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Ganz Griechenland «brennt» und «bebt»

Athen (dpa) - 05.07.2004, 12:12 Uhr

Vor dem Parlament in Athen feiern die Griechen ihre Europameister.
Vor dem Parlament in Athen feiern die Griechen ihre Europameister.

Ganz Griechenland lebt im Fußball-Rausch - auch am Morgen nach dem sensationellen EM-Triumph der Hellenen konnten die euphorisierten Fans ihr Glück kaum fassen.

«Wenn es ein Traum ist, lasst mich weiterschlafen», kommentierte die Athener Zeitung «Adesmeftos» auf der Titelseite ungläubig den beinahe unfassbaren 1:0-Endspielsieg der Nationalmannschaft gegen den hohen Favoriten Portugal. Nach dem Abpfiff des deutschen Schiedsrichters Markus Merk im Lissaboner «Stadion des Lichts» rannten die Griechen in Scharen auf die Straßen und starteten die große Sause.

«Diese Nacht wird unvergesslich bleiben», sagte ein 17 Jahre alter Fußball-Anhänger glückstrahlend in die Fernseh-Kamera. Coach Otto Rehhagel und Siegtorschütze Angelos Charisteas hatten das ganze Land glücklich gemacht - und stolz. Die gesamte griechische Presse erschien in den Nationalfarben blau und weiß. Und die Schlagzeilen waren von Begeisterung geprägt: «Unsterblich», titelte das Sportblatt «Goal». Und «Sporttime» meinte: «Gott, gib mir mehr Tränen, damit ich weiter vor Freude weinen kann.»

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Selbst die angesehene politische Zeitung «Eleftherotypia» widmete ihren Leitartikel dem unerwarteten Coup von Rehhagel & Co. gegen Gastgeber Portugal. Darüber stand nur ein Wort auf Altgriechisch: «Nenikíkamen». Es war das letzte Wort jenes Marathonläufers, der im Altertum die Nachricht vom Sieg der Athener über die Perser in Marathon aussprach, ehe er starb.

Der größte Erfolg im griechischen Fußball mobilisierte zur Party ohne Ende. In Athen und Thessaloniki bildete sich ein Fahnenmeer in blau-weiß. Hupkonzerte und tausende Leuchtkugeln verwandelten die beiden größten Städte des Landes in Hexenkessel. Auf den Inseln sprangen nach dem Schlusspfiff hunderte junge Leute ins Meer, vom Athener Hügel Lykabéttus wurden Salutschüsse abgefeuert. Das passiert sonst nur an Nationalfeiertagen. «Wir gratulieren Trainer Rehhagel und seinen Spielern, weil sie alle Griechen weltweit glücklich gemacht haben», sagte Ministerpräsident Kostas Karamanlis via Fernsehen aus Portugal. Auch die Griechen Zyperns machten die Nacht durch. Das Fernsehen zeigte auch Bilder von jubelnden Griechen in Australien, in Deutschland, den USA und Südafrika.


Und die Fans wissen, wem sie die große Freude zu verdanken haben: «Er ist verrückt, er ist verrückt, der Deutsche», skandierten sie immer wieder - und meinten Rehhagel. Auf Rhodos feierten Touristen zusammen mit der einheimischen Bevölkerung. «Es ist eine einmalige Atmosphäre. Wir feiern zusammen den griechischen Sieg mit deutscher Hilfe», sagte ein deutscher Rhodos-Urlauber im Radio.

Die Griechen wollen ihren «Fußball-Gott» Rehhagel und seine «Halbgötter» wie Olympiasieger ehren. Sie sollten im alten Olympiastadion «Panathinaikón» von 1896 empfangen werden. Eine Ehre, die bisher nur Olympiasiegern erwiesen wurde.

In einem sind sich alle Griechen einig. Der sensationelle EM- Triumph der Hellenen wird im Hinblick auf die Olympischen Spiele im August in Athen für ein positives Klima im Lande sorgen. «Die Griechen haben jetzt mehr Selbstvertrauen und auch die notwendige Begeisterung bekommen», meinte dazu ein Psychologe im Fernsehen.

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