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«Oranje» unter Druck - Tschechen fürchten van Nistelrooy

Aveiro (dpa) - 18.06.2004, 12:44 Uhr

Ruud van Nistelrooy hat den Ball an Oliver Kahn vorbei versenkt.
Ruud van Nistelrooy hat den Ball an Oliver Kahn vorbei versenkt.

Die Tschechen fürchten Tormaschine Ruud van Nistelrooy, doch «Oranjes» Wunderstürmer und seine Kollegen haben mit eigenen Problemen zu kämpfen. Die Niederländer suchen vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Angstgegner Tschechien immer noch ihre ideale Aufstellung.

Dabei steht der Titelträger von 1988 gehörig unter Druck. Während die Tschechen mit einem Sieg schon den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-EM perfekt machen können, wären die nach internen Querelen verunsicherten Niederländer bei einer Niederlage ausgerechnet auf einen Ausrutscher von Erzrivale Deutschland angewiesen. «Wir müssen uns unbedingt steigern. Unsere letzte Leistung war einfach nicht gut genug», sagte van Nistelrooy.

Das Duell der Dauerrivalen im Estadio Municipal von Aveiro wird gleich zur doppelten Revanche. Das Oranje-Team will sich für die 1:3-Niederlage in der Qualifikation rehabilitieren, durch die sie in die Relegation gegen Schottland (0:1, 6:0) gezwungen wurden. Und auch die Tschechen haben noch eine Rechnung offen. Bei der EM 2000 fühlten sie sich beim 0:1 in der Vorrunde nach einem fragwürdigen Elfmeter kurz vor Schluss gegen den damaligen Gastgeber um einen Punkt betrogen.

Beide Mannschaften konnten sich anschließend nicht für die WM 2002 qualifizieren, was die Brisanz in Portugal zusätzlich erhöht. «Wir kennen uns sehr gut. Wir wissen, was wir zu erwarten haben, und das wird nicht einfach», sagte Verteidiger Jaap Stam. Während sich der 1,91 m große Abwehr-Hüne auf ein «Duell der Giganten» mit dem noch elf Zentimeter größeren Angreifer Jan Koller von Borussia Dortmund einstellen kann, machen die Tschechen aus dem Rest ihrer Angriffsformation noch ein Geheimnis.

Trainer Karel Brückner erwägt auf die von der deutschen Mannschaft beim 1:1 gegen die Niederländer so erfolgreich praktizierten Variante mit fünf Mittelfeldspielern und nur einer Spitze umzustellen. Dann müsste Milan Baros, Torschütze beim 2:1 gegen Lettland, wohl seinem Vereinskollegen vom FC Liverpool, Vladimir Smicer, weichen.


«Vor van Nistelroy haben wir schon ein bisschen Angst», gestand Smicer die größte Sorge der Tschechen, die nach den großen Hitze-Strapazen im ersten Spiel diesmal auf niedrigere Temperaturen hoffen. Der Rest des noch vor der EM so hoch eingeschätzten niederländischen Teams hat aber offenbar seinen Schrecken verloren. Die heftige Kritik in den heimischen Medien zeigt beim Starensemble Wirkung. Bei der letzten Pressekonferenz vor der Partie wollte sich kein Spieler mehr über Taktik- oder Personalfragen äußern.

Trainer Dick Advocaat hat mit dem ständigen Hickhack um die vermeintlich richtige Aufstellung wohl vor allem seine eigenen Akteure verunsichert. Im Geheimtraining ließ er sogar plötzlich wieder mit Patrick Kluivert als zweiter Spitze neben van Nistelrooy im eigentlich längst ad acta gelegten 4-4-2-System trainieren, hieß es.

Wen Advocaat diesmal aus seiner «Spieler-Tombola» ziehen wird, ist unsicher. Clarence Seedorf steht nach seiner Muskelzerrung wieder zur Verfügung, doch wahrscheinlich wird der Bondscoach im Mittelfeld doch dem jungen Wesley Sneijder nach seinem couragierten Auftritt gegen Deutschland eine Chance von Beginn an geben. Die interne Kritik reißt derweil nicht ab. Torwart Edwin van der Saar bezeichnete den Kader als «schlechter als die Mannschaften von 1998 und 2000». Und auch Advocaat nimmt zum eigenen Schutz kein Blatt mehr über die Qualität seine Akteure vor den Mund: «Ich hoffe, dass ihre Nervosität langsam nachlässt», sagte der heftig in der Kritik stehende Trainer.

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