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Außenseiter Griechenland will «die letzte Burg» stürmen

Athen/Prag (dpa) - 28.06.2004, 12:43 Uhr

Otto Rehhagel (r) jubelt über den Viertelfinal-Sieg gegen Frankreich.
Otto Rehhagel (r) jubelt über den Viertelfinal-Sieg gegen Frankreich.

Die mutigen Griechen rüsten für die nächste Schlacht und bieten «König» Otto Rehhagel zugleich den Doppelpass an. «Die letzte Burg, die eingenommen werden muss, heißt Tschechien», schrieb die Zeitung «Ta Nea» vor dem Halbfinale der Fußball-EM in Porto.

«Das Spiel wird ein Duell zwischen den beiden erfolgreichsten Trainern dieser Europameisterschaft sein», meint das Blatt unter Hinweis auf die Verdienste von Rehhagel und Karel Brückner. «Uns passt die Rolle des krassen Außenseiters», schrieb das Sportblatt «Goal». Auch die Fans reagierten zurückhaltend. «Wir haben bislang immer unsere Gegner respektiert. Das tun wir auch jetzt und können nur hoffen, dass Rehhagels Strategie wieder erfolgreich ist», sagte ein griechischer Anhänger. «Angst haben wir nicht. Respekt ja.»

Nach dem Riesenerfolg in Portugal will Griechenland seinem deutschen Trainer Rehhagel sogar die Ehrenbürgerschaft des Landes verleihen. «Wenn er es will, dann wird es ihm keiner absprechen», sagte der griechische Vizeminister für Sport, Giorgos Orfanos, im Rundfunk. Rehhagel habe mehrfach gezeigt, dass er Griechenland liebt.

Aber auch herrische und selbstherrliche Auftritte. Dafür erntete «König Otto» jetzt erstmals Kritik in der Presse und auch aus der Mannschaft. Während des Frankreich-Spiels (1:0) soll der Coach in der Kabine ausgerastet sein, wie die angesehene Athener Zeitung «Eleftherotypia» erfahren haben will. «Rehhagel wandte sich während der Halbzeit an (Verteidiger) Kapsis wie ein deutscher Offizier an seine Untergebenen und schrie anschließend: Ich bin der Kaiser», schrieb das Blatt. Nationalspieler sollen verärgert gesagt haben: «Wir brauchen offenbar eine Ohrfeige, damit er wieder landet.»

Die Tschechen können mit ihrer Favoritenrolle gut leben. Gegen Griechenland soll es möglichst so weitergehen, wie das Spiel gegen Dänemark endete: Mit Paukenschlägen und einem klaren Sieg. «Bum! Bum! Bum!», titelte die tschechische Zeitung «Mlada fronta Dnes» . Gemeint waren die drei spektakulären Treffer von Jan Koller und Milan Baros (2).

Tausende Tschechen feierten in der Nacht den Einzug ins Halbfinale. Nach dem Schlusspfiff fielen sich die Menschen in die Arme und strömten zum Feiern in nahe Gaststätten. Erst nach diesem Sieg glauben die zuvor eher skeptischen tschechischen Fußballfans fest an den EM-Titel. Wohl nur der Olympiasieg im Eishockey, dem Nationalsport der Tschechen, hatte 1998 ähnliche Euphorie ausgelöst.


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