Nach der bis zur WM 2006 in Deutschland vereinbarten Kooperation war von der Nervenanspannung nichts mehr zu spüren, die Scolari während der zweiten Halbzeit das Herz rasen ließ: «Wir hätten die Partie viel früher entscheiden müssen, aber so haben wir bis zum Ende unnötig gelitten.» Nach dem eisigen Empfang zum Amtsantritt vor 20 Monaten soll er nun sogar höhere Aufgaben übernehmen. Mit «Scolari als Premierminister»-Plakaten forderten die Fans dessen Beförderung. Dem spielfreudigen und energischen Luis Figo blieb in seinem 109. Länderspiel die Krönung für seine beste EM-Leistung im rot-grünen Trikot versagt, als er in der 41. Minute nur den Pfosten traf. Doch der 31-jährige Star von Real Madrid dokumentierte sechs Tage nach der demütigenden Auswechslung im Viertelfinale gegen England mit einer Weltklasseleitung seinen Stellenwert. «Eine fantastische Nacht für Portugals Fußball, eine historische Leistung für unser Land», sagte Figo mit bewegter Stimme. Und ergänzte: «Mit einem Wort lassen sich meine Gefühle nicht beschreiben.» 13 Jahre nach dem WM-Gewinn der Junioren mit den heute ebenfalls noch aktiven Rui Costa und Fernando Couto kann Figo im «Stadion des Lichts» in Lissabon seinen Lebenstraum erfüllen und der «goldenen Generation» zum Abschied den Silberpokal schenken. Figo, der bis zum WM 2006 weiter machen will, sagte der Mannschaft eine große Zukunft voraus, «denn wir haben fantastische junge Spieler.» Bei den Niederländern, die erstmals bei einer EM zwei Niederlagen kassierten, steht ein radikaler Neubeginn bevor. Coach Dick Advocaat wird wohl kommende Woche seinen allseits erwarteten Rücktritt erklären. Spieler wie Jaap Stam, Frank de Boer, Pierre van Hooijdonk, Paul Bosvelt oder Marc Overmars werden ihm folgen. «Portugal war besser, hatte mehr Qualität als wir», stellte Advocaat nach seinem 55. und wohl letzten Spiel als Bondscoach ernüchtert fest.
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