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Sensation: Griechenland im EM-Finale

Porto (dpa) - 01.07.2004, 23:25 Uhr

Der Grieche Dellas (5) jubelt über sein Silver Goal gegen Tschechien.
Der Grieche Dellas (5) jubelt über sein Silver Goal gegen Tschechien.

Mit dem ersten «Silver Goal» hat Traianos Dellas für die größte Sensation der EM-Geschichte gesorgt und Otto Rehhagels Griechen zum ersten Mal ins Finale einer Europameisterschaft geköpft.

Durch das Tor des Abwehrspielers in der 105. Minute gewann der krasse Außenseiter im Halbfinale von Porto gegen die favorisierten Tschechen mit 1:0 (0:0). Damit kommt es im Endspiel im Estadio da Luz von Lissabon zu einer Neuauflage des Eröffnungsspiels gegen EM-Gastgeber Portugal, in dem auf jeden Fall ein erstmaliger Europameister gekürt wird. 10 000 Griechen feierten auf den Rängen des Estadio Dragao ausgelassen einen erneuten Favoritensturz ihres Teams, dessen Fußball-Wunder in Portugal seine Fortsetzung findet.

«Das Märchen geht weiter. Es ist unglaublich, was die Mannschaft heute vollbracht hat. Die Leidenschaft und der Wille haben am Ende gesiegt. Wir sind auch im Finale am Sonntag der totale Außenseiter, aber im Fußball ist nichts unmöglich», sprudelte es aus dem überglücklichen Rehhagel heraus, der auch gegen Tschechien eine taktische Meisterleitung vollbrachte. Der Bundesliga-erfahrene Coach begegnete der tschechischen Offensivkraft mit einer geradezu «antiken» Abwehrformation mit starrer Manndeckung und dem 1,97 m-Riesen Dellas als klassischem Ausputzer und hatte damit Erfolg.

Georgios Seitaridis wich dem fünffachen Torschützen Milan Baros nicht von der Seite, und auch Jan Koller konnte sich der Bewachung durch Mihalis Kapsis kaum einmal entziehen. Damit war dem Spiel des Favoriten, der mit zunehmender Dauer förmlich an der Beton-Abwehr des Gegners zu verzweifeln schien, viel an Wirkung genommen. Erst in der Verlängerung gaben die Hellenen ihre Zurückhaltung auf und sorgten für Unruhe im tschechischen Strafraum. Schon in der 103. Minute hätte Dellas für den K.o. des am Ende völlig entnervten Gegners sorgen können.

Als großer Verlust erwies sich für die Tschechen der Ausfall des Mittelfeld-Strategen Pavel Nedved. Europas Fußballer des Jahres in Diensten von Juventus Turin verletzte sich nach 34 Minuten bei einem Zweikampf mit Konstantinos Katsouranis so schwer, dass er in seinem 83. Länderspiel noch vor der Halbzeit ausgewechselt werden musste. Mit Tränen in den Augen nahm der Kapitän auf der Ersatzbank Platz. Tomas Rosicky konnte die Regisseur-Rolle nach dem Ausscheiden Nedveds nur selten ausfüllen. Dem Dortmunder unterliefen zahlreiche Ballverluste.


Dabei hätte gerade Rosicky Rehhagels Defensiv-Strategie schon nach 141 Sekunden über den Haufen werfen können. Nach einer Co-Produktion mit seinem Dortmunder Teamkollegen Koller jagte der 23-Jährige den Ball aus 16 Metern an die Latte. Drei Minuten später lenkte Torhüter Antonios Nikopolidis einen Schuss des aufgerückten Marek Jankulovski reaktionsschnell zur Ecke. Eine frühe Führung hätte die Aufgabe für die Tschechen erleichtern können, denn nach schwungvollem Beginn tat sich die Elf von Karel Brückner gegen die gut organisierten und zweikampfstarken Griechen immer schwerer. Bis auf einen von Nikopolidis parierten Schuss von Jankulovski brachten sie bis zur Pause in der Offensive nichts mehr zu Stande.

Die Griechen setzten das ihnen von Rehhagel verordnete Konzept konsequent um und lauerten auf den möglicherweise entscheidenden Konter. Darauf wartete das Team mit Theodoros Zagorakis als Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld aber lange Zeit vergeblich. Für die einzige Aufregung vor dem Tor von Petr Cech sorgte zunächst eine Flanke von Panagiotis Fyssas (29.), die Zisis Vryzas knapp verfehlte. Auch im zweiten Abschnitt imponierten die Hellenen allein durch ihre hohe Laufbereitschaft, zur Attraktivität des Spiels trugen sie nichts bei. Weitere hochkarätige Möglichkeiten für die Tschechen, die mehr und mehr ihre Linie verloren, verpassten in der Schlussphase Karel Poborsky (69.), Koller (80.) und Baros (83.).

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