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«Rehakles» spricht Tacheles: «Ich bleibe bei Griechen»

Lissabon (dpa) - 27.06.2004, 20:12 Uhr

Die griechischen Fußballfans haben
Die griechischen Fußballfans haben "ihren" deutschen Trainer fest ins Herz geschlossen.

Otto Rehhagel bleibt «Grieche» und will das EM- Wunder bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wiederholen. «Ich werde bei den Griechen bleiben. Es sei denn, die sagen, es reicht jetzt», erklärte der 65-jährige Ex-Bundesligatrainer in einem Interview mit dem ZDF in Lissabon.

Damit beendete Rehhagel Spekulationen um seine Person in der Nachfolge-Debatte um den zurückgetretenen DFB-Teamchef Rudi Völler. Nach dem sensationellen Viertelfinal-Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich (1:0) will er nun mit den Hellenen auch bei der WM 2006 für Furore sorgen. «Es gibt noch eine Steigerung: Wenn wir uns für die WM qualifizieren und ähnlich erfolgreich abschneiden wie in Portugal», hofft Rehhagel.

Erst träumt aber ganz Griechenland zunächst von einer weiteren Herkules-Tat im EM-Halbfinale in Porto gegen den Sieger aus Tschechien - Dänemark. «Bleibt auf dem Boden der Tatsachen, bleibt bescheiden», versuchte Rehhagel, inzwischen von Athener Zeitungen zum «neuen Zeus» in den Olymp gehoben, die Euphorie zu bremsen. «Rehakles» kennt seine Griechen und ihre extremen Gefühlsschwankungen nämlich gut: «Wenn wir zwei Mal gewinnen, wollen sie gleich Europameister werden, und wenn wir zwei Mal verlieren, wollen sie sich gleich ins Meer stürzen.»

Ähnlich temperamentvoll ging es in der von Intrigen, Streitereien und Egoismus zerrütteten griechischen Nationalelf vor seinem Dienstantritt vor drei Jahren zu. Rehhagel beendete diesen «Sirtaki der Eitelkeiten» rigoros und führte eine «demokratische Diktatur» ein. «Wenn man mit einer Truppe von 30 Profis arbeitet, kann nicht jeder machen, was er will. Früher hat jeder gemacht, was er will. Jetzt macht jeder, was er kann», berichtete Rehhagel und stellte mit Genugtuung fest: «Es ist eine gute Truppe geworden.»

Der frühere Meistertrainer von Werder Bremen und des 1. FC Kaiserslautern hat nicht nur mit seinen Spielern Tacheles geredet, sondern auch mit klugen Personalentscheidungen die Weichen auf Erfolg gestellt. So machte er Traianos Dellas zum Abwehrchef («Ich habe meinen Koloss von Rhodos gebracht und er hat den Erfolg gebracht») und schenkte dem in Bremen zuletzt mehr auf der Ersatzbank sitzenden Angelos Charisteas Vertrauen. Der zahlte es ihm mit seinen entscheidenden Toren gegen Spanien (1:1) und Frankreich zurück.


«Ich denke, dass wir noch besser spielen können», meinte der 24- jährige Stürmer, der sogar einen Einzug ins Endspiel am 4. Juli für möglich hält: «Wir sind im Halbfinale und haben Frankreich geschlagen - warum also nicht?» Dazu beigetragen hat auch die meisterliche Strategie Rehhagels, der Zinedine Zidane und Co. in Manndeckung und dem Gegner damit den Raum zur Entfaltung nehmen ließ. «Wir haben den Franzosen das angeboten, was sie noch nicht kannten. Wir sind näher ran gegangen an die Leute», so der Trainer-Fuchs.

Für ihn ist der sensationelle EM-Lauf mit den Griechen auch eine Genugtuung, nachdem er nach dem letzten Engagement beim 1. FC Kaiserslautern in Deutschland nicht mehr gefragt war. Auch in Griechenland formierten sich vor der EM noch die Kritiker, die Rehhagel antiquierte Trainingsmethoden und Taktik vorwarfen. «Da wird viel dummes Zeug gequatscht», konterte er und hält sich an die Devise: Der Erfolg heiligt die Mittel. Das galt auch für die Mann- gegen-Mann-Taktik gegen die Franzosen. Rehhagel: «Es gibt den Spruch: Man spielt nur so gut, wie es der Gegner zulässt. Wir haben es nicht zugelassen.»

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