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Löw: WM-Nachwehen kein Problem - Bayern «kommen»

Berlin (dpa) - 04.10.2010, 15:15 Uhr

Um den Leistungsstand der bayerischen Nationalspieler macht sich Bundestrainer Löw (l) keine Sorgen.
Um den Leistungsstand der bayerischen Nationalspieler macht sich Bundestrainer Löw (l) keine Sorgen.

Die Bayern-Spieler hängen schwer in den Seilen, andere WM-Fahrer ringen weiter um ihre Form - trotzdem sieht Joachim Löw die nächste Mission seines jungen Teams nicht in Gefahr.

«Das besorgt mich jetzt nicht, weil ich es irgendwie erwartet habe», sagte der Bundestrainer zu den großen Problemen der Münchner Spieler in der Fußball-Bundesliga. Immerhin auf sieben Akteure des maladen Meisters FC Bayern setzt Löw in den EM-Qualifikationspartien der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Türkei und in Kasachstan.

«Die Spieler haben bei der WM Unglaubliches geleistet», erinnerte der DFB-Chefcoach, der am 5. Oktober für Platz drei und die erfrischenden Vorstellungen seiner Boygroup in Südafrika im Berliner Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommt. Zudem wird Bundespräsident Christian Wulff das erfolgreiche WM-Team mit dem «Silbernen Lorbeerblatt» ehren.

Die Kehrseite der lange nachwirkenden Weltmeisterschaft bekommen vor allem die Spieler zu spüren. Drei Monate nach dem mit 3:2 gewonnenen «kleinen WM-Finale» gegen Uruguay leiden nicht nur die Bayern-Profis noch unter den Nachwehen, wie Löw einräumte: «Da sind viele Kräfte verloren gegangen.»

Alle WM-Akteure seien «schon willens, Leistungen zu zeigen. Aber mit einer Konstanz ist dies nach so einem kräfteraubenden Turnier nicht immer möglich», sagte der Bundestrainer mit Hinweis auf den kurzen Urlaub und vor allem die kurze Vorbereitungsphase vor der Saison. Im Sportmagazin «Kicker» ergänzte Löw: «Bei den Bayern fehlten drei Wochen vor Ligastart noch acht Spieler, da ist es normal, dass es erst mal nicht so läuft. Aber sie werden kommen.»


Dass Löw sein Personal zumindest für einen Doppelspieltag auf den Punkt geistig und körperlich fit bekommt, hatte er schon zum Start in die EM-Ausscheidung mit Siegen gegen Belgien (1:0) und Aserbaidschan (6:1) bewiesen. Nun soll am 8. Oktober in Berlin gegen besonders motivierte Türken, die in der Qualifikations-Gruppe A ebenfalls noch ohne Verlustpunkt sind, und vier Tage später in Astana gegen Kasachstan der nächste Schritt Richtung EM-Endrunde 2012 folgen.

Einen ersten Vorgeschmack auf die erwartete heiße Stimmung im mit 74 244 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion, wo bis zu 30 000 türkische Fans erwartet werden, gab es schon. Mehrere hundert türkische Fans empfingen das Team von Coach Guus Hiddink am Flughafen Tegel mit Sprechchören und Beifall.

«Es ist positiv, dass wir nach der anstrengenden Weltmeisterschaft so gut gestartet sind. Es muss unser Ziel sein, uns so schnell wie möglich für die EM zu qualifizieren», erklärte der Stuttgarter Cacau, der ab sofort als offizieller DFB-Integrationsbotschafter wirkt. «Am Anfang merkt man schon, dass einem die Vorbereitung und damit etwas Kraft fehlt», räumte Cacau ein. Die Probleme seines VfB als Bundesliga-Schlusslicht hätten auch mit den WM-Nachwehen zu tun - aber «es wird immer besser».

Die Spieler haben hundertprozentiges Vertrauen in Löw, dessen Assistenten und die medizinische Abteilung des DFB, wie der länger verletzte Jérome Boateng vor dem Treff der 21 Spieler im Berliner Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz verdeutlichte. «Ich bin noch nicht bei hundert Prozent. Aber ich werde mir die Fitness beim DFB wiederholen», sagte der 22-Jährige von Manchester City.

Boateng bewirbt sich um den einzig vakanten Posten in Löws Startelf in der Vierer-Abwehrkette - höchstwahrscheinlich auf links. Denn Kapitän Philipp Lahm soll anders als jüngst gegen Aserbaidschan wieder rechts spielen, wie Löw schon vor dem ersten Training am Dienstag um 10.00 Uhr verdeutlichte: «Wenn nicht alle Stricke reißen, wird er grundsätzlich auf rechts verteidigen, auch gegen die Türkei.» Für die Außenpositionen gelten nach dem Ausfall des Hamburgers Marcell Jansen noch dessen HSV-Kollege Heiko Westermann und der Wolfsburger Sascha Riether als Alternativen.

Die Ehrung beim Bundespräsidenten sieht Löw «stellvertretend für alle, die bei der WM mit am Erfolg gearbeitet haben». Und es sei auch eine Auszeichnung für die Grundwerte bei der Nationalmannschaft: Respekt, Ehrgeiz, Fairplay. «Es ist für mich als Trainer auch sehr wichtig, wie wir als Mannschaft im Ausland auftreten, wo jeder Spieler seine Pflicht hat, seine Nation und seine Landsleute positiv zu repräsentieren. Das ist uns auch gut gelungen», betonte Löw.

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