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DFB-Team «perfekt» auf Kurs - Sorgen um Özil

Berlin (dpa) - 09.10.2010, 16:34 Uhr

Philipp Lahm, Mesut Özil, Lukas Podolski und Sami Khedira (v.l.) beim Torjubel.
Philipp Lahm, Mesut Özil, Lukas Podolski und Sami Khedira (v.l.) beim Torjubel.

Der neue Masterplan von Joachim Löw greift in beeindruckender Weise - auch der lädierte Knöchel von Mesut Özil soll die Zugabe in Kasachstan nicht verhindern. «Es ist ein perfekter Start in die EM- Qualifikation», bilanzierte Kapitän Philipp Lahm.

Weder WM-Nachwehen noch ein fehlender Chef Schweinsteiger oder türkischer Fanatismus konnten bisher den neuen Anlauf der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf einen Titel stören. Nach drei Siegen in drei Partien ziert die optimalen Ausbeute von neun Zählern das Punktekonto.

Wie gefestigt das junge DFB-Team inzwischen ist, zeigte sich beim verdienten 3:0-Sieg gegen die Türkei exemplarisch an Jungstar Özil, der am 15. Oktober 22 Jahre alt wird. Unfaire Pfiffe und Buhrufe der Halbmond-Fans in der deutschen Hauptstadt stellten den Enkel türkischer Einwanderer brutal in die Ecke eines angeklagten Überläufers. Özil antwortete erst auf dem Platz - mit Ruhe und einem Super-Tor zum 2:0.

Mit einem Tag Verzögerung beschrieb er seine Gefühle. «Ich habe das ausgeblendet und mich allein auf mein Spiel konzentriert. Ich wollte meine Leistung bringen und das ist mir gelungen. Das Team und unsere deutschen Fans haben mich toll unterstützt. Das freut mich riesig», sagte Özil in einem DFB-Interview. Der Bundestrainer zollte Respekt. «Mesut hat sich davon nicht beeindrucken lassen. Das hat er auch gezeigt», sagte Joachim Löw und ergänzte: «Dass Mesut dann das Tor gemacht hat, das freut mich. Es war toll gemacht.»

Ob Özil auch im letzten Pflichtspiel des Jahres die Fäden ziehen kann, ist unklar. Eine gegen die Türken zugezogene Prellung des linken Knöchels zwingt den Profi von Real Madrid das ganze Wochenende zu einer Trainingspause. Dennoch werde der Ex-Bremer nach derzeitigem Stand mit nach Astana reisen, teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit. Dort soll Özil beim Abschlusstraining einem Härtetest unterzogen werden. «Ich habe immer noch Schmerzen. Ich hoffe, dass ich rechtzeitig fit werde und will unbedingt spielen», sagte er.


Löws Kurswechsel nach der EURO 2008 hin zu noch jüngeren Protagonisten und noch mehr Automatismen geht auch nach der erfolgreichen, aber im Halbfinale gestoppten WM-Safari in Südafrika weiter auf. «Wenn man 3:0 gewinnt gegen den vermeintlich stärksten Gegner der Gruppe, dann ist das etwas Besonderes», bemerkte nicht ohne Stolz Lukas Podolski. Zumal die Umstände vor 74 244 Fans im Olympiastadion die 90 Minuten zu einem echten Härte- und Charaktertest gemacht hatten. «Es war schon eine besondere Situation, die türkischen Fans waren in der Mehrheit», sagte Löw.

Zwei Treffer steuerte erneut Phänomen Miroslav Klose bei, der mit nun 57 Länderspiel-Toren immer näher an die Rekordmarke von «Bomber» Gerd Müller (68) heranrückt. An «Kaiser» Beckenbauer, der 103 Mal für Deutschland gekickt hatte, ist Klose mit seinem 104. Einsatz schon vorbeigezogen. «Ich habe zwar nun Franz Beckenbauer überholt, was die Zahl der Länderspiele angeht, aber wenn man sich die Namen Klose und Beckenbauer ansieht, da ist da schon noch ein Unterschied», sagte der Angreifer nach seinem zwölften Tor-Doppelpack im DFB-Trikot.

Der Bundestrainer zeigte sich «absolut zufrieden» mit der Leistung seiner «Boy Group», die nun im fernen Kasachstan ein schon beruhigendes Punktepolster für die Winterpause und die Qualifikationsspiele 2011 schaffen kann. «Wir haben das Spiel insgesamt dominiert und verdient gewonnen», analysierte Löw das «halbe Auswärtsspiel». Für den Samstagabend gab der Bundestrainer seinen Spielern nach einem Regenerationstraining erst einmal frei.

Noch in der Kabine des Olympiastadions hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff persönlich ihre Glückwünsche überbracht. Merkel hielt nach dem Erfolg im Spitzenspiel der Gruppe A sogar eine Rede. Ersatz-Torwart Tim Wiese bedankte sich im Namen der Mannschaft. Auch die verletzten Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Arne Friedrich waren mit in der Team-Kabine.

Beeindruckend war, wie Toni Kroos die Rolle des verletzten Scheinsteigers in der Mittelfeldzentrale ausfüllte. «Ich bin nicht der Schweinsteiger. Ich versuche die Position auf meine Art zu interpretieren. Ich denke auch, dass das gut geklappt hat», meinte Kroos. «Jeder weiß, was auf dem Platz zu tun ist», bemerkte Kapitän Lahm - genau das macht das Team derzeit so stark.

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