Vogts stapelt tief: «Keine Überraschung möglich»
Köln (dpa) - 06.09.2010, 15:31 Uhr
Berti Vogts glaubt nicht an Wunder gegen die deutsche Nationalmannschaft.
Berti Vogts war in Plauderlaune. Die Rückkehr in das heimische Rampenlicht bereitete dem aserbaidschanischen Nationalcoach sichtliches Vergnügen. So locker wie vor dem EM-Qualifikationsspiel in Köln gegen Deutschland hat man den ehemaligen Bundestrainer selten erlebt. Lächelnd beantwortete er Fragen nach den Chancen seiner Mannschaft: «Man sagt, im Fußball ist alles möglich. Aber für uns ist keine Überraschung möglich.» Mit Verweis auf die Klasse des Gegners schloss er Wunder kategorisch aus: «Im Moment ist Deutschland die beste Mannschaft der Welt. Kein Team ist besser aufgestellt.» Die Gelassenheit kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat Vogts im Duell mit dem WM-Dritten wenig zu verlieren. Niemand in Aserbaidschan erwartet einen Sieg. Gut 14 Jahre nach dem Höhepunkt seiner Karriere als Fußball-Lehrer, dem EM-Triumph mit der DFB-Elf in England, sieht er sich mehr als Entwicklungshelfer denn als Trainer. Stolz verweist er auf die Fortschritte, die der krasse Außenseiter seit seinem Amtsantritt im April 2008 gemacht hat: «Damals waren wir in der Weltrangliste 147., nun sind wir 105.»
So perfekte Bedingungen wie beim DFB oder als Vereinstrainer in Leverkusen hat Vogts bei seinen weiteren Stationen nirgends vorgefunden. Weder in Kuwait, noch in Schottland, noch in Nigeria. Doch der Job in Aserbaidschan kommt einer Herkulesaufgabe gleich. Dort fristet der Fußball hinter den populäreren Sportarten Schach und Ringen ein Schattendasein. «In vier, fünf Jahren können wir Anschluss an das europäische Mittelmaß finden - mehr nicht», sagte Vogts. Erst nach konsequenter Intervention setzte der Coach in seiner Wahlheimat durch, dass mindestens drei Aserbaidschaner in jeder Mannschaft stehen müssen und das Fußball als Schulsport angeboten wird. Mannschaftskapitän Raschad Sadigow war voll des Lobes: «Was Vogts geleistet hat, ist enorm. Es gibt uns Spielern Selbstvertrauen, an der Seite eines solch erfahrenen Trainers arbeiten zu dürfen.» |