Potsdams «Tur-Bienen» genießen Pokal-Rausch
Berlin (dpa) - 30.05.2004, 12:11 Uhr
Die Potsdamerinnen feiern nach der Siegerehrung im Berliner Olympiastadion.
Die Potsdamer Fußball-Frauen vom 1. FFC Turbine genossen den Pokal-Rausch bis in den frühen Morgen, der Serienmeister leckte seine Wunden: Mit dem überraschend deutlichen 3:0 (1:0) haben die «Tur-Bienen» den Ruf des «ewigen Zweiten» abgelegt und die große Serie des 1. FFC Frankfurt gestoppt. «Diese Niederlage ist eine ganz neue Erfahrung. Wir müssen jetzt lernen, damit umzugehen», sagte FFC-Manager Siegfried Dietrich. Obwohl schon am Pfingstmontag um 11.00 Uhr das nächste Bundesliga- Spiel beim 1. FC Saarbrücken anstand, floss der Sekt bei den Potsdamerinnen mit Erlaubnis des Trainers bis zum Sonntag gegen 03.00 Uhr. «Schrödi, also Herr Schröder, hat gesagt, so ein Erfolg wird gefeiert, auch wenn wir besoffen in Saarbrücken auflaufen», krächzte Weltmeisterin Viola Odebrecht, der nach der Jubel-Arie glatt die Stimme wegblieb. Den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck störte dies wenig. «Das war eine Show ohne Ende. Damit wurde den Ostdeutschen wieder ein Stück Selbstbewusstsein zurück gegeben», schwelgte Platzeck, der es sich nicht nehmen ließ, vor einem halben Dutzend TV- Kameras mit den strahlenden Siegerinnen im Hotel «Bristol» zu frühstücken.
«Wir haben uns 90 Minuten erstaunt die Augen gerieben und uns gewundert, wie die Mannschaft das durchhält», meinte Potsdams Bürgermeister Jann Jacobs nach dem Match, dass der sechsmalige DDR- Meister von der ersten Minute an bestimmt hatte. Conny Pohlers (27.), Jennifer Zietz (50.) und Anja Mittag (55.) krönten mit ihren Toren das überragende Angriffsspiel ihres Teams, das die rund 30 000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion mitriss. «Auf so einen Triumph haben wir seit der Wende gewartet», meinte Trainer Bernd Schröder, der das Team seit 23 (!) Jahren betreut. «Dem Patienten geht es jetzt weit besser. Wir werden für die kommende Saison auch einen neuen Hauptsponsor haben», meinte Schröder mit Blick auf die Vereins-Finanzen, nachdem er zu Saisonbeginn auf mangelnde Unterstützung der Wirtschaft hingewiesen hatte. 65 000 Euro erhielt jeder Finalist vom DFB, 50 000 zahlte ein Sponsor (DKB) für den Einzug ins Endspiel. Bei einem Saisonetat von 320 000 Euro also ein «warmer Regen» für den deutschen Verein mit der besten Nachwuchsarbeit. |