzte in der 10. Minute Dresdens rechter Läufer Trojan, der über links in Braunschweigs Strafraum zog und erstmals den heimischen Keeper prüfte. Löwen-Torhüter Davari war in dieser Situation herausgeeilt und hatte geschickt den Winkel verkürzt.
Diese Warnung verstand die Löwen-Defensive aber nicht, denn schon der nächste Dresdner Konterangriff brachte – in einer eigenen vielversprechenden Offensiv-Phase - das zu diesem Zeitpunkt glückliche Führungstor für die Sachsen. Nach einem langen Pass aus der eigenen Hälfte leitete Fiel mit dem Kopf einen Ball auf Koch, der rechts im Strafraum der Eintracht stand. Dessen schwachen Torschussversuch fälschte der blau-gelbe Abwehrchef Henn unglücklich links ins eigene Netz ab. Obwohl der Ball nur langsam über die Linie trullerte, kam Torwart Davari nicht mehr ans Leder, der er sich voll auf die rechte Torseite konzentriert hatte.
Nach diesem überraschenden Rückstand brauchte Eintracht Braunschweig nach einer vergebenen Freistoßchance von Zimmermann (16. Minute) erst einmal fast eine Viertelstunde, um zum alten Spielfluss zurückzufinden. Es wurde aber schliesslich dann doch mehr Druck aufgebaut, aus dem sich Dresden bis zur Halbzeit nicht mehr befreien konnte. Auch mit hartem Einsteigen und vielen Fouls gelang dies nicht. Dresden offenbarte besonders Schwächen im Mittelfeld-Spiel, wo u.a. Routinier Fiel zu behäbig agierte. Dresden fiel in dieser Phase lediglich durch eine Freistoss-Chance links vor dem Braunschweiger Strafraum auf, die Bregerie unglücklich in «die Wolken» schoss. Schiedsrichter Leicher hatte sichtlich Mühe mit der Partie und traf sehr viele «verwunderliche» Entscheidungen (darin waren sich beide Trainer in der Pressekonferez nach dem Spiel einig). Erstes Ergebnis der Bemühungen der Oker-Städter war zwei riesengroße Chancen in der 25. Minute. Eine erste Kopfballchance hatte Braunschweigs hängender Spitze Kruppke, der einen Theuerkauf-Freistoß freistehend über Dynamos Keeper Hesl, aber auch denkbar knapp über die Latte köpfte. Hier konnte der Torwart nur zuschauen. Sensationelle Reflexe zeigte er aber danach bei einem weiteren Kopfball von Henn – der eine Flanke von Kruppke über rechts verwerten wollte. Aufregung im Dresdner Strafraum auch bei einem Freistoß von Zimmermann in der 29. Minute. Der hatte präzise das rechte Sachsen-Toreck anvisiert, musste aber Hesls Flugeinlage bewundern, der den mittlerweile mehr als verdienten Ausgleichstreffer eindrucksvoll vereitelte.
In der Schlussphase der ersten Halbzeit wurde das Spiel von beiden Seiten überhart geführt. Nach mehreren gelben Karten für die Elbestädter holte sich auch der übermotivierte Löwe Pfitzner den gelben Karton ab. Die Dresdner hatten weiterhin Keeper Hesl und viel Glück auf ihrer Seite. In der 41. Minute warf sich Henn im Dresdner Strafraum in einen Rückpass von Boland von der Grundlinie, sein Kopfball prallte dabei an den linken Pfosten des Dresdner Tores, bevor Hesl seine Finger an den Ball bekam. In der letzten Spielminute gab es dann im Stadionrund (ausverkauftes Haus mit fast 23.000 Zuschauern) helle Aufregung, als Schiedsrichter Leicher ein Foul von Subaric an den von rechts nach einer Ecke in den Strafraum eindringenden Linksaussen Boland nicht mit Elfmeter für die Hausherren ahndete.
Da der Dresdner Linksverteidiger Gueye nach wiederholtem Foulspiels an Zimmermann und Boland (die ständig auf Aussen die Seiten wechselten) bereits kurz vor dem Platzverweis gestanden hatte, brachte Trainer Loose für ihn zur zweiten Halbzeit Stoll. Die Braunschweiger dagegen kamen mit unverändertem Team vorzeitig aus der Kabine und versuchten sofort wieder, Druck zu machen. Die erste Großchance vergab Zimmermann, der freistehend vorm Dynamo-Tor recht kläglich den Ball verzog. In der 49. Minute warf sich Dresdens Innenverteidiger Jungwirth in einen Schuss von Boland von links und spielte «Hand» im eigenen Strafraum. Wieder blieb die Pfeife des Unparteiischen stumm.
In der 52. Spielminute gab es vom heimischen Publikum dann großen Applaus für die Rückkehr des langverletzten Abwehrchefs Dogan, der erstmals von Lieberknecht eingewechselt werden konnte. Für ihn war der portugiesische Innenverteidiger Correia, der kurz zuvor eine kritische elfmeterverdächtige Strafraumsituation mit dem Dresdner Trojan überstehen musste, verletzt vom Platz gehumpelt.
In die Findungsphase des neuen Braunschweiger Innenverteidiger-Duos Henn/ Dogan hinein stiess nur zwei Minuten später erneut der Torschütze des ersten Tores – Koch – mit seinem zweiten Treffer für die überglücklichen Dresdner. Nach einem Einwurf wurde dabei der Ball im Strafraum-Zentrum viel zu kurz abgewehrt. Der frei laufende Koch bedankte sich für die Vorlage, nahm sich ein Herz mit einem Schuss aus 18 Metern und zog trocken in die linke Seite des Löwen-Tores ab. Keeper Davari hatte keinerlei Möglichkeit, hier noch rettend einzugreifen.
Mit dem Mut der Verzweiflung berannten nun die Blau-Gelben das Sachsen-Tor, erspielten sich eine Chance zum Anschlusstor nach der anderen. Einer der eifrigsten Löwen, der sehr lauffreudige und trickreich aufspielende Boland, zeigte sich dabei vor dem Tor mehrmals sehr uneffektiv (große Chance z.B. in der 60. – lupfte Ball freistehend über Hesl und die Latte). Kumbela machte es in der 63. Minute nicht viel besser – zog den Ball aus 25 Metern knapp neben das Dynamo-Tor.
Lieberknecht setzte nun alles auf eine Karte und wechselte in der 70. Minute zwei frische Stürmer ein, welche die einzige Sturmspitze Kumbela nun entlasten sollten. Allein Nachwuchstürmer Merkel zeigte sich dabei einmal – zwei Minuten später – nach einem Boland-Freistoss mit einer wirklichen Torchance. Immerhin schuf er dann im weiteren Spielverlauf zusammen mit Einwechselstürmer Fetsch ordentlich Raum für Kumbela, der nun selbst reihenweise zu Chancen kam. In der 77. Minute agierte er mit einem Kopfball zu eigensinnig, anstatt in der Mitte auf den freistehenden Fetsch zu legen. Ein Torerfolg war ihm aber auch später nicht mehr vergönnt. Selbst als einen seiner Schüsse Henn im Torraum in Richtung der rechten leeren Torhälfte des Dynamo-Kastens abfälschte, strich der Ball knapp am Pfosten vorbei ins Toraus (89.). Kurz zuvor (85.) hatte Papadopulus die letzte Dresdner Chance, als sich Eintrachts Davari mit einer schönen Parade auf dem Posten zeigte. Der Schiedsrichter hatte dann ein Einsehen und pfiff das Spiel verfrüht nach nur kurzer Nachspielzeit ab. Denn die Braunschweiger hätten (auch nach Aussage Ihres Trainers in der PK) am heutigen Spieltag noch stundenlang weiterspielen können, ohne dabei ein eigenes Tor zu schiessen.
Nach dem Spiel zeigte sich Dynamo-Trainer Loose zufrieden mit dem glücklichen Sieg und fand viel Kritik an seinem Team. Es würden sich aus dem heutigen glücklichen Sieg in Braunschweig aber keine Schlüsse auf den anstehenden Pokal-Fight in Dortmund ziehen lassen. Braunschweig sei das bessere Team gewesen, das auch schon in Paderborn unter Wert geschlagen worden wäre. Eintracht-Coach Lieberknecht lobte erneut die Einstellung seines Teams, kritisierte die fahrlässige Torchancen-Ausbeute und sah selbstbewusst durchaus Chancen für sein Team, die kommende Auswärts-Aufgabe beim Spitzenreiter aus Fürth zu meistern.
Eintracht Braunschweig:
Davari – Kessel, Henn, Correia (51. Dogan), Reichel – Theuerkauf - Zimmermann (70. Merkel), Pfitzner (70. Fetsch), Kruppke, Boland – Kumbela
Dynamo Dresden:
Hesl – Gueye 46. Stoll), Bregerie, Jungwirth, Subasic – Fiel, Solga - Koch, Papadopulus (89. Fort), Trojan (84. Schuppan) – Poté