Löws Neustart-Notfall - Ansage zu Kapitän später
Berlin (dpa) - 08.08.2010, 14:40 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw bastelt sich für das Spiel gegen Dänemark einen Kader zusammen.
Das Machtwort in Sachen Kapitän ist verschoben - zunächst muss Joachim Löw die Notlösung für den Saisonauftakt in Dänemark zusammenbasteln. Nur ein Mini-Aufgebot von 17 Spielern wird der Bundestrainer in Frankfurt/Main begrüßen, darunter lediglich sieben WM-Fahrer. In Manuel Neuer und Jérome Boateng werden am 11. August in Kopenhagen beim Neustart gerade mal zwei WM-Stammkräfte auflaufen. Die Stars um WM-Kapitän Philipp Lahm bleiben bei ihren Vereinen, die den frühen Länderspiel-Termin heftig kritisiert hatten. «Capitano» Michael Ballack kämpft bei Bayer Leverkusen um seine endgültige Gesundung und seine immer mehr bröckelnde Ausnahmestellung. Dennoch will die sportliche Leitung von einer bunt oder gar wild zusammengewürfelten deutschen Fußball-Nationalmannschaft nichts wissen. Es seien «ausnahmslos» Spieler nominiert worden, «die wir vor der WM immer beobachtet haben und die sich mit guten Leistungen für weitere Einladungen empfehlen können», betonte Löw und verwies auf die Philosophie der DFB-Elf, die inzwischen auch den zahlreichen Aushilfskräften bekannt sein sollte. Dass der 50-Jährige aus einer Gruppe junger und teilweise unbekannter Profis ein schlagkräftiges Team formen kann, hat er spätestens in diesem WM-Sommer bewiesen. Dieses Mal aber muss das Puzzle im Hauruck-Verfahren passen.
Nur zwei Trainingseinheiten hat Löw, um aus den nach der Absage des Hamburgers Piotr Trochowski nur noch sieben WM-Kräften, acht Rückkehrern sowie den beiden Neulingen Sascha Riether (Wolfsburg) und Marco Reus (Mönchengladbach) ein halbwegs funktionierendes Ensemble zu kreieren. Das WM-System mit der Vierer-Abwehrkette, zwei zentralen Strategen, drei offensiven Mittelfeld-Leuten und einer Spitze wird auch in Kopenhagen zu sehen sein. Doch über die Notbesetzung darf kräftig spekuliert werden. Selbst für das Muster ohne Wert zieht Löw zum Üben zweimal hinter verschlossene Türen, gerade jeweils 15 Minuten gestattet der Bundestrainer den Medien Einblicke. Auch wer beim ersten Spiel nach Löws Vertragsverlängerung die Kapitänsbinde tragen wird, bleibt vorerst offen. Denn nicht nur Ballack und Lahm, die sich beide als geeignete Spielerchefs sehen, fehlen beim Kaltstart. Auch der komplette Mannschaftsrat mit Vize-Kapitän Schweinsteiger, Friedrich, Klose und Mertesacker pausiert gegen WM-Teilnehmer Dänemark, der ebenfalls einige Stars schont. Thomas Hitzlsperger, der nach dem Schock über die Nichtnominierung für Südafrika nun bei West Ham United gelandet ist, kann mit 51 auf die meisten Länderspiele der 17 Akteure verweisen. |