Jogi, wie ihn einst seine Mutter genannt hat und wie ihn heute fast alle im Land nennen dürfen, hat das Risiko nie gescheut. Er kletterte auf den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo, fuhr mit dem Mountainbike durch die Alpen, ging als Trainer in die heiße türkische Liga. Als Fußball-Profi bestritt Löw für den VfB Stuttgart, den SC Freiburg, den Karlsruher SC und Eintracht Frankfurt 52 Spiele in der Bundesliga und 252 Partien in der 2. Liga. Ganz nach oben reichte es nicht. Seinen größten Erfolg als Club-Trainer feierte er mit dem VfB Stuttgart, den er 1997 zum DFB-Pokalsieger machte und mit dem er ein Jahr später ins Europacup-Finale (0:1 gegen den FC Chelsea) einzog. Unter seiner Regie spielten die Schwaben mit dem «Magischen Dreieck» Giovane Elber/Fredi Bobic/Krassimir Balakow traumhaften Fußball. Danach verpasste der Südbadener zunächst den Sprung in die absolute Topriege der Trainer. Er stieg mit dem KSC in die 2. Liga ab und feierte seine Erfolge im Ausland, mit Fenerbahce Istanbul, Tirol Innsbruck und Austria Wien. Dann ereilte ihn der Ruf von Klinsmann. «Er ist kein klassischer Assistent», hatte Klinsmann schon im Sommer 2004 bemerkt. Er hatte Löw auch geholt, weil der ihm bei einem Trainerlehrgang die Viererkette «so gut wie kein anderer» erklären konnte. Löw wurde als Bundestrainer zur schillernden Figur und zum Werbestar. Er ist sehr modebewusst, bei ihm wurde plötzlich auch über seine edlen Schals diskutiert oder ein Silberamulett. In Zeitungen tauchten nach der EM 2008 sogar Fotos vom rauchenden Urlauber Löw am Strand auf. Der leidenschaftliche Espresso-Trinker zeigt auch Herz, die SOS-Kinderdörfer unterstützt Löw seit langem. Bei aller Prominenz, Löw zieht sich gerne aus der Öffentlichkeit zurück. «Jeder sollte da bleiben, wo er hingehört. Ich möchte glaubwürdig bleiben», begründete er etwa seine Abstinenz von politischen Fernseh-Talkshows oder Prominenten-Empfängen. Seine Frau Daniela, mit der er seit über 20 Jahren verheiratet ist, hält er fast ganz aus der Öffentlichkeit heraus. «Er hat seine Linie, von der er nicht abgeht - und das auf ganz umgängliche Art», sagte Teammanager Oliver Bierhoff, einer seiner engsten Vertrauten.
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