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Özil bangt: Knöchelschmerzen nach Meisterstück

Berlin (dpa) - 10.10.2010, 13:09 Uhr

DFB-Torschütze Mesut Özil (r) wird von Nuri Sahin (r) gefoult.
DFB-Torschütze Mesut Özil (r) wird von Nuri Sahin (r) gefoult.

Scheinwerfer aus: Endlich keine Fragen mehr zu Herkunft, Integration und Nationalgefühl. Der Kurztrip nach Kasachstan könnte für Mesut Özil eine pure Lustreise sein, doch sein lädierter Knöchel bereitet dem Ballzauberer nach der emotionalen Türkei-Tortour schon wieder neues Ungemach.

«Ich habe immer noch Schmerzen», berichtete der 21-Jährige via DFB-Homepage. «Ich hoffe, dass ich rechtzeitig fit werde und will unbedingt spielen», sagte der Real-Regisseur. Am Sonntag konnte Özil nicht am letzten Training der Fußball-Nationalmannschaft in Berlin teilnehmen. Stattdessen wurde er im Teamhotel behandelt. Bundestrainer Joachim Löw gab immerhin leichte Entwarnung. «Ich gehe davon aus, dass Mesut spielt», sagte er bei einer Pressekonferenz in Berlin. Bis zum nächsten EM-Qualifikationsspiel in Astana ist angesichts der Prellung im linken Fußgelenk die ganz Heilkunst der DFB-Ärzte gefordert.

Antreten soll Özil die Dienstreise hinter den Ural auf jeden Fall. Nach der Landung soll dann beim Abschlusstraining der Fußball-Nationalmannschaft in der Astana-Arena der entscheidende Härtetest durch Löw und dessen Fitness-Experten folgen.

Den Gefühls-Härtetest seiner Karriere hat Özil da schon drei Tage hinter sich - und mit Bravour bestanden. Das gellende Pfeifkonzert der großen Schar türkischer Fans beim 3:0 im Berliner Olympiastadion hatte den Einwanderer-Enkel nicht aus dem Tritt gebracht. Im Gegenteil: Sein Tor, das dritte im DFB-Trikot, verlieh dem interkulturellen Abend in Berlin die besondere Note. Sein Jubel fiel aber aus «Respekt vor der Heimat meiner Vorfahren» dennoch leise aus.

Nach der Partie tauchte Özil erstmal ab. Wegen des Blutergusses durfte er laut UEFA-Statuten durch die Hintertür der Katakomben des Olympiastadions entschwinden. Statt in strahlender Siegerpose zog er nach dem schwierigsten Spiel seiner Karriere also wortlos von dannen. Auf bohrende Fragen nach seiner Befindlichkeit konnte der 21-Jährige an diesem bewegenden Abend ohnehin verzichten. Vielleicht war auch einfach schon zu viel geredet worden für die Fußball-Seele des Jungstars. Sogar seine roten Schuhe wurden als verstecktes Signal der Verbundenheit mit der Türkei (über)interpretiert.


Erst mit Bedenkzeit äußerte er sich dann online zu seinem Gefühlszustand. «Ich habe das ausgeblendet und mich allein auf mein Spiel konzentriert. Ich wollte meine Leistung bringen und das ist mir gelungen. Das Team und unsere deutschen Fans haben mich toll unterstützt. Das freut mich riesig», sagte er.

Andere wären unter den penetranten Unmutsäußerungen von den Tribünen spielerisch eingebrochen. Nicht aber Özil. «Mesut ist ein Spieler, der sich auf die entscheidenden Dinge konzentrieren kann, der mental stark ist. Mesut hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Das hat er auch gezeigt», lobte Bundestrainer Joachim Löw. «Und dass Mesut dann das Tor gemacht hat, das freut mich. Es war toll gemacht.» Halil Altintop, Freund und Gegner für einen Abend, beschrieb die Lage aus der Sicht des geschlagenen Kontrahenten. «Das ist völlig normal. Viele sind enttäuscht, dass so ein Klassespieler nicht für die Türkei spielt», sagte der Angreifer von Eintracht Frankfurt zu den Pfiffen.

Der Migrantensohn Altintop hatte verstanden, dass die Konstellation an diesem Berliner Herbstabend alle Zerrissenheit der türkischstämmigen Deutschen und in Deutschland lebenden Türken demonstrierte. Noch im WM-Sommer hatten viele stolz «ihrem Mesut» im DFB-Dress zugejubelt, nun behandelten sie den «verlorenen Sohn» wie einen Überläufer. Wenn Özil trotz Blutergusses in Kasachstan wieder glänzen sollte, wäre er wohl wieder einer von ihnen.

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