Ballack schweigt, Bayer erleichtert nach Löw-Votum
Leverkusen (dpa) - 01.09.2010, 14:54 Uhr
Michael Ballack verlässt das Training in Leverkusen.
Kein Lächeln, keine Geste, kein Kommentar - auch nach der Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, ihn im Amt des Nationalmannschafts-Kapitäns zu belassen, blieb Michael Ballack verschlossen. Mit einem knappen «Nein» verließ er als erster Profi den Trainingsplatz in Leverkusen - vorbei an TV- Kameras und der fragenden Journalistenschar. Der zeitgleiche Rummel um seine Person bei der DFB-Pressekonferenz im rund 200 Kilometer entfernten Frankfurt ließ ihn scheinbar völlig kalt. Nur Mannschaftskollege Simon Rolfes sprach aus, was alle Leverkusener dachten: «Diese Diskussion war nicht förderlich. Es ist gut für ihn und für uns alle, dass die Entscheidung gefallen ist.» Nach dem Ballyhoo der vergangenen Tage sehnen alle Beteiligten ruhigere Zeiten herbei. Mit wachsendem Missmut hatten Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Trainer Jupp Heynckes zuletzt das Dauergerede über die Rolle von Ballack in der Nationalelf verfolgt. «Die vergangenen Wochen waren schwierig. Das Thema wurde viel zu hoch gehängt. Für mich war das mitunter Realsatire», kommentierte Holzhäuser.
Wie der Geschäftsführer hofft auch Heynckes auf eine Rückkehr zur Normalität. Wie sehr ihn das Dauerthema Ballack zu nerven begann, hatte der Fußball-Lehrer bereits in Anschluss an die bittere 3:6-Schlappe gegen Mönchengladbach zum Ausdruck gebracht: «Ich höre hier in Leverkusen immer nur Ballack - als ob es keine anderen Spieler bei uns gäbe.» Nur über gute Leistungen in Leverkusen kann Ballack seinen Status als Leitwolf der Nationalmannschaft zurückgewinnen. Nach der Entscheidung von Löw, auf ihn bei den EM-Qualifikationsspielen in Belgien und gegen Aserbaidschan zu verzichten, bleibt dem von einem Riss des Syndesmosebands genesenen Profi mehr Zeit zur Regeneration. Dies wollen Ballack und Heynckes nutzen. Nicht zuletzt deshalb verständigte sich Bayer-Coach Heynckes mit dem Ligakonkurrenten Schalke 04 auf ein Testspiel, in dem Ballack Spielpraxis sammeln soll. Zweifel, dass der bald 34 Jahre alte Neuzugang nicht zum erhofften Leistungsträger wird, hegt in Leverkusen niemand. Auch nicht nach dem deprimierenden 3:6 gegen Mönchengladbach, bei dem der schwache Ballack in der 63. Minute ausgewechselt wurde. Sportdirektor Rudi Völler nahm ihn kurz nach dem Schlusspfiff demonstrativ in Schutz: «Alle sind bei uns untergegangen, eben auch Michael. Das sah so aus, als ob nicht nur er, sondern auch einige andere nach dreimonatiger Verletzungspause zurückgekommen wären.»
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