Lira Bajramajs Hoch: «Irgendwann mal loslassen»
Frankfurt/Main (dpa) - 04.10.2011, 13:12 Uhr
Fatmire Bajramaj konnte sich erst nach der WM so richtig in Szene setzen.
Fatmire «Lira» Bajramaj steht in einem Trikot mit der Nummer 19 da, in modisch tiefsitzenden Jeans und mit rot lackierten Fingernägeln. Das Glamourgirl des deutschen Frauenfußballs - auf den ersten Blick unverändert. Doch ist gegenüber der WM kaum noch etwas, wie es war. Die «Fußballerin des Jahres» darf sich als Stammspielerin der Nationalmannschaft fühlen. Und bei ihrem neuen Club 1. FFC Frankfurt, mit dem sie gegen Stabaek Fotball (Norwegen) ums Weiterkommen in der Champions League kämpft, glänzt sie Woche für Woche. «Es macht Spaß, mit den Mädels zu spielen. Es tut aber auch gut, wieder einen normalen Alltag zu haben», sagt die 23-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. Und noch etwas ist anders geworden bei Bajramaj: In Interviews huscht öfter mal ein Hauch von Misstrauen über ihr Gesicht. Sie geht eher einen Schritt zurück als vorwärts, wenn sie vor einem Mikrofon oder einer Kamera steht. Die Spielerin kosovo-albanischer Herkunft war das Gesicht der WM - bevor das Turnier überhaupt losgegangen war. Als die Spiele dann starteten, stand Bajramaj meist nicht in der Anfangself und als Deutschland mit dem 0:1 gegen Japan ausgeschieden war, hatte die Offensivspielerin die 90 Minuten plus halbe Stunde Verlängerung nur auf der Bank gesessen.
Beim 4:1-Sieg in der EM-Qualifikation gegen die Schweiz, dem ersten Spiel nach der WM, aber stach Bajramaj heraus und machte zwei Tore. «Ich möchte die Rolle einer Führungsspielerin einnehmen, das ist mein Ziel», sagt sie mit leisen Worten. Die WM? Bei der Aufarbeitung im Kreise der Nationalmannschaft habe es kein Einzelgespräch mit Bundestrainerin Silvia Neid gegeben. «Nach so einer Niederlage wie bei der WM, da muss man wieder von vorne anfangen. Es kann einen aber auch stärken», meint Bajramaj. «Ich habe mit vielen Leuten darüber gesprochen, Familie, Freunde, Bekannte, aber irgendwann muss man mal loslassen. Wir haben uns einfach zu viel Druck gemacht. Die ganze Aufmerksamkeit, das waren wir nicht gewohnt.» Trotzdem sei es eine schöne Erfahrung gewesen. |