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WM - und dann: Wer küsst die Bundesliga wach?

Frankfurt/Main (dpa) - 21.06.2011, 09:41 Uhr

DFB-Präsident Theo Zwanziger hofft durch die WM auf einen Boom für den Frauenfußball.
DFB-Präsident Theo Zwanziger hofft durch die WM auf einen Boom für den Frauenfußball.

Nach der Weltmeisterschaft soll die Frauenfußball-Bundesliga aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Doch Märchenprinzen sind nicht in Sicht.

Und selbst die Spitzenfunktionäre des Deutschen Fußball-Bundes, der 20 Millionen Euro in die Nachhaltigkeitskampagnen rund um die WM gesteckt hat, sind skeptisch. «Den Transfer von der Nationalmannschaft auf die Bundesliga hinzubekommen, das ist kein Automatismus, sondern wird die größte Herausforderung überhaupt», sagt DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Keine 900 Zuschauer hatte das Oberhaus mit zwölf Teams in der vergangenen Saison durchschnittlich, es gab auch Partien wie VfL Wolfsburg gegen SG Essen-Schönebeck mit offiziell 118 Besuchern. «Wir haben um die 2000, in drei bis fünf Jahren werden wir die Zuschauerzahl verdoppelt haben», prophezeit Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt und von zahlreichen Nationalspielerinnen wie Birgit Prinz, Nadine Angerer oder Kim Kulig. Er spricht von einer «neuen Dimension», in die der Frauenfußball nach der WM vorstoßen wird, räumt aber gleichzeitig ein: «Es wird nicht alles auf einmal anders sein.»

Das Jahresbudget von Pokalsieger und Rekordmeister Frankfurt beträgt derzeit 1,5 Millionen Euro, Dietrich will es in den nächsten zwei Jahren auf 2,5 Millionen steigern. «Die Wahrnehmung des Frauenfußballs hat einen neuen Grad erreicht, die Sponsoren sehen ihn als Boomsportart», meint er. Doch wie genau die erwartete Begeisterung um die WM genutzt werden soll, darüber herrscht noch Uneinigkeit.

Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen hofft auf ein Halbprofitum, doch nur in Frankfurt können nach Angaben Dietrichs derzeit 15, 16 Spielerinnen vom Fußball leben. DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg sagt: «Es hat keinen Sinn, dass alle Nationalspielerinnen nur bei drei Vereinen spielen und dort möglicherweise auf der Bank sitzen.»


Die erfahrene Funktionärin, eine Frau der ersten Stunde, gibt auch zu bedenken: «Mehr Geld wird möglicherweise auch dazu beitragen, dass sich der Sport verändert.» Ein Großteil der Clubs könnte ohne die 180 000 Euro, die sie vom DFB pro Saison aus dem Topf der Fernseheinnahmen bekommen, gar nicht leben.

1,1 Millionen weibliche Mitglieder hat der Verband mittlerweile, ob er einen weiteren Ansturm im Nachwuchsbereich verkraftet, ist gar nicht gesichert. DFB-Vizepräsident Rainer Koch meint: «Es gibt viel zu wenige Betreuer, viel zu wenige Funktionäre und viel zu wenige Trainer im Frauenfußball.»

Für Bernd Schröder, Trainer von Meister Turbine Potsdam, ist das ganze Nachwuchssystem «eine Katastrophe. Da kommt gar nichts raus, weil der Abstand zwischen der Bundesliga und den unteren Klassen immer größer wird.» Sein Frankfurter Konkurrent Dietrich hofft trotzdem, dass die Liga irgendwann von 12 auf 16 Teams aufgestockt wird.»

Theo Zwanziger hofft auf einen Boom, setzt aber ganz unten an: «Eine Chance der WM ist für mich, dass wir es schaffen, in jedem Fußballkreis eine stabile Frauen- und eine U 16-Klasse zu etablieren», sagt der DFB-Präsident. Man brauche in Zukunft 20 bis 25 Mannschaften in der 1. und 2. Bundesliga. Nicht mehr, weil sonst das Leistungsgefälle zu groß werde. «Wenn die WM die Impulse für diese Entwicklung verstärkt, sollten wir versuchen, in Sachen Wertschätzung, Zuschauerzahlen und Medienpräsenz in die Nähe der 3. Liga der Männer zu kommen.»

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