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Hiddink stellt Türken auf Sieg ein - Sahin bangt

Berlin (dpa) - 07.10.2010, 20:26 Uhr

Guus Hiddink beobachtet beim Abschlusstraining seine Spieler.
Guus Hiddink beobachtet beim Abschlusstraining seine Spieler.

Die türkischen Fußballer haben ihren luxuriösen Palast am Schwielowsee bei Potsdam mit einem Großauftrag verlassen: Für das Projekt Gruppensieg das favorisierte DFB-Team ärgern und die 2,5 Millionen Landsleute in Deutschland stolz machen.

Die Marschrichtung für das Top-Duell in Berlin verkündete Coach Guus Hiddinik: «Die Mannschaft wird auf den Platz gehen, um zu gewinnen.» Große Hoffnungen der Fans ruhen auf dem zuletzt konsequent verschmähten Nuri Sahin - der Shootingstar des Bundesliga-Zweiten Borussia Dortmund wird von Hiddink aber weiter auf die Folter gespannt: «Er ist im Kader, wir werden sehen.»

Die Vorbereitung auf das Favoritenduell in der EM-Qualifikations- Gruppe A verlief für Hiddink alles andere als reibungslos. Dribbler und Torjäger Arda Turan fällt verletzt aus, zudem musste Bayern-Profi Hamit Altintop lange um einen Einsatz im Olympiastadion bangen. «Er absolviert einen letzten Test, aber es sieht gut aus», meinte Hiddink beruhigt.

Die heimischen Zeitungen haben indes Sahin klar als Heilsbringer auserkoren. Beim BVB spielt der 22-Jährige eine überragende Saison, das Trikot mit dem Halbmond auf der Brust wurde ihm von Hiddink zuletzt aber verwehrt. Ihm gefallen junge, engagierte Spieler, meinte der Coach, «und wenn sie die Leistung bringen, haben sie eine Chance, dabei zu sein». Damit muss Sahin wohl bis zum Spiel leben.

In der Bewerbung Sahins, der sich im Gegensatz zu seinem Pendant Mesut Özil zum Leidwesen des DFB für eine Karriere in der Türkei entschieden hatte, steht schon ein Duell mit Deutschland: Vor genau fünf Jahren feierte er als jüngster türkischer Nationalspieler sein Länderspieldebüt und schoss die Türkei in Istanbul als Joker kurz vor Schluss zum 2:1-Sieg. «Es wäre eine Riesensache, im Olympiastadion von Beginn an dabei zu sein» erklärte Sahin.


Hamit Altintop schrieb vor dem emotionalen Prestigeduell schon neckische SMS an seine Münchner Kollegen Philipp Lahm, Holger Badstuber, Thomas Müller, Toni Kroos und Miroslav Klose. Sollten die Adduktoren beim Türken wider Erwarten doch zu sehr zwicken, wird Hiddink aber auch nicht bange. Er habe Vertrauen in alle seine Spieler, «wer auch immer spielt», meinte der Niederländer, der nach dem WM-Quali-Aus als Trainer Russlands vor einem Jahr ausgerechnet mit Deutschland noch eine Rechnung offen hat.

Halil Altintop muss dagegen schon auf eine große Formationsrochade hoffen, um am Freitag die Nationalhymne auf dem Spielfeld zu hören. Hinter Tuncay Sanli, Nihat Kahveci und Semih Sentürk ist der Frankfurter wohl nur vierte Wahl. Dennoch freut sich der gebürtige Gelsenkirchener auf die Partie: «Das wird ein Spiel, das von Freundschaft geprägt ist - und das wir gewinnen werden.»

Für das Sportblatt «Fotomatch» ist dagegen die «Zeit für den Angriff» gekommen. Die stimmgewaltigen türkischen Fans sorgten schon im Vorfeld der Partie für das passende Umfeld. Vor der Nobelherberge ihrer Lieblinge in der Nähe des Brandenburger Tors im Herzen Berlins warteten Dutzende auf ein Zeichen der Stars. Mit der Beschaulichkeit am Schwielowsee war es auf jeden Fall vorbei.

Offiziell 11 000 türkische Fans - Schätzungen zufolge aber wohl mehr als 30 000 fanatische Anhänger - versprechen der Hiddink-Elf Heimspiel-Atmosphäre. Und dieser ist nicht abgeneigt: «Das wird eine sehr gute Kulisse, und wir erwarten die Hilfe von der Hälfte des Publikums. Das wäre sehr gut für die Mannschaft.»

Ein «Auswärtsspiel» im eigenen Land haben die Türken dem DFB-Team schon 1999 beschert, als Dreiviertel der Ränge im Olympiastadion in München beim torlosen Remis rot leuchteten. Weniger erfreulich ging dagegen das bis dato letzte Länderspiel in Berlin 1983 zwischen den beiden Nationen über die Bühne: Von befürchteten rassistischen Anschlägen abgeschreckt, verirrten sich beim 5:1 der Deutschen nur rund 40 000 Fans ins Olympiastadion.

Video Deutschland - Türkei (Hiddink und Altintop im Interview):

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