Mainz (dpa) - 26.08.2010, 18:09 Uhr
Die Männer-Domäne Fußball verkennt aus DFB-Sicht das Potenzial kickender Mädchen und Frauen und raubt sich damit Wachstumsmöglichkeiten.
«Viele Vereine haben noch nicht verstanden, welche Chancen sie sich entgehen lassen, wenn sie sich nicht für den Frauenfußball öffnen», sagte die Vizepräsidentin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hannelore Ratzeburg, in Mainz zum Auftakt des dreitägigen Frauen- und Mädchenfußball-Kongresses.
Aktuell ist erst etwa jedes sechste Mitglied in den gut 25 000 deutschen Fußball-Vereinen weiblich. Bei dem Treffen in Mainz unter dem Motto «Alles, außer Abseits» diskutieren gut 300 Experten aus Sport, Wissenschaft und Politik, wie die Bedeutung der Frauen in der deutschen Sportart Nummer eins erhöht werden kann. Der Kongress findet ein Jahr vor der Frauen-WM in Deutschland statt.
Trotz der sportlichen Erfolge des DFB-Teams wird es laut DFB- Präsident Theo Zwanziger noch Jahre dauern, bis Frauen auch in den Vereinsstrukturen gleichberechtigt sind. «In den klassischen Bereichen Spielbetrieb, Schiedsrichterwesen und auch in den Rechtsorganen sind die Männer über viele Jahrzehnte hinweg ganz klar dominant», sagte Zwanziger. So werde es vorerst auch bleiben.
Aus Sicht der rheinland-pfälzischen Frauenministerin Malu Dreyer (SPD) ist es jedoch unerlässlich, dass mehr Frauen an die Schaltstellen des Fußballs gelangen. «Man muss oben beginnen, damit sich wirklich auf allen Ebenen etwas ändert», sagte Dreyer.
Laut Zwanziger sind Berufungen in Ämter eine Chance. Eine Frauenquote im DFB halte er aber «für eher hinderlich». Die Wahl einer DFB-Präsidentin sei mittelfristig unwahrscheinlich. «Ich wünsche mir, dass man das Ganze nicht plakativ an einer solchen Entscheidung misst, sondern an dem, was tatsächlich geleistet wird», sagte Zwanziger der Nachrichtenagentur dpa. «Aber wenn eine Frau es kann, dann soll sie die gleiche Chance haben wie ein Mann, wenn es um einen Wettbewerb in dieser Frage gehen wird irgendwann einmal.»