Pavel Nedved (l) und Marek Jankulovski trauern gemeinsam nach dem Aus der Tschechen.
Der bittere Halbfinal-K.o. schmerzte Pavel Nedved viel mehr als sein lädiertes Knie, und nicht nur Tschechiens Kapitän verstand in der Vollmond-Nacht von Porto die Fußball-Welt nicht mehr.
«Wir haben den besten Fußball gezeigt, den jemals eine tschechische Nationalmannschaft gespielt hat. Wir hätten das Finale verdient gehabt», haderte der Pechvogel nach dem 0:1 gegen Griechenlands Abwehr-Heroen mit einem Schicksal, das die Offensiv-Künstler von Karel Brückner nicht akzeptieren wollten. «Ich denke, Sieger müssen immer offensiv sein», jammerte der Dortmunder Tomas Rosicky: «Das Turnier hätte ein offensiveres Finale verdient gehabt, wir gegen Portugal.»
«So ist Fußball: Manchmal gewinnt nicht die bessere Mannschaft», meinte Abwehrspieler Tomas Ujfalusi vom Hamburger SV, der das «Silver Goal» des griechischen Abwehr-Hünen Traianos Dellas (105.) auch nicht verhindern konnte. Es war das abrupte Ende des tschechischen Titeltraumes, ähnlich dem beim «Golden Goal» von Oliver Bierhoff im EM-Finale vor acht Jahren im Londoner Wembleystadion. «Das war der gleiche Film - wie Deutschland 1996», bemerkte der griechische Angreifer Angelos Charisteas von Werder Bremen.
Nach dem kollektiven Entsetzen unmittelbar nach dem «sudden death» in der Verlängerung war es «sehr still in der Kabine», wie Ujfalusi berichtete. Nur zwei Mann erhoben das Wort. Brückner sagte seinen Spielern, er sei «stolz» auf sie. Und Nedved bedankte sich bei dem «besten Nationalteam, in dem ich je gespielt habe». Er stellte das Portugal-Ensemble damit sogar noch über die Final-Riege der EURO '96 in England, der er ebenfalls angehört hatte.
Auseinander fallen wird das Team mit Zukunft nicht. Karel Poborsky (32), dessen Traum vom 100. Länderspiel im Finale platzte, könnte aufhören. Und bei Nedved muss man abwarten, wie schwerwiegend die Knie-Verletzung ist, die er bei einem Zweikampf mit Konstantinos Katsouranis erlitt. Schon nach 40 Minuten war die Partie für den Kapitän beendet, der anschließend von der Bank aus «die Verzweiflung und Ratlosigkeit» seiner Teamkollegen im Kampf mit dem griechischen Abwehrwall verfolgte. Der Mittelfeldstar von Juventus Turin klagte mit Bezug auf das vor einem Jahr wegen einer Gelb-Sperre verpasste Champions-League-Finale gegen den AC Mailand: «Die Halbfinalspiele sind für mich ein Fluch.»
Verfluchen wollten die Tschechen auch das auf Zerstören angelegte System von Griechen-Coach Otto Rehhagel, das sie nur bei Rosickys Lattenschuss (3.) und weiteren Möglichkeiten von Marek Jankulovski (33.), Jan Koller (80.) und Milan Baros (83.) aushebeln konnten. «Gegen Dänemark haben wir aus vier Chancen drei Tore gemacht, heute keins», haderte Ujfalusi mit der ungenügenden Chancenverwertung.
Brückner sprach von Fußball paradox: «In drei Jahren mit mir als Trainer haben wir in 30 Spielen ein Tor nach einer Ecke kassiert, und das heute in der letzten Sekunde», sagte der 64-jährige Slowake, der seine Zukunft spontan offen ließ. «Es ist zu kurz nach dem Spiel, um zu sagen, ob ich bis zur Weltmeisterschaft in Deutschland bleibe.»
Bis 2006 läuft sein Vertrag - und alle wollen ihn behalten. «Wieso nicht?», fragte Ujfalusi entgeistert, als er mit der Brückner-Aussage konfrontiert wurde. Ein Rücktritt ist wohl kein Thema. Denn die Tschechen wurden von den Griechen zwar besiegt, aber sie verließen Portugal am Freitag nicht als Verlierer. «Wir haben hier Super- Fußball gespielt und in der normalen Spielzeit nicht verloren», sagte Rosicky: «Die EM war ein Erfolg für uns.» Auch ohne krönendes Finale.