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Türkei-Coach Hiddink grübelt: Großauftrag Berlin

Berlin (dpa) - 07.10.2010, 15:36 Uhr

Türkei-Coach Guus Hiddink beantwortet die Fragen der Reporter.
Türkei-Coach Guus Hiddink beantwortet die Fragen der Reporter.

Mit einem Großauftrag haben die Türken ihren luxuriösen Palast am Schwielowsee verlassen: Für das Projekt Gruppensieg das favorisierte DFB-Team ärgern und die 2,5 Millionen Landsleute in Deutschland stolz machen.

Ausgerechnet der konsequent verschmähte Nuri Sahin wird plötzlich zur großen Hoffnung am Bosporus. Dabei verlief für Türkei-Coach Guus Hiddink die Vorbereitung auf die Partie gegen den WM-Dritten am 8. Oktober im ausverkauften Berliner Olympiastadion alles andere als reibungslos. Den niederländischen Fußball-Lehrer plagen vor dem «Duell der Gruppenfavoriten» in der Staffel A Personalsorgen.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Spielmacher Arda Turan dürfen vor allem Sahin und Hamit Altintop mit einem Einsatz von Beginn an rechnen. Die heimischen Zeitungen haben Nuri Sahin als Heilsbringer auserkoren. Beim BVB spielt der 22-Jährige eine überragende Saison, das Trikot mit dem Halbmond auf der Brust wurde ihm von Hiddink zuletzt aber verwehrt.

In der Bewerbung Sahins, der sich im Gegensatz zu seinem Pendant Mesut Özil zum Leidwesen des DFB für eine Karriere in der Türkei entschieden hatte, steht übrigens schon ein Duell mit Deutschland: Vor genau fünf Jahren feierte er als jüngster türkischer Nationalspieler sein Länderspieldebüt und schoss die Türkei in Istanbul als Joker kurz vor Schluss zum 2:1-Sieg. «Es wäre eine Riesensache, im Olympiastadion von Beginn an dabei zu sein» erklärte Sahin.

Bayern-Profi Hamit Altintop tauschte vor dem emotionalen Prestigeduell neckische SMS mit seinen Münchner Kollegen Philipp Lahm, Holger Badstuber, Thomas Müller, Toni Kroos und Miroslav Klose aus. Wenn seine Adduktoren nicht mehr zwicken, sollte er dabei sein. «Ich muss sehen, inwieweit er fit ist», sagte Hiddink, der nach dem WM-Quali-Aus als Trainer Russlands ausgerechnet mit Deutschland noch eine Rechnung offen hat.


Halil Altintop muss dagegen schon auf eine große Formationsrochade hoffen, um die Nationalhymne auf dem Spielfeld zu hören. Hinter Tuncay Sanli, Nihat Kahveci und Semih Sentürk ist der Frankfurter nur vierte Wahl. Überzeugt scheint Erfolgscoach Hiddink, der mit der Türkei zu seinem sechsten großen Turnier will, von keinem der vier: «Ein echter Knipser fehlt.»

Für das Sportblatt «Fotomatch» ist trotzdem die «Zeit für den Angriff» gekommen. Die stimmgewaltigen türkischen Fans sorgten schon im Vorfeld der Partie für das passende Umfeld. Vor der Nobelherberge ihrer Lieblinge in der Nähe des Brandenburger Tors im Herzen Berlins warteten Dutzende auf ein Zeichen der Stars. Mit der Beschaulichkeit war es auf jeden Fall vorbei.

Offiziell 11 000 türkische Fans, Schätzungen zufolge aber wohl mehr als 30 000 fanatische Anhänger, versprechen der Hiddink-Elf Heimspiel-Atmosphäre. Ein «Auswärtsspiel» im eigenen Land haben die Türken dem DFB-Team schon 1999 beschert, als Dreiviertel der Ränge im Olympiastadion in München beim torlosen Remis rot leuchteten. Weniger erfreulich ging dagegen das bis dato letzte Länderspiel 1983 zwischen den beiden Nationen in Berlin über die Bühne: Von befürchteten rassistischen Anschlägen abgeschreckt, verirrten sich beim 5:1 der Deutschen nur rund 40 000 Fans ins Olympiastadion.

Video Deutschland - Türkei (Hiddink und Altintop im Interview):

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