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Markus Merk pfeift das EM-Finale

Espinho (dpa) - 28.06.2004, 14:54 Uhr

Markus Merk gestikuliert beim Match Frankreich - England in Lissabon.
Markus Merk gestikuliert beim Match Frankreich - England in Lissabon.

Hobby-Bergsteiger Markus Merk hat den Gipfel seiner Schiedsrichter-Karriere erreicht.

Als zweiter Deutscher nach dem inzwischen verstorbenen ehemaligen DDR-Referee Rudi Glöckner aus Markranstädt bei Leipzig, der 1970 in Mexiko das WM-Finale Brasilien - Italien (4:1) pfiff, wurde der Zahnarzt aus Kaiserslautern mit der Leitung eines Finales bei einem großen Turnier betraut. Die 10- köpfige Schiedsrichter-Kommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) nominierte den 42 Jahre alte Bundesliga-Rekordunparteiischen (243 Spiele) einstimmig für das Endspiel der 12. Fußball-EM am Sonntag in Lissabon. Ihm assistieren Christian Schäer (Emsdetten) und Jan-Henrick Salver (Stuttgart).

«Super! Ein Traum geht für mich und mein Team in Erfüllung. Für ein Finale von solchem Format ausgewählt zu werden, ehrt mich, macht mich richtig glücklich und ist ein unwahrscheinlich schönes Gefühl», strahlte Merk im Schiedsrichter-Hotel «Solverde» im Badeort Espinho nahe Porto. Sichtlich stolz stand er im Blickpunkt der internationalen Presse und gab in fließendem Englisch gut ein Dutzend Interviews.

Erwartet hatte der nach dem EM-Vorrunden-K.o. des deutschen Teams zum Endspielfavoriten avancierte fünfmalige «DFB-Schiedsrichter des Jahres» seine Nominierung nicht, «weil ich nie etwas erwarte und die Dinge lieber auf mich zukommen lasse». Gehofft aber hatte er schon.

Das EM-Finale ist für Merk nun ein «individueller Höhepunkt» seiner Laufbahn und der «Lohn für die Beständigkeit in 16 Bundesliga-Jahren und 12 Jahren als FIFA-Schiedsrichter». Mit der souveränen Leitung der brisanten Vorrundenspiele Frankreich - England und Dänemark - Schweden habe er mit seinen beiden Assistenten «das Haus hochgezogen und mit dem Finale das Dach draufgesetzt». Merk: «Das ist auch stellvertretend für die deutsche Schiedsrichtergilde von 80 000 Unparteiischen eine tolle Sache.» Auch Schäer und Salver bezeichneten ihre Nominierung unisono als «absoluten Höhepunkt unserer Karriere und Bestätigung unseres tollen Teamworks».


Merks «Vorgesetzte» freuten sich über den Prestigeerfolg mit. «Die Endspiel-Nominierung ist eine logische Folge der ausgezeichneten Leistungen in der Vorrunde», sagte Volker Roth (Salzgitter), der Vorsitzende der UEFA-Schiri-Kommission. Eugen Strigel (Rheinzabern), der für das ZDF in Portugal als Experte tätige Lehrwart des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), meinte: «Ich freue mich für Markus Merk, der sich seinen Final-Einsatz durch seine Klasseleistungen in den letzten Jahren verdient hat.» Wunschteams für das Finale hat Merk keine. «Ich freue mich auf zwei Mannschaften mit verschiedenfarbigen Trikots.» Nicht unmöglich, dass es dabei mit einem anderen im Wettbewerb verbliebenen Deutschen, Griechenlands Trainer Otto Rehhagel, ein Wiedersehen gibt.

Spätestens mit seinem Endspiel-Einsatz steht der beste deutsche Schiedsrichter jetzt auf einer Stufe mit den renommierten Kollegen Anders Frisk und Pierluigi Collina. Der Schwede, der das Endspiel der EM 2000 zwischen Frankreich und Italien in Rotterdam leitete, pfeift das erste Halbfinale Portugal - Niederlande in Lissabon. Der glatzköpfige Italiener, Referee beim WM-Finale 2002 zwischen Brasilien und Deutschland in Yokohama, leitet das zweite Halbfinale Griechenland - Tschechien in Porto.

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