Der zweimalige Turnier-Torschütze Lukas Podolski, der an einer Muskelverhärtung litt, stand pünktlich zum Übungs-Härtetest wieder auf dem Platz und hinterließ einen guten Eindruck. Sogar Cacau stieg nach einer Woche Pause wieder ins Teamtraining ein. Als Alternativen für Podolski hatte Löw zuvor Marcell Jansen, Marko Marin und Toni Kroos genannt. Grünes Licht gab es für Mesut Özil. «Vielleicht hat ihm ein Tag weg vom Ball gut getan», erklärte Löw. Reservist Serdar Tasci wird wegen eines grippalen Infekts wohl fehlen. Die nötige Sicherheit gegen den zweimaligen Weltmeister mit den «überragenden Offensiv-Möglichkeiten» (Löw) soll der neuen deutschen Kicker-Generation um Özil, Khedira, Müller, Neuer und Boateng vor allem die bisherige Turnier-Leistung geben. «Wir haben uns gesteigert als Mannschaft», betonte der 21-jährige Jérome Boateng, der den viel bestaunten Aufstieg des jungen DFB-Teams in Südafrika personifiziert. Der Zuspruch und die Zuversicht sind im und um das Team groß. Was die Mannschaft bislang schon geleistet hat, sei hervorragend, übermittelte Michael Ballack, der auch beim letzten Training vorbeischaute und WM-Luft schnupperte. Im «Southern Sun»-Hotel im Vorort Newsland wohnt der verletzte Kapitän gemeinsam mit dem WM-Team unter einem Dach. «Das zeigt seine Verbundenheit», bemerkte Löw. Gegen Argentinien muss sich Ballack aber mit einem Tribünenplatz in der Nähe von Edelfan Angela Merkel begnügen. Denn auf die Bank darf er als inoffizielles Mitglied des deutschen WM-Teams nicht. Die Bundeskanzlerin setzt auf ein 2:1 für Deutschland: «Ich wünsche unserer Mannschaft einen guten Tag, gute Nerven und flotte Beine.» Die Vorfreude ist nicht nur bei Merkel «extrem hoch», bemerkte der Bundestrainer vor dem 97. deutschen WM-Spiel, in dem das 200. Tor fallen kann. Das würde liebend gern Miroslav Klose schießen, der zum 100. Mal im DFB-Trikot aufläuft. «Beide Mannschaften sind stark genug, das Spiel zu gewinnen», erklärte der 32-jährige Routinier. «Nach 100 Länderspielen hat er noch einen großen Ehrgeiz, erfolgreich zu sein», lobte der Trainer den Jubilar. Neben der gefährlichen Offensive um Messi warnte Löw nochmals besonders vor der körperbetonten Spielweise und der Aggressivität der Südamerikaner. «Sie bestreiten Zweikämpfe am Rande der Legalität, das ist ihre Stärke», sagte der 50-Jährige. Darauf müsse sich sein Team einstellen, auch wenn gleich sechs einsatzfähigen Spielern bei einer Gelben Karte das Aus für ein mögliches Halbfinale am 7. Juli in Durban gegen Spanien oder Paraguay droht. Unabhängig vom Ausgang der Neuauflage des WM-Viertelfinals von 2006 - damals gewann Deutschland im Elfmeter-Duell - ordnete Löw den WM-Auftritt in Südafrika bereits als gelungen ein. «Ich bin ein Trainer, der nicht alles am Ergebnis und einer Platzierung festmacht», erklärte Löw und verwies damit erstmals auf seine persönliche Berechtigung, mit dem Team nach der WM weiterarbeiten zu können. Ex-Teamchef Franz Beckenbauer sieht Kapstadt noch nicht als WM-Endstation: «Mit dieser Frische kann man viel erreichen, auch gegen eine ausgebuffte Mannschaft wie die Argentinier.»
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