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Das Grauen von Voss: «Hat mich ein Jahr verfolgt»

Duisburg (dpa) - 23.05.2007, 12:58 Uhr

Nach ihrem Eigentor im Mai 2003 möchte Martina Voss im erdboden versinken.
Nach ihrem Eigentor im Mai 2003 möchte Martina Voss im erdboden versinken.

Es gibt Momente, die möchte man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen. Am 31. Mai 2003, kurz vor 19.00 Uhr, erlebte Martina Voss solch einen Augenblick.

In Berlin wollte sie ihre außergewöhnliche Fußball-Karriere mit dem Pokalsieg krönen, doch dann wurde es für die damalige Spielführerin des Bundesligisten FCR 2001 Duisburg der sportliche Tiefpunkt. Ausgerechnet im letzten Spiel ihrer Laufbahn wurde die damals 35-Jährige vor mehr als 30 000 Fans im Olympiastadion und Millionen von Zuschauern an den TV-Schirmen zur tragischen Figur. Noch heute laufen ihr Schauer über den Rücken, wenn sie daran denkt. «Den Moment werde ich nie vergessen. Er hat mich noch gut ein Jahr lang regelrecht verfolgt», gesteht die 125-malige Nationalspielerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Was war passiert? Im 23. DFB-Pokalfinale zwischen der jungen und tapfer kämpfenden Duisburger Mannschaft und dem Favoriten 1. FFC Frankfurt segelt beim Stand von 0:0 in der 89. Minute ein von FFC- Regisseurin Renate Lingor getretener Freistoß in den Duisburger Strafraum. Martia Voss steigt hoch und versenkt den Ball - im eigenen Netz: 0:1, Frankfurt ist Pokalsieger. Und Voss schlägt geschockt die Hände vors Gesicht, versteckt den Kopf unter dem Trikot. Niemand soll ihre Tränen, ihre Verzweiflung sehen. Mit dem ersten Eigentor ihrer 20-jährigen Fußballlaufbahn serviert die Duisburger Leitfigur dem Kontrahenten 60 Sekunden vor dem Ende den Cup-Triumph auf dem Silber- Tablett - unglaublich. «Ich weiß nicht, ob ich das jemals verdauen kann. Ich fühle nur eine große Leere», so Voss damals.

Vier Jahre später kehrt Martina Voss zurück, wenn ihr Ex-Club zum vierten Mal im DFB-Endspiel steht. Zum dritten Mal heißt der Gegner der Duisburger «Löwinnen» 1. FFC Frankfurt. Zwar ist die 39-jährige Mutter längst ins Trainerfach gewechselt und betreut seit Jahren erfolgreich den weiblichen Nachwuchs des Fußball-Verbandes Niederrhein sowie die Oberliga-Männer des SV Straelen, doch natürlich werde sie im Vorfeld häufig auf die Szene von 2003 angesprochen. «Dann kommt alles wieder hoch», gesteht sie. «Aber inzwischen kann ich sogar darüber lachen.»

Der FCR-Vorsitzende Ferdi Seidelt hat den Albtraum von damals noch in «intensiver Erinnerung». Solch ein Unglück soll sich möglichst nicht wiederholen, obwohl die beiden derzeit besten Frauenteams in Berlin unter ähnlichen Voraussetzungen aufeinander treffen wie 2003. Branchenriese Frankfurt, der den Meistertitel schon so gut wie sicher hat und Duisburg in dieser Saison schon zwei Mal (6:1, 3:0) besiegte, ist wieder Favorit. Und Duisburg hat erneut eine junge und hungrige Elf mit sechs Spielerinnen, die 2004 mit der deutschen U19- Nationalmannschaft den WM-Titel gewannen: Annike Krahn (21) und Fatmire Bajramaj (19) gehören bereits zum Stamm der A- Nationalmannschaft von Silvia Neid; hinzu kommen Elena Hauer, Anne van Bonn, Patricia Hanebeck und Simone Laudehr (alle 21).

Die Erfahrensten im Kader von Trainer Thomas Obliers sind die 28- jährigen Sonja Fuss und Inka Grings, die mit 22 Treffern derzeit die Bundesliga-Torschützenliste anführt. «Wir sind erneut Außenseiter, aber in einem Finale ist alles möglich», sagte Seidelt, der eine «realistische Siegchance» sieht. Und wenn alle Stricke reißen, muss eben Martina Voss, die seit einigen Wochen auch Chefredakteurin des Frauenfußball-Magazin «FF» ist, noch mal ran. Das habe sie schon längst abgesprochen, meint sie verschmitzt: «Dann wechseln sie mich in der 89. Minute ein, und ich stelle mich auf die Torlinie.»


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