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1860 zittert vor Pleite - «Noch nicht gerettet»

München (dpa) - 01.04.2011, 13:45 Uhr

1860-Geschäftsführer Robert Schäfer kämpft um die Existenz des Clubs.
1860-Geschäftsführer Robert Schäfer kämpft um die Existenz des Clubs.

Im Kampf gegen die finanzielle Pleite und den sportlichen Zwangsabstieg hofft Fußball-Zweitligist TSV 1860 München auf einen erlösenden Befreiungsschlag in der Nachspielzeit.

«Wir arbeiten unter Hochdruck weiter an einem tragenden Konzept», berichtete Geschäftsführer Robert Schäfer. Vorschnelle Meldungen über eine Rettung musste der Club dementieren, die Lage bleibt dramatisch. «Es gibt noch keine endgültige Lösung für die wirtschaftliche Notsituation», hieß es in einer Pressemitteilung.

Die «Löwen» benötigen kurzfristig mehr als zehn Millionen Euro an frischem Kapital, um die drohende Insolvenz und eine damit verbundene Rückstufung ins Amateurlager abzuwenden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) verlangt von den Sechzigern zudem für die laufende Saison einen Liquiditätsnachweis, der nach Medienberichten 1,75 Millionen Euro betragen soll. Die Frist sollte am 1. April ablaufen. Sollte dieser Nachweis ausbleiben, droht den «Löwen» nach Angaben von Präsident Dieter Schneider ein weiterer Punktabzug. Wegen Verstößen im Lizenzierungsverfahren sind 1860 in der laufenden Spielzeit bereits von der DFL zwei Zähler abgezogen worden. Als Tabellenachter mit 40 Punkten könnte 1860 eine solche weitere Bestrafung verschmerzen.

Die Rettungsbemühungen von Schneider & Co. laufen offenbar weiterhin in verschiedene Richtungen. Nach «Süddeutscher Zeitung» (SZ) ist bei den Rettungsplänen auch der Einstieg eines arabischen Investors aus dem Emirat Abu Dhabi im Gespräch. Dieser könnte für einen zweistelligen Millionenbetrag bis zu 49 Prozent der Anteile an der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA erwerben. Mehr lässt die sogenannte «50+1-Regel» der DFL nicht zu, weil im deutschen Profifußball die Vereine stets die Mehrheit behalten müssen.

Seit einem dramatischen öffentlichen Rettungsappell der «Löwen»-Bosse vor zwei Wochen werden immer neue Rettungspakete diskutiert sowie Ängste und Hoffnungen geschürt. Es werden nach wie vor auch Lösungen mit Hilfe verschiedener Banken und dem Lokalrivalen FC Bayern gehandelt. Der deutsche Rekordmeister will seinen ungeliebten Arena-Mieter, dem er schon Zahlungen in Millionenhöhe gestundet hat, aus Eigennutz nicht verlieren. Bayern-Präsident Uli Hoeneß würde auch einen Investoreneinstieg begrüßen: «Wenn das jetzt klappen sollte, wäre endlich mal ein einziger Geldgeber da», sagte Hoeneß der «SZ». 1860 müsste sich dann nicht mehr mit zahlreichen Gläubigern herumschlagen, sondern könnte «endlich mal die Zukunft planen».


Die «Bild»-Zeitung berichtete von einer Rettung durch den Einstieg eines europäischen Wettanbieters. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich auch daran, dass bis Ende des Monats die März-Gehälter laut Medienberichten nicht ausgezahlt werden konnten.

Die Uhr tickt - spätestens am Wochenende muss der Verein den Überlebenskampf gewinnen. Man wolle «keine Wasserstandsmeldungen» mehr zu seinen Bemühungen abgeben, kündigte der Club an. Präsident Schneider gab vorab im «Münchner Merkur» aber die Richtung vor - sie lautet hopp oder top: «Entweder wir schaffen es zu null oder zu 100 Prozent - dazwischen gibt es nichts.» Man befinde sich in der «Nachspielzeit», erklärte Schneider zum bestehenden Zeitdruck.

Die Profis müssen sich derweil auf ihren nächsten sportlichen Einsatz am 3. April in Aachen vorbereiten. Die Konzentration auf den Fußball-Alltag fällt jedoch schwer. «Jeder hat bei uns nur im Kopf, wie es weitergeht. Es wäre gut, vor Sonntag noch ein positives Signal zu bekommen», bestätigte Trainer Reiner Maurer. Die noch ausstehenden März-Gehälter dürften den Ehrgeiz der «Löwen»-Profis nicht negativ beeinflussen, betonte der Coach: «Es ist für uns nicht maßgeblich, ob das Gehalt am 1. oder 10. überwiesen wird. Und ich glaube, dass keiner der Spieler damit ein Problem hat.»

«Ein jeder zittert und hofft», erklärte Torjäger Benjamin Lauth. U 21-Nationalspieler Christopher Schindler sagte dazu: «Wir unterstützen den Verein am besten, wenn wir unseren Job machen.»

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