Für eine Rückkehr muss er erst wieder «Topform» im Verein nachweisen - abgeschrieben aber sei der Star nicht. «Ich hoffe und glaube, dass Michael wieder in die Verfassung kommt, in der wir ihn alle kennen. Und dann kann er die Mannschaft wieder verstärken», sagte Löw. Ob Ballack schon im Oktober in den Punktspielen gegen die Türkei und Kasachstan wieder berufen wird, ließ Löw offen. Auf die spekulative Frage, ob «Capitano» Ballack sogar die Bank drohen könnte, antwortete Löw: «Diese Frage stellt sich im Moment nicht.» Von Gewinnern und Verlierern in der seiner Meinung nach «sehr emotional diskutierten Kapitäns-Frage» mochte Löw nichts wissen. «Es geht nicht um Machtspielchen, Machtansprüche, Machtdemonstrationen oder Demontagen.» Auch Lahm sei «auf keinen Fall» geschwächt, weil er nicht wie erhofft zum Ballack-Nachfolger ernannt wurde. «Philipp hat die Entscheidung absolut akzeptiert», sagte der Chefcoach. «Philipp hat das absolut gut gemacht bei der WM. Und wir wollen mündige Spieler, die ihre Meinung sagen», ergänzte der Bundestrainer. Zwei Tage vor dem Start «in eine neue Periode» legte Löw zudem fest, dass der 24-jährige Schalker Neuer die Nummer 1 im Tor bleibt. «Manuel hat ein hervorragendes WM-Turnier gespielt», begründete Löw. Zur «gemeinsamen Nummer 2» ernannte er den Bremer Tim Wiese und den Leverkusener Rückkehrer René Adler. Ballacks brisante Situation ist in der DFB-Auswahl nicht neu. Sie zeigt vielmehr Parallelen zu früheren Kapitänen wie Oliver Bierhoff und Oliver Kahn. Der heutige DFB-Teammanager Bierhoff wurde nach der Europameisterschaft 2000 schleichend als Kapitän abgelöst, schaffte es aber immerhin noch in den WM-Kader 2002. Kahn wurde vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann 2004 sofort als Kapitän abgesetzt - und verlor danach auch noch das Torhüter-Duell mit Jens Lehmann. Für Ballack sei es «alles andere als einfach», bemerkte nun Kahn. Ballacks erklärtes Ziel, die stark verjüngte DFB-Auswahl 2012 bei der EM in Polen und der Ukraine mit dann 35 Jahren als Kapitän anzuführen, steht nach dem schmerzhaften WM-Ausfall in den Sternen. Erst einmal muss Deutschland das EM-Ticket lösen. «Die Qualifikation ist ein Marathon», bemerkte Löw. «Ich zähle Belgien mit den Türken und Österreich zu unseren Mitstreitern auf dem Weg zum Gruppensieg.» Die Gruppe komplettieren die Außenseiter Kasachstan und Aserbaidschan. Mit dem «Maximalziel sechs Punkte» geht Löw in die beiden Auftaktspiele. Beim Training waren alle 21 Spieler inklusive des angeschlagenen Stürmers Stefan Kießling dabei. Nur in der Abwehr gibt es durch den Ausfall der verletzten Arne Friedrich und Jérome Boateng Sorgen. Vermutlich setzt Löw auf eine Hamburger Doppellösung mit Heiko Westermann und Marcell Jansen. Im Training testete der Bundestrainer aber auch mit Holger Badstuber in der Innenverteidigung. «Wir wissen, welche Gefahren auf uns lauern», sagte Löw zur Aufgabe vor mehr als 47 000 Zuschauern in Brüssel. Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Neuer - Lahm, Mertesacker, Westermann, Jansen - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Klose
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