Nach den Triumphen über England (4:1) und Argentinien (4:0) sieht der deutsche Missions-Chef seine Himmelstürmer nicht mehr auf der Euphorie-Wolke, sondern «fokussiert und konzentriert» bei der Halbfinal-Vorbereitung. «Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft emotional nicht überdreht hat», erklärte Löw. Nach einem «Tag der Pflege und Regeneration» bat er sein Personal am Montag wieder auf den Trainingsplatz in Atteridgeville. Dabei fehlte neben dem angeschlagenen Sami Khedira, der zusammen mit dem bisher überragenden Schweinsteiger im Mittelfeld das vielleicht entscheidende Kräftemessen gegen die Barcelona-Stars Xavi und Andres Iniesta bestreiten soll, auch Arne Friedrich wegen einer Oberschenkelprellung. Auch Ersatztorwart Tim Wiese bestritt ein individuelles Regenerationsprogramm. Löw aber glaubt, dass bis zum Spiel die Probleme behoben sind: «Es sieht im Moment so aus, dass für Mittwoch alle Spieler zur Verfügung stehen könnten.» Ein «Fragezeichen» steht noch hinter Cacau, der nach einer Wirbelblockade allerdings schon wieder mit dem Team trainierte. Der bisherige WM-Shootingstar Thomas Müller ist für die Partie, die bei Millionen Fans in der Heimat für Gänsehaut-Stimmung sorgt, nach zwei Gelben Karten gesperrt. Löw nannte am Montag Piotr Trochowski, Toni Kroos und auch noch den angeschlagenen Cacau als mögliche Ersatz-Lösungen. «Damit musste man immer rechnen», meinte Löw zur Sperre für den viermaligen Torschützen Müller. Doch nach den guten Trainingseindrücken, die die Ersatzspieler bisher hinterließen, «habe ich ein gutes Gefühl», betonte Löw, dessen Frau erstmals in Südafrika als zusätzlicher Glücksbringer auf der Tribüne sitzen wird. Die neue Generation der Khedira, Özil, Boateng und Neuer steht im Schnelldurchlauf vor einer historischen Chance. Zum achten Mal kann Deutschland in ein WM-Endspiel einziehen. Und Löw selbst könnte sogar ein einmaliger historischer Triumph gelingen. Noch kein Bundestrainer konnte bei seinem ersten Turnier mit der Nationalmannschaft Weltmeister werden. Sepp Herberger schaffte es 1954 im zweiten Anlauf, Helmut Schön 1974 im dritten und Franz Beckenbauer 1990 ebenfalls im zweiten Versuch. Der «Kaiser» traut Löw und dessen «Boy Group» am Kap inzwischen alles zu: «Wir sind noch nicht fertig. Das Ziel ist, Weltmeister zu werden.» Ein Finale gegen die Niederlande am 11. Juli in Johannesburg sei das «Maximum». Schon jetzt verglich der ehemalige DFB-Teamchef die Auswahl um Kapitän Philipp Lahm mit seiner Weltmeister-Elf von 1990. «Wir haben 20 Jahre gewartet, um wieder so eine tolle deutsche Nationalmannschaft zu haben», lobte Beckenbauer. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich das Endspiel-Datum bereits rot im Kalender angestrichen und für den Fall eines schwarz- rot-goldenen Halbfinal-Sieges eine nochmalige Reise nach Südafrika in Aussicht gestellt. Doch zunächst warten die Spanier, die alle Protagonisten als noch stärker als England und Argentinien einordnen. Den Schlüssel zum Finale zeigte Schweinsteiger auf: «Wir müssen wieder eine taktische Meisterleistung auf den Platz kriegen.» Die voraussichtliche Aufstellung: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Boateng - Khedira, Schweinsteiger - Trochowski, Özil, Podolski - Klose
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