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Löw: «Ernste» Gespräche über Kapitän - Wiese darf

Kopenhagen (dpa) - 10.08.2010, 20:21 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw (M) stimmt auf das Testspiel gegen die Dänen ein.
Bundestrainer Joachim Löw (M) stimmt auf das Testspiel gegen die Dänen ein.

Das Dänemark-Spiel scheint überflüssig, der Kapitäns-Konflikt schwelt weiter - doch Joachim Löw geht den Kaltstart in seine neue Amtszeit betont locker und zugleich seriös an.

«Es wird so sein, dass wir dieses Spiel intern ernster nehmen als es öffentlich dargestellt wird», kündigte der Bundestrainer bei seinem ersten Medien-Auftritt vor dem Saison-Auftakt des deutschen Nationalteams in Kopenhagen an.

Auch die pikante Auseinandersetzung um das Kapitänsamt zwischen Michael Ballack und Philipp Lahm veranlasst Löw zu keinerlei Aktionismus. «Wichtig ist erst einmal, mit den Beteiligten ernsthafte und seriöse Gespräche zu führen», sagte der Chefcoach. Bei dem Thema werde «unglaublich viel spekuliert», meinte Löw, der allerdings über den öffentlichen Vorstoß von WM-Kapitän Lahm eingeweiht war. Er werde «in aller Ruhe» die Situation analysieren - und bis Anfang September die Beteiligten informieren.

Zunächst steht trotz aller Terminsorgen und Kapitäns-Debatten der Auftritt gegen den WM-Teilnehmer Dänemark im Vordergrund, machte Löw deutlich: «Wir versuchen, ein gutes Spiel zu zeigen.» Allerdings relativierte der 50-Jährige die Ansprüche für die Partie mit einer Notelf schon jetzt: «Man muss bei diesem Spiel gewisse Abstriche machen. Diese Mannschaft hat nicht die Möglichkeit, so ein reibungsloses und homogenes Offensivspiel zu absolvieren wie bei der WM.» Bremens Tim Wiese, in Südafrika klagloser Torwart-Ersatz, wird über 90 Minuten im Tor stehen. Rückkehrer Thomas Hitzlsperger übernimmt für ein Spiel die heiß umkämpfte Kapitänsbinde.

Für die Kritiker kommt das Notspiel von Kopenhagen zur Unzeit - doch Löw macht aus dem umstrittenen Saisonstart den ersten Schritt für eine neue Periode bis zur EM 2012. «Es ist wichtig, dass wir einen etwas breiteren Kader haben für die nächsten zwei Jahre», betonte der Bundestrainer. Nach dem selbstverständlichen Verzicht auf die WM-Stars könne er sich in Dänemark frische Eindrücke von nachdrängendem Personal machen. «Wir haben keine eingespielte Mannschaft, aber es ist eine Chance für die Spieler.»


32 Tage nach dem «kleinen Finale» sind lediglich sieben Südafrika-Reisende in Kopenhagen dabei. Nur der Schalker Keeper Manuel Neuer, der diesmal auf der Bank Platz nimmt, und der nun für Manchester City spielende Jérome Boateng vertreten die Gruppe der WM-Stammkräfte. Der Wolfsburger Neuling Sascha Riether darf sich auf sein Debüt im A-Team freuen. Aber auch Dänen-Coach Morten Olsen hat nach dem WM-Vorrunden-Aus zehn neue Akteure benannt.

Schon im Training demonstrierten alle 16 deutschen Profis höchste Motivation. «Ich habe gespürt, dass sich alle Spieler gefreut haben», erklärte der Bundestrainer. Beim Abschlusstraining in Kopenhagen waren alle Akteure des Notkaders dabei. Bei angenehmen äußeren Bedingungen vermittelte Löw seinem Personal in der reinen Fußball-Arena noch einmal seine taktischen Vorstellungen. Vor allem Hitzlsperger, dem das lange Monate sicher geglaubte WM-Ticket noch entglitten war, zeigte sich beim Üben engagiert.

Der DFB-Chefcoach belohnte «The Hammer», wie Hitzlsperger in England wegen seiner Schussgewalt genannt wird, für seine klaglose Rolle nach der WM-Nichtberücksichtigung mit der Kapitänsbinde in Kopenhagen. «Er hatte lange daran zu knabbern», berichtete Löw von einem längeren Gespräch mit dem Ex-Stuttgarter. Inzwischen aber hat der Trainer eine «ganz andere Stimmungs- und Gefühlslage» bei dem 28-Jährigen ausgemacht. Die größte Länderspiel-Erfahrung und «auch Führungsqualitäten» nannte der Bundestrainer als weitere Gründe dafür, dass Hitzlsperger nun die Kapitäns-Rolle ausfüllen darf.

Seine Entscheidung über den Anführer in der EM-Qualifikation, die am 3. September mit einem Auswärtsspiel in Belgien beginnt und vier Tage danach mit einer Heimpartie gegen das von Ex-Bundestrainer Berti Vogts betreute Aserbaidschan weitergeht, will Löw in seine gesamten konzeptionellen Überlegungen für die nächsten zwei, vielleicht sogar «drei, vier Jahre» einbeziehen. Das würde eher für den jetzt 26-jährigen Lahm statt für den fast 34-jährigen Ballack sprechen. Der Leverkusen-Rückkehrer, der die WM wegen einer Fußverletzung verpasst hatte, kündigte inzwischen seinen Nationalmannschafts-Abschied für 2012 an. Die WM 2014 in Brasilien ist für ihn kein Thema mehr.

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