Umso mehr freute sich der Bundestrainer über die wiedergefundene Spiel- und Kombinationsfreude bei seinem aktuellen Personal: «Wir hatten viele gute Szenen und Chancen, haben sechs Tore erzielt.» Auch wenn der klare Erfolg über den 105. der Weltrangliste auf dem Weg zur EURO 2012 in Polen und der Ukraine sicher kein Maßstab war, darf sich Löw in seinem kompromisslosen Kurs bestätigt fühlen. «Unser Plan war sechs Punkte zu holen und das eine oder andere Tor zu schießen - mehr geht nicht», erklärte Top-Torjäger Klose. Mit seinem elften Nationalmannschafts-Doppelpack zog der 32-Jährige in der ewigen deutschen Torjägerliste mit dem DDR-Internationalen Joachim Streich auf Rang zwei gleich - nur noch 13 Treffer fehlen zur Bestmarke des «Bombers der Nation», Gerd Müller. Neben Klose (2) und Podolski zeichneten sich beim WM-Dritten noch Heiko Westermann und Badstuber als Torschützen aus. Dazu kam ein Eigentor der Gäste, die bei ihrem Ehrentreffer von einem Patzer des Schalker Torwarts Manuel Neuer profitierten. «Man hat der Mannschaft angemerkt, dass es ihr Spaß macht. Sie hat auch nach dem 3:0 nicht nachgelassen», sagte Löw. Von Beruhigung wollte im DFB-Lager noch niemand etwas wissen. «Wir stehen am Anfang dieser Qualifikation», erinnerte Löw. Und der von 43 751 Zuschauern gefeierte Podolski blickte schon auf den besonderen Charakter des Duells im Berliner Olympiastadion: «Wir wissen, die Türken haben gegen die Belgier gewonnen, sie sind gefährlich. Wir werden bestimmt kein Stadion haben nur mit deutschen Fans.» Der früh für den im Gesicht verletzten Per Mertesacker eingewechselte Innenverteidiger Westermann warnte: «Man muss in der Gruppe höllisch aufpassen. Wir dürfen gegen die Türken nichts anbrennen lassen.» Große Aussagekraft für den Gruppengipfel hatte der sechsthöchste deutsche Sieg in der EM-Qualifikation nicht, dafür war das Team des ehemaligen Bundestrainers Vogts einfach zu schwach und altmodisch. «Das letzte Spiel, bei dem Manndeckung gespielt wurde, war in der Jugend», erklärte Sami Khedira verwundert. «Die haben ein paar Wadenbeißer auf uns angesetzt», bemerkte WM-Torschützenkönig Thomas Müller belustigt zur «Terrier-Taktik» von Aserbaidschan. Westermann staunte: «Das war wie ein Handballspiel.» Dass Abwehrchef Mertesacker mit Bruch des Augenhöhlenbodens für den Bundesliga-Hit seiner Bremer beim FC Bayern München ausfällt, war die einzige negative Nachricht des Spiels.
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