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Nur kurze Feier vor Argentinien-Aufgabe

Bloemfontein (dpa) - 28.06.2010, 12:04 Uhr

Miroslav Klose (r) und Thomas Müller schießen Deutschland ins Viertelfinale.
Miroslav Klose (r) und Thomas Müller schießen Deutschland ins Viertelfinale.

Nach dem in der Heimat euphorisch gefeierten WM-Paukenschlag gestattete Joachim Löw seinen «England-Helden» nur eine kurze Feier. Zurück in Pretoria ließ der Bundestrainer den Blick auf die kommende schwere Aufgabe schweifen: Argentinien.

Nach dem Flug vom Spielort Bloemfontein erfuhren die Spieler um den neuen «deutschen Müller» vom Viertelfinal-Gegner, der ihnen in Kapstadt gegenüberstehen wird. «Argentinien ist eine Weltklassemannschaft. Erst England, jetzt Argentinien - wir haben ein hartes Programm», erklärte Abwehrspieler Arne Friedrich, der auch gegen die Engländer seine starke WM-Form unterstrichen hatte.

Vor allem in der kritischen Phase nach dem Anschluss und dem nicht gegebenen «Wembley-Tor» der Engländer hatte das junge Team schon gegen die «Three Lions» Kämpfer-Qualitäten bewiesen. Löw räumte zum Latten-Abpraller von Frank Lampard aber auch klar ein: «Ich habe im Fernsehen gesehen, dass der Ball hinter der Linie war. Das hätte man als Tor pfeifen müssen.»

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«Es ist ein Gesamtbild, das wir hier abgeben, und ein Gesamterfolg. Und Jogi gibt die Richtung vor», nannte Teammanager Oliver Bierhoff einen Hauptgrund für das große WM-Ausrufezeichen, das Löws «Boy Group» gegen die am Ende zahnlosen «Three Lions» gesetzt hatte. In der Defensive konzentrierter als in der Gruppenphase, offensiv mit großen Möglichkeiten - «die Mannschaft hat aus dem Ghana-Spiel gelernt. Nach vorne hat sie gegen die Engländer fast jede Möglichkeit genutzt», erklärte der DFB-Chefcoach.

Im WM-Stammquartier durften die Spieler nach der Rückkehr von einem denkwürdigen Match «nochmal anstoßen», wie Kapitän Philipp Lahm sagte: «Wir wissen, dass mit dieser Mannschaft sehr viel möglich ist. Wir können Stiche nach vorne setzen.» Doch Lahm wies bei allem Jubel und aller Begeisterung über die Generation der Özil, Müller und Khedira auch darauf hin, «dass die Mannschaft noch immer in der Entwicklung ist». Von einer Favoritenrolle auf den WM-Titel wollte Löw auch deshalb noch nichts wissen.


«Wir werden jetzt gut regenerieren, gut schlafen, gut essen - und uns dann auf den nächsten Gegner vorbereiten», fasste Lukas Podolski das Sofortprogramm nach der Viertelfinal-Qualifikation zusammen. Im Free State Stadium von Bloemfontein hatte der Kölner (32. Minute) neben Miroslav Klose (20.) und dem unglaublichen Youngster Thomas Müller (67./70.) vor 40 510 Zuschauern die deutschen Tore erzielt. «Die Gegner werden nicht einfacher», warnte jedoch der Mann mit dem legendären deutschen Fußballer-Namen Müller. Gerd Müller hält als «Bomber der Nation» mit 68 Treffern in 62 Länderspielen noch immer mit Abstand den DFB-Tore-Rekord.

Müller sieht nach den kräfteraubenden 90 Minuten gegen England in der nun längeren Pause einen Vorteil: «Wir können jetzt fünf Tage regenerieren und uns super auf Argentinien vorbereiten.» Schon jetzt hat es Bundestrainer Löw geschafft, aus einer Mischung aus turnierunerfahrenen und schon gestählten Spielern eine Einheit zu formen, der die Sympathien der Nation förmlich zufliegen. «Taktisch hervorragend, aggressiv, schnell nach vorn», fasste Löw die deutschen Vorteile gegen England zusammen. «Ich spüre bei den Spielern die Überzeugung und den Mut.»

Diego Maradona rechnet beim WM-Klassiker gegen Deutschland mit mehr Gegenwehr für Argentinien als beim 3:1- Sieg im Achtelfinale gegen Mexiko. «Wir wissen, dass Deutschland eine ganz andere Mannschaft als Mexiko ist», sagte der Trainer des zweimaligen Weltmeisters. Deutschland sei stärker als Mexiko, betonte Maradona. «Wir stellen unser bestes Team zusammen, unser Gala-Team. Es wird die Mannschaft sein, die mir die Garantie gibt, dass wir gegen Deutschland weiterkommen», sagte der 49-Jährige.

Anfangs wollte der ansonsten redselige Maradona, der sogar die Pressekonferenz im Soccer City Stadion von Johannesburg kurz vor Mitternacht verlängerte, gar nichts über den kommenden Gegner sagen. «Lasst mich erstmal das Spiel gegen Mexiko genießen», bat er die Journalisten nach dem 3:1-Sieg. «Warum soll ich jetzt an Deutschland denken. Lasst mich morgen darüber nachdenken», meinte Maradona, der mit seiner Mannschaft im März dieses Jahres einen WM-Härtetest gegen Deutschland in München mit 1:0 gewonnen hatte.

«Schreibt, was auch immer ihr wollt, was ich über Deutschland denke», sagte Maradona, der als Spieler zweimal im Finale einer WM gegen die DFB-Mannschaft gespielt hatte. 1986 in Mexiko gingen die Argentinier als Sieger vom Platz, 1990 gewann die DFB-Auswahl bei der WM in Italien.

Es war die bis dato letzte Niederlage der Argentinier gegen Deutschland in einem Spiel über 90 Minuten. Im WM-Viertelfinale 2006 in Berlin unterlagen die Südamerikaner erst im Elfmeterschießen mit 2:4. Maradona war damals als Maskottchen bei der WM in Deutschland im Einsatz. 2010 ist er der Trainer des bislang in vier Spielen viermal siegreichen Teams aus Südamerika.

Auch Lionel Messi sieht Deutschland «schwierigen Gegner» im WM-Viertelfinale von Südafrika bezeichnet. Der argentinische Weltfußballer hofft darauf, seinen Torbann beim WM-Klassiker endlich brechen zu können. «Hoffentlich, wenn Gott es will, gelingt es gegen Deutschland», sagte der 23-Jährige.

In den bisherigen vier Spielen der Argentinier klappte es trotz teilweise brillanter Auftritte noch nicht mit einem Tor von Messi. Dafür platzte gegen Mexiko der Knoten bei Carlos Tevez. Der bullige Manchester-City-Angreifer und argentinische Publikumsliebling erzielte zwei Tore, ein weiteres ging auf das Konto von Gonzalo Higuain. Der Stürmer von Real Madrid führt mit insgesamt vier Treffern vorerst die Torschützenliste bei der WM an.

Maradona nahm seinen Liebling Messi aber in Schutz und kritisierte Schiedsrichter und Abwehrspieler scharf, weil er sich Sorgen um den Weltfußballer macht. «Was mit Messi gemacht wird, ist ein Skandal», sagte Maradona. «Die schauen nicht mal nach dem Ball, sondern treten ihn», schimpfte er. Es habe aber lediglich Verwarnungen dafür gegeben. «Ich habe das selbst erlebt vor 20 Jahren», schilderte Maradona und forderte: «Ich möchte, dass Messi respektiert wird. Es gibt für alles eine Grenze.»

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