Tina Wunderlich: In acht Pokalfinals immer dabei
Frankfurt/Main (dpa) - 24.05.2007, 10:50 Uhr
Abwehrspielerin Tina Wunderlich in einem im Bundesliga-Spiel 2004.
Im Mittelpunkt zu stehen, ist Tina Wunderlich eher unangenehm. Diese Rolle überlässt sie liebend gern einer Steffi Jones. «Sie kann gut mit den Medien umgehen. Mir reicht es, meine Leistung zu bringen. Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen», sagt die Abwehrspielerin des Bundesliga-Spitzenreiters 1. FFC Frankfurt. Das Pokalfinale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zerrt die 29-Jährige wider Willen ins Rampenlicht. Denn Wunderlich ist der «Dauerbrenner» im FFC-Team und im DFB-Pokal. Als Einzige verpasste sie seit 1999 keine einzige der 720 Spielminuten in den bisherigen acht Endspielen. Auch am Samstag im neunten FFC- Finale in Serie gegen den Bundesliga-Zweiten FCR 2001 Duisburg steht sie im Berliner Olympiastadion wie gewohnt in der Startelf. «Mir war das gar nicht bewusst. Erst unser Manager Siegfried Dietrich hat mich daran erinnert», erzählt die «kleine» Wunderlich, deren zwei Jahre ältere Schwester Pia seit 1993 zum Stammpersonal im Verein zählt. Ein Jahr später folgte ihr Tina aus dem Siegerländischen an den Main. Im selben Jahr debütierte Wunderlich bereits in der Nationalmannschaft, in der sie es bis 2003 auf 34 Einsätze brachte. Mit dem DFB-Team wurde sie Europameisterin 1995 und 2001 sowie Vize-Weltmeisterin 2001.
Im Nationaltrikot erlebte sie den schwärzesten Moment ihrer Karriere. Am 24. September 2000 unterlief ihr im Halbfinale des olympischen Fußball-Turniers in Sydney gegen Norwegen ein fatales Eigentor zum 0:1-Endstand. «Da wollte ich am liebsten im Erdboden versinken. Damit hatte ich lange zu kämpfen. Doch solch ein Patzer ist auch prägend», sagt Wunderlich mit fast sieben Jahren Abstand. Die deutsche Elf gewann noch Olympia-Bronze (2:0 gegen Brasilien), für Wunderlich damals nur ein schwacher Trost. Wunderlich fühlte deshalb am 31. Mai 2003 besonders mit, als Nationalspielerin Martina Voss im letzten Spiel für den FCR 2001 Duisburg mit einem Eigentor das Finale zu Gunsten des 1. FFC Frankfurt entschied. «Ich wusste, wie beschissen es ihr geht», sagt Wunderlich. Die Freude über den bisher letzten der fünf Pokalsiege war dennoch groß. Das emotional schönste war ihr zweites Finale. «Da haben wir gegen die Sportfreunde Siegen mit 2:1 gewonnen. Ich komme doch aus dem Siegerland», sagt Wunderlich, die das Fußball spielen beim TuS Schwarzenau erlernte. Für Samstag sind die Ziele hoch gesteckt. «Wir wollen nach drei Niederlagen endlich wieder gewinnen, zum sechsten Mal den Pott holen und die schwachen letzten Endspiele gegen Turbine Potsdam vergessen machen», sagt Wunderlich. Ans Karriereende denkt die 29-Jährige nicht. «Solange es noch Spaß macht und ich von Verletzungen verschont bleibe, mache ich weiter», meint Wunderlich, die beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport in der Personalabteilung arbeitet.
|