Frankreichs Fiasko: Zäsur bei Zidane & Co.
Lissabon (dpa) - 27.06.2004, 12:17 Uhr
Auch er hat's nicht richten können: Zinedine Zidane schaut enttäuscht über den Platz.
Adieu les Bleus, bonjour tristesse. Die «Grande Nation» hat ausgespielt. Nach sechsjähriger glorreicher Epoche mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1998 und dem EM-Sieg 2000 in Belgien und den Niederlanden ist für die «Equipe Tricolore» bei der EM eine glanzvolle Ära zu Ende gegangen. «Malaise statt Marseillaise», titelte die englische Zeitung «Guardian» nach dem blamablen Viertelfinal-K.o. des Titelverteidigers Frankreich gegen den vermeintlichen Fußball-Zwerg Griechenland. Von wegen «Vive la France». Ausgesprochen leblos verabschiedeten sich die «Blauen» durch die «Hintertür» («L'Équipe») von Europas Fußball-Bühne, nachdem sie beim 0:1-Debakel gegen die Griechen mit ihrem deutschen Trainer Otto Rehhagel ihr blaues Wunder erlebt hatten. Der EM-K.o. deutete sich schon in den schwachen Vorrundenspielen gegen England (2:1), Kroatien (2:2) und die Schweiz (3:1) an, in denen die entzauberten Zidane & Co nicht den erhofften «Champagner-Fußball» demonstrierten, sondern schales Mittelmaß boten. Schon da waren sie die Bürde des Turnier-Favoriten los und teilten folgerichtig das Los anderer frühzeitig gescheiterter großer Fußball- Nationen wie Deutschland, Italien, Spanien und England.
Frankreichs Fiasko verglich Michel Platini mit dem WM-Desaster von 2002, als der Titelverteidiger sieg- und torlos schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten musste. «Das war die gleiche Art von Fußball, mit dem Frankreich in Südkorea und Japan gescheitert war. Ich habe keinen Unterschied gesehen«, kritisierte das französische Fußball-Idol seine nicht einmal in Schönheit gestorbenen Erben. Diese hatten die schlaflose Nacht nach dem Desaster noch an der Stätte ihrer Erniedrigung verbracht, ehe sie am Samstagabend nach Auflösung des Trainingslagers in Santo Tirso in die Heimat zurückkehrten. Dort erwartete sie und ihren ratlosen Trainer Jacques Santini nichts als pure Verachtung. «Wir müssen jetzt an die Zukunft denken, und die heißt WM 2006 in Deutschland», sagte Zinedine Zidane, der für das Versagen - auch das eigene - keine richtige Erklärung fand. «Wir alle haben nicht die Leistung gebracht, zu der wir fähig sind», meinte «Zizou», der nach der missratenen Saison bei Real Madrid in Portugal den zweiten Tiefpunkt seiner Karriere erlebte. So schmählich will der entzauberte Superstar jedoch nicht von der Nationalmannschaft Abschied nehmen. Bei der dringend vorzunehmenden Zäsur wird der 32-Jährige eine zentrale Rolle spielen. |