Löw will für seinen langfristigen Plan, der heimlich sogar schon bis zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien reicht, neue Spannung aufbauen. Der Chef stellte für die kommenden Wochen auch seine im «Parken»-Stadion noch geschonten WM-Stammkräfte wieder unter Beobachtung. Selbst die Frage um die Nummer 1 im Tor warf er überraschend neu auf. «Das werde ich vor dem Spiel gegen Belgien bekanntgeben, mit welchem Torhüter wir in die Qualifikation gehen, wer für uns die Nummer 1 sein wird», sagte Löw und dürfte damit vor allem WM-Keeper Manuel Neuer verwundert haben. Die ganz großen Erwartungen der vielen Rückkehrer und von Debütant Sascha Riether (Wolfsburg) bremste Löw zugleich. «Ich habe den Spielern gesagt, natürlich kann ich nicht jeden zu jedem Spiel einladen. Aber es ist ein langer Wettbewerb über eineinhalb Jahre.» Nicht nur für den nach einem Kreuzbandriss nun in Fahrt kommenden Helmes war das 2:2 ein persönlicher Beweis: «Viele Leute haben uns wenig zugetraut. Länderspiel ist Länderspiel, da wär' ich auch mit zehn Kreisliga-Spielern hingefahren.» Und auch in der Heimat lockte selbst die Not-Elf 7,74 Millionen Fernsehzuschauer vor den Bildschirm. Vor allem für Sorgenkind Gomez soll sein erstes Tor nach der persönlich verkorksten WM ein erster Schritt zu besseren Zeiten in München und bei der Nationalelf werden. «Auch bei so einem Spiel wird hingeschaut, wer Gas gibt und wer sich anbietet. Es war mein Ziel, ein gutes Spiel zu machen. Wenn ein Tor klappt, umso schöner», kommentierte der Bayern-Angreifer das Dänemark-Erlebnis. Aber auch der Leverkusener Helmes unterstrich vor knapp 20 000 Fans seine Ambitionen. «Ich habe gemerkt, dass er seine Verletzungspause hinter sich hat», sagte Löw. Angeschlagen flogen Jérome Boateng (Patellasehnen-Entzündung) und Ersatz-Kapitän Hitzlsperger (Muskel-Verletzung) schon früh aus Kopenhagen zu ihren Clubs zurück. Wer als regulärer Spielführer Deutschland in die Ausscheidung für das EM-Turnier in Polen und der Ukraine führen darf, wird nun für Löw die nächste heikle Entscheidung. Sowohl Alt-«Capitano» Michael Ballack, der in Südafrika verletzt gefehlt hatte, als auch WM-Kapitän Philipp Lahm haben sich in Stellung gebracht. Der Bundestrainer hat für die Tage vor dem ersten Qualifikationsspiel am 3. September in Brüssel seine Machtwort angekündigt. In der Mannschaft sei die Kapitäns-Debatte «nie diskutiert und besprochen» worden, versicherte Gomez. Eine Vorentscheidung etwa für den sieben Jahre jüngeren Lahm sei «auf gar keinen Fall» schon gefallen, unterstrich Manager Oliver Bierhoff. Und schließlich sagte der Bundestrainer zum Abschied in Kopenhagen noch in Richtung Ballack ins ZDF-Mikrofon: «Bevor ich nichts anderes sage, ist er der Kapitän.» Wie gesagt: Für Überraschungen ist Löw immer wieder gut.
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