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Frauen an den Ball - DFB sucht seine Weiblichkeit

Mainz (dpa) - 29.08.2010, 12:18 Uhr

DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg brachte das Klischee gleich zu Anfang auf den Punkt, als sie sich an ihr erstes Fußballspiel und die Reaktion der Männer erinnerte.

«Die haben sich die Bäuche gehalten vor Lachen, weil wir als Frauenmannschaft gespielt haben wie die kleinen Jungs: Der Ball flog nach links, alle liefen nach links - und so weiter», berichtete Ratzeburg. Das war 1970, kurz nach der Aufhebung des Frauenfußballverbots im DFB.

40 Jahre später sind Deutschlands Fußballfrauen Welt- und Europameister. Der Nachwuchs gewann kürzlich die U-20-Weltmeisterschaft. Die Chancen für die WM 2011 im eigenen Land stehen also bestens. Von so viel Erfolg kann Deutschlands Männer-Nationalelf nur träumen. Eigentlich gute Vorzeichen für den dreitägigen Mädchen- und Frauenfußball-Kongress des DFB in Mainz.

Und doch hat sich an dem Klischee, das Ratzeburg ansprach, wenig geändert. Frauenfußball gilt als unattraktiv - das meinen nicht nur Machos am Stammtisch, sondern auch mögliche Sponsoren. Wie DFB-Chef Theo Zwanziger sagte, bringen die Fernsehrechte für ein Spiel der Männer 40 Mal so viel in die Kasse wie für eine Frauen-Partie.

Auch im Leistungssport besteht dieses Missverhältnis: Kickende Männer in der Bundesliga werden schnell Millionäre, Frauen aber brauchen einen Job nebenher und ihr Ligen-System steckt fast noch in den Kinderschuhen. Dabei ist die Zukunft des Frauenfußballs auch entscheidend für Fußball-Deutschland - war die Botschaft des Kongresses. Um Breitensport als Basis des Leistungssports zu stärken, müssten mehr Frauen an den Ball. Da liege das Wachstumspotenzial.


Der DFB bemüht sich und hat 5500 Schulen ins Boot geholt. «Die Schulen werden für die Mädels eine ganz, ganz wichtige Fußballstätte sein müssen», so Zwanziger. Mehr Kooperation müsse her. Nur jedes sechste Mitglied der gut 25 000 deutschen Fußballclubs ist weiblich. Die Zuwachsraten aber sind rasant - nur will anscheinend nicht jeder Club davon profitieren. «Viele Vereine haben noch nicht verstanden, welche Chancen sie sich entgehen lassen, wenn sie sich nicht für den Frauenfußball öffnen», sagte Ratzeburg.

Laut Zwanziger wird es mit der Gleichberechtigung noch Jahre dauern: «In den klassischen Bereichen Spielbetrieb, Schiedsrichterwesen und auch in den Rechtsorganen sind die Männer über viele Jahrzehnte hinweg ganz klar dominant.» Aus Sicht der rheinland-pfälzischen Frauenministerin Malu Dreyer (SPD) müssen mehr Frauen an die Schaltstellen des Fußballs. «Man muss oben beginnen, damit sich wirklich auf allen Ebenen etwas ändert.» Das aber ist mit Blick auf DFB-Präsidium und -Vorstand ein weiter Weg: Dort arbeiten 18 Männer und nur eine Frau - Hannelore Ratzeburg.

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