Löws Kurswechsel nach der EURO 2008 hin zu noch jüngeren Protagonisten und noch mehr Automatismen geht auch nach der erfolgreichen, aber im Halbfinale gestoppten WM-Safari in Südafrika weiter auf. «Wenn man 3:0 gewinnt gegen den vermeintlich stärksten Gegner der Gruppe, dann ist das etwas Besonderes», bemerkte nicht ohne Stolz Lukas Podolski. Zumal die Umstände vor 74 244 Fans im Olympiastadion die 90 Minuten zu einem echten Härte- und Charaktertest gemacht hatten. «Es war schon eine besondere Situation, die türkischen Fans waren in der Mehrheit», sagte Löw. Zwei Treffer steuerte erneut Phänomen Miroslav Klose bei, der mit nun 57 Länderspiel-Toren immer näher an die Rekordmarke von «Bomber» Gerd Müller (68) heranrückt. An «Kaiser» Beckenbauer, der 103 Mal für Deutschland gekickt hatte, ist Klose mit seinem 104. Einsatz schon vorbeigezogen. «Ich habe zwar nun Franz Beckenbauer überholt, was die Zahl der Länderspiele angeht, aber wenn man sich die Namen Klose und Beckenbauer ansieht, da ist da schon noch ein Unterschied», sagte der Angreifer nach seinem zwölften Tor-Doppelpack im DFB-Trikot. Der Bundestrainer zeigte sich «absolut zufrieden» mit der Leistung seiner «Boy Group», die nun im fernen Kasachstan ein schon beruhigendes Punktepolster für die Winterpause und die Qualifikationsspiele 2011 schaffen kann. «Wir haben das Spiel insgesamt dominiert und verdient gewonnen», analysierte Löw das «halbe Auswärtsspiel». Für den Samstagabend gab der Bundestrainer seinen Spielern nach einem Regenerationstraining erst einmal frei. Noch in der Kabine des Olympiastadions hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff persönlich ihre Glückwünsche überbracht. Merkel hielt nach dem Erfolg im Spitzenspiel der Gruppe A sogar eine Rede. Ersatz-Torwart Tim Wiese bedankte sich im Namen der Mannschaft. Auch die verletzten Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Arne Friedrich waren mit in der Team-Kabine. Beeindruckend war, wie Toni Kroos die Rolle des verletzten Scheinsteigers in der Mittelfeldzentrale ausfüllte. «Ich bin nicht der Schweinsteiger. Ich versuche die Position auf meine Art zu interpretieren. Ich denke auch, dass das gut geklappt hat», meinte Kroos. «Jeder weiß, was auf dem Platz zu tun ist», bemerkte Kapitän Lahm - genau das macht das Team derzeit so stark.
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