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Begehrter Schweinsteiger: Chef ohne Binde

Köln (dpa) - 07.09.2010, 12:12 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw (l) vertraut Bastian Schweinsteiger.
Bundestrainer Joachim Löw (l) vertraut Bastian Schweinsteiger.

Kapitän Michael Ballack muss warten, Philipp Lahm trägt weiter die Binde - der Chef auf dem Platz aber heißt Bastian Scheinsteiger. Der 26-Jährige hat sich im Schatten der heiß diskutierten K-Frage als die Führungskraft Nummer 1 in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft etabliert.

Auch ohne Binde ist der Münchner der «emotionale Leader», wie es Bundestrainer Joachim Löw schon vor der furiosen WM in Südafrika ausgedrückt hat. Für ihn selbst ist die Kapitänsbinde kein Thema, er will sportlichen Ruhm und Titel gewinnen. «Ich spiele nicht besser, wenn ich was am Arm habe», sagte Schweinsteiger: «Entscheidend ist, ob man die Spiele gewinnt oder verliert.»

Die Auszeichnungen nach der Weltmeisterschaft holten andere ab wie Jungstar und Torschützenkönig Thomas Müller. Den Rhythmus und das Spiel der deutschen Elf aber bestimmte vor allem Schweinsteiger. «Die Mischung passt sehr gut. Und auch die Philosophie, die der Trainer hat, passt zu den Spielern», bemerkte der Münchner nach über 80 Länderspielen zur derzeitigen Situation der Nationalmannschaft.

Schweinsteiger ist nicht erst nach dem verletzungsbedingten WM-Ausfall von «Capitano» Ballack noch mehr in eine Führungsrolle gerückt - im DFB-Team und beim FC Bayern. Vor allem die Versetzung in die Mittelfeldzentrale durch Trainer Louis van Gaal in München gab Schweinsteiger einen enormen Schub. Löw zog schließlich nach.

Die Begehrlichkeiten bei den ganz großen Clubs in Europa sind längst geweckt. Jüngst soll auch José Mourinho, der allmächtige neue Trainer von Real Madrid, bei Schweinsteiger direkt sein Interesse angemeldet haben. Schon eine beiläufige Bemerkung von Mourinho («Nächstes Jahr gehörst Du mir») am Rande eines Spiels reichte für große Schlagzeilen vor dem Aserbaidschan-Spiel. Dabei ist die Transferperiode gerade abgelaufen, das vermeintliche Thema aktuell gerade eine Randnotiz. Bis 2012 hat Schweinsteiger einen Vertrag beim FC Bayern - und mit dem deutschen Rekordmeister noch viel vor.


Das Eigengewächs ordnet seine Bayern, für die er seit zwölf Jahren kickt, momentan höher ein als Real. «Ich spiele bei einem der besten Vereine in Europa, der in der vergangenen Saison besser war als Real Madrid», erklärte der in Kolbermoor im Alpenvorland geborene Schweinsteiger. Nicht die «Königlichen», sondern die Münchner hatten zuletzt im Champions-League-Finale gestanden. Dass er «irgendwann» im Ausland Erfahrung sammeln wolle, ändert nichts an seinem Bekenntnis: «Ich fühle mich bei den Bayern sehr wohl.»

Für den gereiften Schweinsteiger zählt im Profi-Geschäft vor allem der Erfolg. Die Zeiten, als er als 18-Jähriger 15 000 Euro Strafe nach einer Disco-Nacht zwei Tage vor einem Bundesliga-Spiel zahlen musste, sind längst vorbei. Dem Gewinnen ordnet er alles unter. Auch deshalb hatte Schweinsteiger nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Spanien betont, dass Deutschland den Ausnahme-Fußballer Ballack in Topform weiterhin brauche. «Michael war jetzt lange verletzt. Wir wissen alle, dass er große Erfahrung und Qualität hat. Ich gehe davon aus, dass er in guter Verfassung zurückkommt», sagte Schweinsteiger.

Bundestrainer Löw zählt den Mittelfeld-Lenker zu seinen wichtigsten Ansprechpartnern. Auch vor dem Spiel gegen Aserbaidschan nahm der Bundestrainer Schweinsteiger beim Abschlusstraining wie auch häufig bei der WM zu einem Vier-Augen-Gespräch zur Seite. Und der Profi zahlt das Vertrauen zurück. Beim 1:0 in Belgien war er es, der mit einem energischen Einsatz gegen seinen Bayern-Kollegen Daniel van Buyten das Siegtor einleitete. Schweinsteiger geht voran - auch ohne Spielführer-Binde.

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