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Legende und Phänomen: Prinz vor 200. Länderspiel

Düsseldorf (dpa) - 15.02.2010, 14:23 Uhr

Nationalspielerin Birgit Prinz steht vor ihrem 200. Länderspiel.
Nationalspielerin Birgit Prinz steht vor ihrem 200. Länderspiel.

Vorbild, Vorreiterin und Vorzeige-Athletin: Als erste deutsche Fußballerin durchbricht Birgit Prinz die Schallmauer von 200 Länderspielen, und selbst für die erfolgsverwöhnte 32-Jährige ist die imposante Rekordmarke etwas Besonderes.

«Es ist eine schöne Zahl, die noch keine deutsche Spielerin erreicht hat», sagte die Frankfurterin zwei Tage vor ihrem Jubiläumsspiel in der Duisburger MSV-Arena gegen Nordkorea. «Es ist schon eine coole Sache. Der Frauenfußball hat sich ja enorm weiterentwickelt. Dass ich es geschafft habe, mich so lange in der Spitze zu halten, macht mich schon ein wenig stolz.»

Glückwünsche kamen aus der ganzen Welt: FIFA-Präsident Joseph Blatter würdigte Prinz als «Aushängeschild des deutschen Fußballs», das «ihren Sport mit viel Herzblut betreibt» und für Werte wie «Teamgeist und Fairness» steht. UEFA-Boss Michel Platini sprach gar von einer «Legende». Und DFB-Präsident Theo Zwanziger lobte: «Sie ist sicher die überragende deutsche Fußballerin der vergangenen zehn Jahre. Viel wichtiger jedoch: Sie ist eine wunderbare Frau, die sich tiefgründig und nachdenklich für viele weitere Facetten des Lebens interessiert.» Solche Lobeshymnen hört sie gar nicht so gern. «Das macht mich eher verlegen», bekannte Prinz in Düsseldorf.

Bereits mit 16 Jahren feierte sie am 27. Juli 1994 in Montreal gegen Kanada ihr Debüt im DFB-Dress und erzielte als Einwechselspielerin kurz vor Schluss den 2:1-Siegtreffer. «Daran kann ich mich noch gut erinnern», sagte Prinz über den Beginn ihrer einzigartigen Karriere, die Silvia Neid erst als Mitspielerin, dann als Co-Trainerin und Cheftrainerin des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) begleitete. «Birgit ist ein Phänomen. Sie ist absolut ehrgeizig und sehr selbstkritisch. Dass sie schon so lange ihr Weltklasseniveau hält, ist unglaublich», sagte Neid über ihre Spielführerin, die in 199 Länderspielen 125 Tore erzielte, im Gespräch mit der dpa.

Die dreimalige Weltfußballerin (2003, 2004, 2005) sammelte Titel wie keine andere: Zweimal Weltmeisterin (2003, 2007), fünfmal Europameisterin, WM-Rekordtorschützin (14 Tore) und insgesamt je neun deutsche Meistertitel und Pokal-Siege zieren unter anderem die Vita der Stürmerin des 1. FFC Frankfurt, mit dem sie dreimal den UEFA-Cup gewann. Allein olympisches Gold blieb ihr verwehrt, dreimal gewann sie mit der DFB-Elf die Bronzemedaille.


Trotz ihrer Erfolge tritt Prinz stets bescheiden auf, legt wenig Wert auf Ehrungen. Der Teamgedanke ist ihr heilig. «Birgt ist ein toller Typ, ein überragender Charakter», urteilte DFB-Torfrau Nadine Angerer. «Sie wird öffentlich immer an Toren gemessen. Aber selbst, wenn sie mal nicht trifft, ist sie unglaublich wichtig für die Mannschaft.»

Prinz ist nicht nur auf Fußball fixiert. Im Sommer schließt die ausgebildete Physiotherapeutin ihr Psychologiestudium ab. «Meine Diplomarbeit habe ich schon abgegeben. Ich bin ganz zufrieden», erklärte Prinz, die zuweilen etwas «grantig» sein kann, wenn ihr nicht nach Interviews oder öffentlichen Auftritten ist. «Sie ist eben keine 08/15-Sportlerin, hat ihren eigenen Kopf. Aber sie ist immer erfolgsorientiert und ein Vorbild für die Jüngeren», sagte Neid.

Nicht nur die DFB-Trainerin wünscht Prinz als krönenden Abschluss der Karriere die WM-Teilnahme im eigenen Land, möglichst mit dem dritten Titel in Serie. Einen Freifahrtsschein im DFB-Team bekommt aber selbst die Ausnahmesportlerin nicht. «Ich muss nach Leistung aufstellen. Aber wenn Birgit von Verletzungen verschont bleibt und weiter ihre Leistung bringt, sehe ich keinen Grund, warum sie 2011 nicht dabei sein sollte», sagte Neid. Prinz hätte nichts dagegen. «Natürlich ist die WM ein Ziel. Aber es gibt keine Garantien im Leben», sagte sie. «Ich hoffe, dass ich bis dahin gesund bleibe.»

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