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Findungskommission führt erste Gespräche

Frankfurt/Main (dpa) - 07.07.2004, 16:08 Uhr

Franz Beckenbauer sucht mit der Findungskommission einen neuen Nationaltrainer.
Franz Beckenbauer sucht mit der Findungskommission einen neuen Nationaltrainer.

Der im internen Machtkampf erstarrte Deutsche Fußball-Bund (DFB) tritt bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer weiter auf der Stelle und ist wegen der drohenden Schlammschlacht um die Präsidentschaft unter politischen Druck geraten.

«Ich mahne alle Beteiligten, kein Porzellan zu zerschlagen. Wir können es uns nicht leisten, eine Entscheidung lange hinaus zu zögern. Deshalb hoffe ich auf schnelle und klare Entscheidungen im DFB», forderte Bundesinnenminister Otto Schily die zwei Jahre vor der Weltmeisterschaft zerstrittene DFB-Spitze auf, ihre eingeschränkte Arbeitsfähigkeit möglichst bald in vollem Umfang wiederherzustellen.

Nachdem Schatzmeister Theo Zwanziger dem Amtsinhaber Gerhard Mayer-Vorfelder im Kampf um das Präsidentenamt den Fehdehandschuh hingeworfen hat, ringt man beim DFB um einen schnellen Kompromiss. Am 9. Juli trifft die eigens dafür gebildete Kommission in Frankfurt/Main erstmals zusammen und soll schon im Anschluss erste Ergebnisse präsentieren, wie ein drohender Wahlkampf verhindert werden kann. «Zwei Kandidaten ist die schlechteste Lösung. Das können wir bis zum Bundestag im Oktober nicht durchhalten», warnte Franz Beckenbauer.

Dass Mayer-Vorfelder, der die gesamte Basis gegen sich hat, auch nur ein Stück seiner Macht freiwillig abgibt, erscheint allerdings unwahrscheinlich. Die Opposition um DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle erwägt daher sogar die Einberufung eines außerordentlichen Bundestages. «Den würde man bis Ende August hinbekommen», sagte Nelle. Der aufs Abstellgleis geratene «MV» gab sich auch zwei Tage nach der Krisensitzung sprachlos. Beim WM-Empfang im Münchner Rathaus schirmten Bodyguards den müde und abgespannt wirkenden DFB- Präsidenten vor unliebsamen Fragestellern ab.

Auch bei der momentan einer Lotterie gleichenden Trainersuche wird es keinen Schnellschuss geben. «Es eilt ja nicht», dämpfte Beckenbauer die Hoffnungen auf konkrete Ergebnisse. Immerhin hat die vierköpfige Findungskommission bei der Suche nach einem Nachfolger des zurückgetretenen Rudi Völler erste Kontakte geknüpft. «Die Kommission hat den ersten Gang schon eingelegt. Es hat bereits Gespräche gegeben mit Trainerkandidaten. Aber es ist fraglich, ob wir einen schnellen Abschluss finden, denn alle Kandidaten stehen unter Vertrag», sagte Beckenbauer am Rande der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Jubiläum des WM-Sieges 1974.


Kandidat Nummer eins bleibt Otto Rehhagel, der wieder in Deutschland eingetroffen ist. «Auf Grund seiner Erfolge kommt man an ihm nicht vorbei», sagte Beckenbauer. Rehhagels Vertrag in Griechenland läuft allerdings noch bis 2006. Der 65-Jährige, der angeblich in Düsseldorf mit Mayer-Vorfelder zusammentreffen sollte, wollte sich zu den Spekulationen um seine sportliche Zukunft nicht äußern.

Nach Aussage von Jannis Oikonomidis, Generalsekretärs des griechischen Fußball-Verbandes (EPO), habe Rehhagel in einem Gespräch vor seiner Abreise aus Athen beteuert, seinen Vertrag beim Europameister erfüllen zu wollen. Auch EPO-Präsident Vasilis Gagatsis geht davon aus, dass der frühere Bundesliga-Coach in Griechenland bleibt. «Es ist absolut verständlich, dass der DFB Rehhagel haben will. Für uns ist das eine Ehre, aber kein Thema», sagte Gagatsis.

Vier bis fünf Fußball-Lehrer stehen auf der Kandidatenliste des DFB, darunter auch ausländische Kandidaten wie Arsene Wenger von Arsenal London und Guus Hiddink (PSV Eindhoven). Beide sprechen deutsch und erfüllen damit das einzige von Mayer-Vorfelder vorgegebene Kriterium. Immerhin 64 Prozent der deutschen Fußball-Fans können sich einen Trainer aus dem Ausland vorstellen. Dies ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins «Stern».

«Wir werden in Ruhe beraten. Vorher werde ich mich zu diesem Thema öffentlich überhaupt nicht äußern», wiegelte der gemeinsam mit Beckenbauer, Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Horst R. Schmidt mit der Trainersuche beauftragte Liga-Präsident Werner Hackmann alle Anfragen ab.

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