Tschechen zeigen Dänen die Grenzen auf
Porto (dpa) - 28.06.2004, 10:24 Uhr
Der Däne Jesper Groenkjaer geht nach dem Abpfiff enttäuscht vom Platz.
Den dänischen Spaßfußballern wurde die Freude genommen und mit der ersten Niederlage bei der EM deutlich die Grenze aufgezeigt. «Das ist eine riesige Enttäuschung und ich ärgere mich ohne Ende«, sagte Bundesligaprofi Ebbe Sand nach der 0:3-Schlappe gegen Tschechien. Zwölf Jahre nach dem sensationellen Titelgewinn wurden die ambitionierten Dänen im Viertelfinale auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und mussten wie schon bei der WM vor zwei Jahren nach einer gelungenen Vorrunde im ersten K.o.-Spiel die Segel streichen. «Dabei haben wir das Spiel zumindest eine Halbzeit lang dominiert», befand der völlig verärgerte Coach Morten Olsen. Noch lange nach der Lehrstunde des Turnierfavoriten hockte das Team in der Kabine des Dragao-Stadions in Porto zusammen und suchte nach den Gründen für die deutliche Niederlage und dem vorzeitigen Turnierende. «Das ist so bitter, wir sind völlig down», meinte Verteidiger Kasper Bögelund nach dem enttäuschenden Aus. «Die Art und Weise wie es passiert ist, tut vor allem weh», befand Flügelspieler Jesper Grönkjaer. «Mir ist völlig unerklärlich, wie die Mannschaft so zusammenbrechen konnte», sagte Ebbe Sand, der wegen eines Muskelfaserrisses nicht spielen konnte und seinem Team an allen Ecken und Enden fehlte. «Wenn wir das erste Tor gemacht hätten, wäre das Spiel ganz anders gelaufen und wir hätten 100-prozentig gewonnen», meinte der verletzte Mittelstürmer.
Trainer Olsen glaubte gar, er habe während der ganzen EM keine so gute erste Halbzeit gesehen wie die seines Teams gegen Tschechien. Zumindest die Statistik unterstreicht dies teilweise, denn in den ersten 45 Minuten hatten die Dänen mit 62 Prozent eine ungewöhnlich hohe Ballbesitzquote. Doch was der dänische Trainer als Überlegenheit erkannte, war nichts anders als ein abwartendes Taktieren der sonst so offensiv ausgerichteten Tschechen. Seine Spieler erkannten schnell wie stark der Gegner tatsächlich war. «Die Tschechen sind das beste Team bei der EM und werden bis ins Finale marschieren», meinte Bögelund. Olsen ließ sich blenden von der scheinbaren Überlegenheit seiner Elf und verpasste im zweiten Abschnitt eine frühzeitige Umstellung. Denn der für Sand im Sturmzentrum agierende Jon Dahl Tomasson, der sonst hinter der Spitze spielt, strahlte überhaupt keine Torgefährlichkeit aus. Und das sonst so belebende Flügelspiel der Dänen blieb lahm. «Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben und die Tschechen wieder aufgebaut», befand Dänemarks Trainer, der erst nach dem Doppelschlag von Matchwinner Milan Baros zum 2:0 und 3:0 reagierte und in Dennis Rommedahl und dem Bochumer Peter Madsen frische Angriffsspieler brachte. Zu dem Zeitpunkt war die Partie jedoch längst gelaufen. Für den dänischen Trainer endete damit das zweite Turnier seit seiner Amtsübernahme im Jahre 2000 vorzeitig, obwohl man sich sowohl bei der WM in Asien als auch bei den kontinentalen Titelkämpfen in Portugal viel mehr ausgerechnet hatte. «Das ist sehr schade, denn wir haben wirklich eine gute Mannschaft», sagte Olsen, der davon überzeugt war, dass sein Team bei konstanter Leistung bis ins Finale hätte kommen können. «Aber für die Tschechen waren wir heute insgesamt nicht gut genug», fand der Coach.
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