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Atmoshäre vor EM-Finale getrübt

Lissabon (dpa) - 03.07.2004, 18:26 Uhr

Markus Merk (2.v.l.) trainiert mit seinen Assistenten Jan-Hendrik Salver (l) und Christian Schräer (2.v.r.). Anders Frisk (r) wird als vierter Schiedsrichter fungieren.
Markus Merk (2.v.l.) trainiert mit seinen Assistenten Jan-Hendrik Salver (l) und Christian Schräer (2.v.r.). Anders Frisk (r) wird als vierter Schiedsrichter fungieren.

Vor der finalen Fiesta mit dem Endspiel der 12. Fußball-EM zwischen Gastgeber Portugal und dem Sensations-Finalisten Griechenland in Lissabon haben schwer wiegende Verdächtigungen einer portugiesischen Sportzeitung die Atmosphäre getrübt.

«Der Schiedsrichter des Finales ist der Freund des griechischen Trainers», schrieb das Blatt reißerisch in seiner Samstag-Ausgabe. Die Zeitung wittert einen möglichen Betrug zum Nachteil Portugals, nachdem Griechenlands deutscher Trainer Otto Rehhagel nach dem Halbfinalsieg gegen Tschechien erklärte hatte, er kenne den Kaiserslauterer Final-Schiedsrichter Markus Merk schon seit dessen Jugendjahren.

Rehhagel war früher Spieler und Trainer der «Roten Teufel» vom Betzenberg, in dessen unmittelbarer Nähe der 42-jährige Merk eine Zahnarzt-Praxis führt. «Wir werden Euch genau beobachten...», warnte die nicht zur Regenbogenpresse zählende Zeitung in Großbuchstaben auf ihrer Titelseite. Merk und Rehhagel seien «Kumpane seit langer Zeit» und Merk der Zahnarzt der Familie Rehhagel.

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Auf einer ganzen Seite mit der Überschrift «Die Freunde aus Kaiserslautern» beschäftigt sich die Zeitung mit dem «Fall der Kumpanei». Sie erinnerte dabei auch an eine umstrittene Szene des erfahrenen FIFA-Schiedsrichters im Halbfinalspiel der Champions League zwischen dem späteren Gewinner FC Porto und Deportivo La Coruna. Merk soll dem für den spanischen Club spielenden portugiesischen Nationalspieler Jorge Andrade nach einem «freundschaftlichen» Tritt gegen Portugals EM-Spieler Deco zu Unrecht die Rote Karte gezeigt haben. Merk hatte damals diese Interpretation der von ihm geahndeten Szene als «Schutzbehauptung» bezeichnet.

«Ich will derartige Dinge nicht mehr näher kommentieren. Das sind alles Sachen, die von außen herangetragen werden und mit denen ich mich nicht befassen darf. Das schadet nur der Konzentration», hatte Merk bereits in einem dpa-Gespräch gesagt. Der Bundesliga-Rekordschiedsrichter (243 Spiele) und fünfmalige «Schiedsrichter des Jahres» will sich seine Vorfreude auf das größte Spiel der Laufbahn nicht nehmen lassen. Genauso wenig wie Rehhagel, der über den Verdacht landsmannschaftlicher Kungeleien nur den Kopf schütteln kann: «Ich kenne Markus Merk als ehrlichen Menschen und absolut korrekten Schiedsrichter.» Portugals Trainer Luis Felipe Scolari kommentierte derartige «Merk»-würdigkeiten mit einem Schmunzeln: «Ich hätte auch gern einen Freund als Schiedsrichter.»


Der 65-jährige Rehhagel will im «Stadion des Lichts» seine meisterliche Karriere mit dem Gewinn der Europameisterschaft mit dem krassen Außenseiter krönen. «König» Otto kann dabei auf «kaiserlichen» Beistand bauen. «Ich drücke dem Otto die Daumen. Er hat Großartiges geleistet. Aber die Griechen hatten einen Tag weniger Regeneration, das kann ausschlaggebend sein. Ich traue ihnen aber dennoch zu, die Portugiesen zu ärgern», meinte Franz Beckenbauer. Und Rehhagel selbst beruft sich vor dem Highlight seiner Karriere wieder einmal auf die platte Philosophie: «Im Fußball ist alles möglich.»

Wie der Deutsche kann auch Portugals brasilianischer Weltmeister-Coach Scolari für ein EM-Novum sorgen. Noch nie wurde ein ausländischer Trainer mit einer Mannschaft Europameister. Scolari kann mit Luis Figo und Co. sogar das einmalige Kunststück schaffen, mit zwei verschiedenen Teams Welt- und Europameister zu werden. «Die Chancen im Endspiel stehen 50:50», meinte der 55-Jährige, der großen Respekt vor den griechischen Defensivkünstlern hat. Scolari: «Griechenland ist schon jetzt der Sieger dieser EM.»

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