Hoffen auf ein «Wunder» - Jena fordert Duisburg
Köln (dpa) - 14.05.2010, 16:06 Uhr
Im Dezember 2009 wurde der neue DFB-Pokal der Frauen in Köln enthüllt.
«Underdog» Jena hofft auf ein Wunder, Cup-Verteidiger Duisburg gibt sich selbstbewusst, und alle freuen sich vor der Premiere in Köln auf eine große Frauenfußball-Party mit Rekordkulisse. Im ersten eigenständigen DFB-Pokalfinale der Frauen seit 26 Jahren am 15. Mai zwischen Vorjahressieger FCR Duisburg und dem FF USV Jena sind die Rollen klar verteilt. Alles andere als der dritte Pokalsieg des Revierclubs wäre eine Sensation. «Wir nehmen unsere Favoritenrolle an. Aber wir müssen sie auch mit Leben füllen und das Selbstbewusstsein in Leistung ummünzen, nicht in arrogantes Verhalten», warnte FCR-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg in Köln. Seit 1985 fristete das Frauen-Endspiel ein Schattendasein als Vorspiel des Männer-Finals im Berliner Olympiastadion. Doch angesichts der gestiegenen Wertschätzung für den Frauenfußball schien den Verantwortlichen ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Deutschland die Zeit reif, sich abzunabeln. Dass bis zum 14. Mai 23 521 Karten verkauft waren, bestärkte Hannelore Ratzeburg trotz aller Skepsis in der Ansicht, dass es «der richtige Schritt» war. «Da geht einem das Herz auf, sensationell. Das ist eine tolle Anerkennung für beide Teams und den Frauenfußball», kommentierte die DFB-Vizepräsidentin den Ticket-Absatz. Sogar der Europa-Zuschauerrekord für nationale Frauen-Vereinsspiele wird wohl geknackt werden. Die Bestmarke hält bisher das englische Cup-Finale 2008 zwischen dem FC Arsenal und Leeds United mit 24 582 Fans.
Anders als die Europa-Cup- und Länderspiel-erfahrenen Duisburgerinnen sind Jenas Akteurinnen solche Kulissen völlig fremd. Schon die knapp 4000 Fans beim Halbfinalsieg gegen Essen-Schönebeck flößten dem Team Respekt ein. «Vor dem Spiel haben unsere jungen Spielerinnen beim Frühstück keinen Bissen runter bekommen. Da hatten einige die Hosen voll», berichtete USV-Spielführerin Ivonne Hartmann. Trainerin Heidi Vater weiß, dass es schwer ist, ihre junge Elf auf solch eine besondere Atmosphäre vorzubereiten. «Wir müssen versuchen, das auszublenden», sagte sie. «Für uns ist schon die Final-Teilnahme der größte Erfolg. Also haben wir nichts zu verlieren. Die Spielerinnen sollen rausgehen und das Erlebnis genießen.» Die Bilanz spricht klar für die Duisburgerinnen, die den Einzug ins Champions League-Finale und den Meistertitel in dieser Saison knapp verpassten. Nun soll der «Pott» her. «Wenn wir diesen Titel holen, fällt die Saisonbilanz sicher etwas anders aus», sagte Voss-Tecklenburg. Der erst vor zwei Jahren in die Bundesliga aufgestiegene Rivale aus Thüringen hat alle bisherigen vier Spiele gegen den FCR verloren und dabei keinen eigenen Treffer erzielt (0:19 Tore). Mehr Außenseiter geht nicht. Dennoch will der USV sich dem zweimaligen Cup-Sieger (1998/2009) nicht kampflos ergeben. «Wir stellen uns der Aufgabe und gehen unbelastet in das Spiel.» Natürlich bestehe «die Gefahr, überrollt zu werden», gab Hartmann zu, aber: «Wir hoffen, dass vielleicht ein Wunder geschieht und wir am Ende den Pokal in Händen halten. Wir wollen Duisburg so richtig ärgern.» |