Ballack schmort: Entscheidung in K-Frage offen
Berlin (dpa) - 27.08.2010, 21:55 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw redet von einem guten Gespräch mit Michael Ballack (l).
Joachim Löw schiebt den «Capitano» weiter auf das Wartebänkchen und öffnet neuen Raum für Spekulationen. Michael Ballack sei zwar «auf einem guten Weg». Aber erst bei einer «optimalen Form» werde der 33-Jährige in die Nationalmannschaft zurückkehren, verkündete der Bundestrainer. Für den Start in die EM-Qualifikation in Belgien und vier Tage später in Köln gegen Aserbaidschan verzichtet Löw auf den Neu-Leverkusener und schwieg in seinem offiziellen Statement auf der Verbands-Homepage über die heiß diskutierte Kapitäns-Frage. Immerhin der Zeitpunkt der mit Spannung erwarteten Entscheidung steht aber nun fest. In der kommenden Woche will Löw vor Beginn der EURO-Ausscheidung sein Machtwort sprechen: Wieder Ballack, der gar nicht dabei ist, oder doch weiter Philipp Lahm? «Ich möchte mit den Spielern reden. Ich werde das nächste Woche der Öffentlichkeit mitteilen. Ich werde mich vor dem Spiel gegen Belgien äußern und einige Themen in der Öffentlichkeit bekanntgeben», sagte Löw in einem Interview des TV-Senders «Sky». Die Kapitänsfrage sei «völlig überzogen» diskutiert worden, sagte Löw. Nach einem Telefonat zwischen Löw und Ballack habe zunächst Einigkeit bestanden, dass der 98-fache Nationalspieler nicht dem Aufgebot angehört. «Es war ein gutes und vertrauensvolles Gespräch», berichtete der Bundestrainer, ohne Details zu verraten. Das kann durchaus in völlig unterschiedliche Richtungen interpretiert werden: Es könnte zum schleichenden Beginn von Ballacks Ende im Nationalteam werden. Oder Löw hat dem bald 34-Jährigen für die nächsten Länderspiele im Oktober gegen die Türkei und in Kasachstan fest die Rückkehr oder sogar die Kapitänsbinde zugesagt.
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Auf jeden Fall ist es ein weiteres Zeichen dafür, dass es Ballacks Sonderstellung im DFB-Team nicht mehr gibt. Vor der WM hätte eine Nichtnominierung des spielfähigen Kapitäns nie zur Debatte gestanden. Doch auch die Südafrika-Helden bekommen von Löw keinen Freifahrtschein: «Wie schon nach der EURO 2008 sehe ich im Leistungsprinzip einen wichtigen Faktor, damit eine weitere Steigerung unserer Mannschaft möglich ist», sagte der Chefcoach, der nach dritten Plätzen bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 und dem zweiten Rang bei der EM 2008 in zwei Jahren den Titel anpeilt. Zunächst wollte sich der Bundestrainer aber nur mit der aktuellen Situation vor dem unbequemen EM-Auftakt in Belgien beschäftigen. «Michael ist drei Monate nach seiner schweren Verletzung auf einem guten Weg und alle sind mit dem Genesungsprozess zufrieden. Wichtig wird nun sein, dass er in den nächsten Wochen in Leverkusen zu seiner optimalen Form zurückfindet», betonte Löw, der 17 WM-Fahrer in den 21-köpfigen Kader für die beiden ersten Saison-Pflichtspiele berief. |
«Es ist eine sehr vernünftige Entscheidung vom Bundestrainer und von Michael Ballack, dass Michael auf die beiden Begegnungen verzichtet», erklärte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Auch Jupp Heynckes hatte mit Löw telefoniert und respektiert dessen Entscheidung. «Und ich mache die Inhalte eines Telefonats nicht publik», sagte Leverkusens Trainer. «Es ist die Entscheidung des Bundestrainers, was er macht. Er mischt sich ja auch nicht in meine Sachen ein, also ich mich auch nicht in seine.» Bayer-Keeper René Adler, der als dritter Torhüter wieder den Münchner WM-Reservist Jörg Butt ablöst, und Heiko Westermann vom Hamburger SV kehren nach der wegen Verletzungen verpassten WM ins Nationalteam zurück. «Es war für uns eine Selbstverständlichkeit, dass René Adler zurückkehrt. Nach seiner Operation hat er in seinen bisherigen Einsätzen im Verein unter Beweis gestellt, dass er in guter Form ist», erklärte Löw, der trotz der überzeugenden WM- Auftritte des Schalkers Manuel Neuer überraschend auch die Frage um die Nummer 1 neu entscheiden will. «Wenn du als fester Bestandteil der Nationalmannschaft wegen einer Verletzung so lange gefehlt hast, ist es schön zurückzukehren», kommentierte Adler die neue Lage. Der Bundestrainer berief zudem in Christian Träsch (Stuttgart) und Sascha Riether (Wolfsburg) zwei Akteure, die beim ersten Spiel nach der WM im August in Dänemark (2:2) schon dabei waren. Stand dieses Match aus terminlichen Gründen noch unter besonderen Vorzeichen, so «starten wir nun mit unserem Team in eine neue Etappe. So schön die Lobeshymnen auf unsere WM-Auftritte waren - für alle beginnt der nächste Abschnitt mit interessanten Herausforderungen», betonte Löw. Wegen Verletzungen fehlen in Brüssel und Köln der Wolfsburger Arne Friedrich, der Neu-Engländer Jérome Boateng sowie die beiden Hamburger Piotr Trochowski und Dennis Aogo. Serdar Tasci vom VfB Stuttgart wurde wegen fehlender Spielpraxis nicht nominiert. Ebenfalls verletzt ist Thomas Hitzlsperger, der in Dänemark die DFB- Auswahl als Kapitän aufs Feld geführt hatte. Gegen Belgien und Aserbaidschan ist diese Rolle wieder für WM-Kapitän Lahm reserviert. DFB-Aufgebot für die EM-Qualifikationsspiele: Tor: René Adler (Bayer Leverkusen), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen) Abwehr: Holger Badstuber (FC Bayern München), Marcell Jansen (Hamburger SV), Philipp Lahm (FC Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Sascha Riether (VfL Wolfsburg), Heiko Westermann (Hamburger SV) Mittelfeld: Sami Khedira (Real Madrid), Toni Kroos (FC Bayern München), Marko Marin (Werder Bremen), Thomas Müller (FC Bayern München), Mesut Özil (Real Madrid), Lukas Podolski (1. FC Köln) , Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München), Christian Träsch (VfB Stuttgart) Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez (FC Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (FC Bayern München)
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