Für Tor-Phänomen Miroslav Klose ist die Münchner Sorgenwelt auch beim Trip ins ferne Kasachstan weit weg. Der 32-Jährige, der erstmals einen möglichen Abschied vom deutschen Rekordmeister in Erwägung zieht, hat seinen ganzen Bayern-Frust wieder einmal auf wundersame Weise abgelegt.
Im Team von Trainer Louis van Gaal bestenfalls Aushilfstorjäger, macht er im DFB-Trikot weiter munter Jagd auf den Ur-Alt-Rekord von «Bomber» Gerd Müller. Nach seinem Doppelpack beim 3:0 gegen die Türkei, dem zwölften für die Nationalmannschaft, kann Klose jenseits des Urals nachlegen.
Bei nun 57 Toren für Deutschland fehlen nur noch elf Treffer zur Bestmarke von Legende Müller (68), doch Klose gibt sich gewohnt bescheiden. «Es ist nicht mein primäres Ziel. Falls es mir gelingt, wäre ich glücklich und stolz», sagte er zur näher gerückten Traummarke. Gerd Müller - dem Klose im Sommer mit seinem 14. WM- Treffer schon den deutschen Turnier-Rekord abluchste - bleibt für ihn ohnehin antastbar. «Ich sehe ihn oft in München. Er ist ein Phänomen für mich», sagte Klose.
Der Zweierpack gegen die Türkei brachte den alleinigen zweiten Platz in der ewigen Torschützenbestenliste vor Joachim Streich (55) und lässt Statistiker den Zeitpunkt berechnen, an dem der 32-Jährige Müller an der Spitze des Rankings einholt. Bei weiterhin 0,54 Toren im Schnitt pro Spiel, wäre Klose bei der EM-Endrunde 2012 am 74er- Weltmeister dran.
Dass die EM in seinem Geburtsland Polen und der Ukraine erreicht wird, liegt dank Kloses Treffsicherheit nahe. In den ersten drei Ausscheidungsspielen steuerte er schon fünf Tore bei. Wie gegen Belgien (1:0) und Aserbaidschan (6:1) waren beim stillen Stürmer alle Vereinssorgen wie weggeblasen. «Hier habe ich einen Lauf. Im Verein muss ich mir alles erkämpfen. Ich hoffe, dass auch dort das Glück zurückkommt», sagte Klose.
So recht erklären kann er die Diskrepanz nicht: «Auch, wenn es sich komisch anhört. Es ist vieles gleich. Das System ist das selbe, die Ordnung ist die selbe.» Er sieht sich nicht als Typ, der zu viel grübelt. «Hier fällt er mir direkt auf den Helm», beschreibt er sein DFB-Glück. Bundestrainer Joachim Löw sieht doch einen kleinen Unterschied, bei ihm habe Klose «mehr Freiheiten, die ihm gut tun».
Klose will auch bei Bayern weiter um seine Treffer kämpfen, schließt aber offenbar auch eine Luftveränderung nicht mehr aus. «Ich bin für alles offen: Vertrag verlängern oder nochmal wechseln. Ich könnte mir auch vorstellen, nochmal bei einem anderen Club in der Bundesliga zu spielen», sagte Klose in der «Bild am Sonntag». Allerdings müsse der Verein auch international spielen: «Denn mein Ziel bleibt die EM 2012.»
Eine andere Ikone seines Münchner Arbeitgebers hat Klose schon übertroffen. Aber auch hier will sich der Pfälzer Bub nicht in den Vordergrund rücken. «Ich habe zwar nun Franz Beckenbauer überholt, was die Zahl der Länderspiele angeht, aber wenn man sich die Namen Klose und Beckenbauer ansieht, da ist da schon noch ein Unterschied», sagte der Angreifer nach seinem 104. Auftritt im Nationaltrikot.