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Immer mehr Mädchen finden Fußball cool

Hamburg (dpa) - 24.05.2006, 10:04 Uhr

In der Frauen-Bundesliga geht es zur Sache.
In der Frauen-Bundesliga geht es zur Sache.

In der Partie zwischen dem Bramfelder SV und dem Hamburger SV fallen die Tore fast im Minutentakt. Verbissen kämpfen die 15- und 16-jährigen Mädchen um den Ball - schließlich geht es um den Hamburger Titel und die Teilnahme an der Norddeutschen Meisterschaft.

Die Eltern und Trainer feuern die Teams an, auch der Schiedsrichter wird mit Zwischenrufen bedacht. Immer mehr Mädchen und junge Frauen finden Fußball cool und kicken in Vereinen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht in diesem Trend ein Potenzial, um neue Mitglieder zu gewinnen. Von der Weltmeisterschaft der Männer (9. Juni bis 9. Juli), erhofft sich der DFB auch für den Mädchen- und Frauenfußball Impulse.

Im vergangenen Jahr nahmen 7690 Frauen- und Mädchenteams am DFB-Spielbetrieb teil, 2004 waren es 6866. Inzwischen sorgt allein der Aufwärtstrend bei den Fußballerinnen dafür, dass die Mitgliederzahl des DFB nicht schrumpft. Von rund 3,4 Millionen Schülerinnen treten derzeit etwa 220 000 gegen den Ball. «Das entspricht einem Anteil von sechs Prozent. Wir wissen aber aus Umfragen, dass sechs von zehn Mädchen gern Fußball spielen würden», sagt Heike Ullrich, DFB-Abteilungsleiterin für Frauenfußball. Seit Januar 2005 läuft ein Programm, das Mädchen für den Fußballsport begeistern soll.

Auf eine lange Tradition kann der Frauenfußball in Deutschland nicht zurückblicken. Die Sportart galt zunächst als für Damen ungeeignet, die Aktiven wurden belächelt und angefeindet. Doch sie ließen sich nicht abschrecken, und am 31. Oktober 1970 hob der DFB schließlich sein Fußballverbot für das weibliche Geschlecht auf. Zwölf Jahre später bestritt die Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel gegen die Schweiz und gewann mit 5:1. Seither spielen die Frauen äußerst erfolgreich auf: Sie sind amtierender Weltmeister, konnten sich über sechs EM-Titel sowie zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen freuen. In der Weltrangliste steht das Team zurzeit auf dem ersten Rang.

Auch die 15- und 16-jährigen HSV-Mädchen treiben Leistungssport. Drei Mal pro Woche wird für jeweils eineinhalb Stunden trainiert, während der Saison gibt es häufig noch ein 80-minütiges Punktspiel. Jasmin Witting kickte schon auf dem Schulhof, im Verein spielt sie seit sieben Jahren. «Ich mache einfach gern Sport, und Fußball war schon immer mein Ding», sagt die 15-Jährige. «Allerdings wäre mehr Unterstützung für die Mädchenabteilung gut, wir müssen uns um vieles wie Trikots und Ausrüstung selber kümmern.»


Ihr Trainer beim HSV, Julius Vahlbruch, attestiert dem Mädchen- und Frauenfußball eine rasante Entwicklung. «Mittlerweile ist es anerkannter, wenn Frauen Fußball spielen. Technisch stehen sie den Männern in nichts nach. Wir trainieren sehr leistungsbezogen, schließlich sind wir keine Häkelgemeinschaft», sagt Vahlbruch. «Gerade die kleinen Vereine, die neue Mitglieder brauchen, wenn die Zahlen bei den Jungs zurückgehen, können vom Boom des Mädchenfußballs profitieren. Ein Teil des Erfolgs hängt sicher auch mit der Nationalmannschaft zusammen.» Jasmins Vorbild ist allerdings keine Frau, sondern der niederländische Torjäger Ruud van Nistelrooy.

Auf dem Titelbild des FF-Magazins - Frauenfußball in Deutschland - prangt in der April/Mai-Ausgabe ein Foto der Nationalspielerin Sandra Minnert. «Wir berichten journalistisch unabhängig, aber natürlich wollen wir den Frauenfußball unterstützen und fördern», sagt die Chefredakteurin Monika Koch-Emsermann. Auch sie spricht von einer «phänomenalen Entwicklung». «In den 70er Jahren war Mädchenfußball verpönt, heute nicht mehr. Eltern und Vereine sind aufgeschlossen, zumindest im Breitensport.» Defizite sieht Koch-Emsermann vor allem in der Frauenbundesliga. «Es fehlt Geld, die Anbindung an Sponsoren ist schwierig, und das Leistungsfälle ist sehr groß. Das Training ist professionell, beim Management besteht dagegen Nachholbedarf.»

Jasmin Witting will am Ball bleiben, sie hat bereits in den Nationalmannschaften U-13 und U-15 gespielt. Am liebsten würde sie mit ihrer Mannschaft Deutscher Meister werden. Das Spiel gegen den Bramfelder SV gewinnen die Hamburgerinnen mit 7:3. Der Trainer freut sich zwar über den klaren Sieg, kritisiert aber die mangelnde Chancenverwertung. Eltern und Freunde am Spielfeldrand haben eine kämpferische Partie gesehen. «Da behaupte nochmal einer, Mädchen könnten nicht Fußball spielen», sagt ein Zuschauer.

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