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Konzept von Löw bis Brasilien - Lahm-Sonderrolle

Kopenhagen (dpa) - 11.08.2010, 12:56 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw (m) hat die Nationalspieler um sich geschart.
Bundestrainer Joachim Löw (m) hat die Nationalspieler um sich geschart.

Offiziell ist Joachim Löw für weitere zwei Jahre der Vordenker - doch planen will der Bundestrainer schon bis Brasilien 2014. Ein Satz vor dem Saisonstart verriet die bisher heimlichen Gedankenspiele des Bundestrainers.

In seinem neuen Titel- Konzept werde er prüfen, «in welche Richtung es die nächsten zwei Jahre gehen soll, die nächsten drei oder vier Jahre vielleicht», erklärte Löw noch vor dem ersten Länderspiel seiner neuen Amtszeit in Dänemark.

Die EURO 2012 wird also zur Zwischenstation auf jenem Weg, den die Spanier in diesem Sommer noch im Halbfinale gestoppt hatten: Den auf den Thron des Weltmeisters. «Die Motivation ist extrem hoch, diese Mannschaft weiterzuentwickeln», hat der 50-Jährige längst eingeräumt. Und schon jetzt ist sich der Vater der Vize-Europameisterschaft 2008 und des mit attraktivem Fußball errungenen dritten WM-Platzes 2010 sicher: «Diese Mannschaft wird erst 2014 auf ihrem Höhepunkt sein.»

In den neuen Wochen vor und während des Weltchampionats in Südafrika hat Löw praktisch als Nebenprodukt die Grundlagen für den weiteren Weg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gelegt. Die Vertragsverlängerung des Chefs folgte fast zwangsläufig. Anders als nach der Europameisterschaft vor zwei Jahren in der Schweiz und Österreich muss der Bundestrainer keine größeren Korrekturen an seinem Konzept vornehmen, sondern es nur verfeinern.

Die Basis steht - kommt aber bei Löw immer wieder auf den Prüfstand. Von den 23 WM-Fahrern hat nur der 36-jährige Münchner Torwart Jörg Butt keine Auswahl-Zukunft. Zu den restlichen 22 Akteuren gesellen sich jene acht Nationalmannschafts-Rückkehrer (Beck, Schäfer, Schulz, Gentner, Hitzlsperger, Hunt, Träsch, Helmes) und zwei Neulinge (Riether, Reus), die der Bundestrainer für den umstrittenen Dänemark-Test berufen hatte.


Aus der aktuellen U21-Auswahl gehören mindestens ein halbes Dutzend Talente um Kevin Großkreutz, Mats Hummels und Stefan Reinartz zum erweiterten Löw-Kreis. Trotz des problematischen Termins in Kopenhagen noch zwei Wochen vor Bundesliga-Start ist Löw deshalb sogar «froh über diese gesamte Konstellation». Denn für die nächsten 13, 14 Monate der EM-Qualifikation will der Chef einen breiteren Kader. «Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt.»

Die Jugend-Förderung bleibt auf jeden Fall ein entscheidender Baustein in Löws Konzept. «Junge Spieler sind höher belastbar», hatte er immer wieder gesagt. «Wenn junge Spieler über eine gute Qualität verfügen, dann spielt Erfahrung eine untergeordnete Rolle», lautete eine Haupterkenntnisse aus den beiden Turnieren als Bundestrainer.

Ein Sami Khedira hat innerhalb von neun Wochen den Sprung vom Ersatzspieler zum WM-Aufsteiger und nun sogar zu Real Madrid geschafft. Für Löw ist der Wechsel zu den Königlichen «absolut richtig». Er habe das Gefühl, dass der Ex-Stuttgarter «dort gut aufgehoben ist». Und auch Mesut Özil hat sich im Schnelldurchlauf für große Clubs interessant gemacht. Der 21-jährige Bremer wäre dazu «in der Lage», meinte Löw. Der Münchner Thomas Müller wurde in Südafrika vom Nobody zum WM-Torschützenkönig. Die Jugend geht bei Löw voran.

Genau das könnte auch die Kapitäns-Entscheidung beeinflussen, die Löw vor dem EM-Ausscheidungsstart am 3. September in Brüssel gegen Belgien treffen muss. Philipp Lahm (26 Jahre) hat bei der WM eine Sonderrolle übernommen, interpretierte die Kapitänsaufgabe am Kap anders als der verletzt fehlende Michael Ballack (33) zuvor. Löw gestattete dem Münchner Lahm sogar, seine langfristigen Ansprüche auf das Amt ausgerechnet vor dem Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien öffentlich zu machen. «Ich war über das Zitat und den Inhalt seiner Aussagen informiert», verriet Löw jetzt.

Der Bundestrainer weiß aber auch, dass vor einer möglichen neuen WM-Chance in Brasilien die Hürde EM steht. Und die ist schon in der Qualifikation mit den Gegnern Belgien, Türkei und Österreich nicht im Vorbeigehen zu nehmen. Aserbaidschan und Kasachstan fordern zumindest auswärts die ganze Konzentration.

Ein Routinier wie der 98-malige Nationalspieler Ballack könnte gerade dabei sehr wertvoll sein. «Michael Ballack war für uns immer ein wichtiger Spieler», sagte Löw. Der 33 Jahre alte Alt-«Capitano» sieht in der EURO in Polen und der Ukraine seine letzte Chance, um mit dem Nationalteam einen großen Titel zu gewinnen.

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