Die Kommunikationswissenschaftlerin ließ sich davon nicht stoppen und bewies einen langen Atem. Sie tingelte mit ihrem Team durchs Land, organisierte Hallenturniere, traf Fußball-Offizielle und Politiker. «Ich habe dafür auf vieles verzichtet», sagt sie. «In den späten 90ern kam der Wendepunkt», erzählt sie. «Die Medien begannen, positiv zu berichten.» Der ägyptische Verband stellte ein Frauenteam auf, das sich 1998 prompt für die Afrikameisterschaft qualifizierte. Das Team scheiterte in der Vorrunde - doch der Grundstein war gelegt. Im Jahr darauf fand das erste Ligaspiel statt. Al-Hawari sehe Fußball als Möglichkeit für Mädchen, sich in der arabischen Männerwelt zu etablieren und durchzusetzen, erläutert Susanne Baumgart vom Goethe-Institut, das schon ein Fußball-Camp unter der Schirmherrschaft al-Hawaris organisiert hat. «Wir brechen Regeln und Traditionen auf, wir zeigen Eltern, wie sie Jungs und Mädchen gleich behandeln können», sagt al-Hawari. «Fußball kann ein Gradmesser für Gleichberechtigung sein», bestätigt Sonja Klümper vom Berliner Verein Discover Football, der mit Fußball für Frauenrechte kämpft und die ägyptische Pionierin in dieser Woche für eine Diskussion nach Deutschland eingeladen hat. Die umtriebige Ägypterin kam als erste Frau in den Vorstand des Fußballverbands EFA, für ihr Engagement wurde sie vom Internationalen Olympischen Komitee ausgezeichnet. Als Mitglied einer FIFA-Kommission rührt sie heute auch in anderen arabischen Ländern die Werbetrommel für den Frauenfußball. In ihrer Heimat gebe es noch viel zu tun, sagt al-Hawari: «Ich bin noch nicht zufrieden.» Sie will, dass Mädchen in allen Schulen des Landes Fußball spielen. Politisch ist ihr Land im Umbruch. Die Muslimbruderschaft und radikal-islamische Salafisten dominieren die verfassungsgebende Versammlung, demnächst stehen Präsidentschaftswahlen an. Brutale Ausschreitungen bei einem Fußballspiel haben die Sportwelt erschüttert, auch die Frauen-Ligen pausieren deshalb zurzeit. Die Unsicherheit beeinflusst auch al-Hawaris Arbeit. «Wir machen weiter, können aber nicht voranschreiten. Das ist eine Übergangszeit.» Fest steht: Sahar al-Hawari will weiterkämpfen. Ihre Energie habe sie von ihrem verstorbenen Vater, sagt sie bestimmt. «Ich habe ihm versprochen, weiterzumachen. Vor welchen Herausforderungen ich auch stehe, was auch immer passiert: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.»
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