Belgien auch als Fußballnation auf Identitätssuche
Brüssel (dpa) - 02.09.2010, 13:59 Uhr
Das Talent Romelu Lukaku ist beim RSC Anderlecht unter Vertrag.
Wenn Belgien eines fehlt, dann ist es so etwas wie nationaler Zusammenhalt. Regierungschef Yves Leterme fasste das ganze Übel einmal zusammen, als er sagte, die Belgier hätten im Prinzip nur drei Dinge gemeinsam: den König, einige Biersorten und die Fußball-Nationalelf. Seit Jahrzehnten scheint das Land wie gelähmt angesichts des politischen Dauerzwists zwischen zerstrittenen Flamen und Wallonen - und irgendwie färbt das selbst auf die Nationalelf ab. Als Identitätsstifter könnten die Fußballer auftreten, stattdessen aber scheinen auch sie sich von der Krise anstecken zu lassen. Die angestrebte Qualifikation zur EM in Polen und der Ukraine mit dem Auftaktspiel gegen Deutschland ist der x-te Neuanlauf. Zumindest etwas Positives gibt es: Im Duell mit dem WM-Dritten hat Belgien nichts zu verlieren. «Ich verspreche nicht den Sieg, geschweige denn guten Fußball. Aber ich versichere Ihnen, dass meine Roten Teufel von der ersten bis zur letzten Sekunde kämpfen werden», sagt Nationaltrainer Georges Leekens, der bereits zum zweiten Mal im Amt ist und nun mit argen Verletzungsproblemen zu kämpfen hat: Sechs angeschlagene Spieler drohen auszufallen.
Seit acht Jahren schon haben Belgiens Fußballer nichts mehr erreicht, die letzte Teilnahme an einem großen Turnier gelang bei der WM 2002. Mit jedem Monat, der seither verging, rückten die «Roten Teufel» ein Stückchen weiter weg von der großen Bühne. Inzwischen liegt Leekens Team in der Weltrangliste hinter Staaten wie Gabun und Burkina Faso auf Platz 48, irgendwo im Niemandsland. «Was können wir tun, damit es wieder aufwärtsgeht, damit wir wieder dahin kommen, wo wir einmal waren? Was machen wir falsch? Solche Fragen müssen wir stellen», sagte der frühere Schalker Marc Wilmots dem Internetportal «fussball.de». Dabei ist es beileibe nicht so, dass der holländische Nachbar über keine guten Fußballer verfügen würde. Daniel van Buyten stand mit Bayern München jüngst im Finale der Champions League; die Youngster Marouane Fellaini (22) und Thomas Vermaelen (24) wechselten in den vergangenen Jahren für jeweils zweistellige Millionensumme in die englische Premier League. |